Schalkes Fan-Club-Dachverband ist gegen die Teilzulassung von Zuschauern ab der kommenden Saison. Aber diese „Kröte“ wird wohl zu schlucken sein.

Gelsenkirchen

, 27.07.2020, 07:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Alle oder keiner!“ Ein starkes Motto, große Worte, ein Zeichen der Solidarität. Schalkes Fan-Club-Verband kann dem Konzept der Deutschen Fußball-Liga, ab kommender Saison einem Teil der Zuschauer wieder den Stadionbesuch zu ermöglichen, nur wenig abgewinnen. Die Teilzulassung wird von der Schalker Fan-Club-Repräsentanz abgelehnt. Nur der gemeinsame Stadionbesuch sei auch ein „richtiger“ Stadionbesuch.

So weit, so gut, und irgendwie ja auch nachvollziehbar. Tatsächlich waren und sind die Geisterspiele so völlig ohne Kulisse schon gespenstisch genug, als dass man ihnen nun einen zweiten Akt folgen lassen müsste. 17.000 bis 25.000 Zuschauer wären dem DFL-Konzept zufolge in der Arena möglich, für manch einen wäre das wohl ähnlich gruselig wie ganz ohne Zuschauer. Wobei man fairerweise erwähnen sollte, dass zu den alten Parkstadion-Zeiten durchaus Spiele vor solchen Kulissen stattgefunden haben, ohne dass damals jemand auf die Vokabel „Geisterspiel“ gekommen wäre.

Aber darum geht‘s jetzt ja nicht. Es geht auch nicht darum, dass - bei allem Verständnis für die Sehnsucht nach dem wahren Fan-Erlebnis - die Bratwurst nicht mehr schmeckt, weil der beste Kumpel ja nicht auch im Stadion sei. So und ähnlich lauten in den sozialen Medien die Argumente der Unterstützer des Verbands-Statements. Es geht derzeit nicht um die Bratwurst, sondern es geht schlicht und ergreifend um die Wurst. Gerade Schalke, das hat Corona ja entlarvt, ist auf Einnahmen dringend angewiesen. Und da zählt - beinahe wie früher- jeder Zuschauer.

Nicht nur auf Einnahmen ist Schalke übrigens angewiesen, sondern auch auf Atmosphäre. Keine Mannschaft transportierte während der Geisterspiele die gespenstische Stimmung so rasch in ihr eigenes Spiel wie Schalke. Ohne Zuschauer waren die Königsblauen nahezu „blutleer“ - insofern können Zuschauer, ob nun 15.000 oder 20.000 oder 60.000, nur helfen.

Das DFL-Konzept, ehrgeizig allemal, ist ohnehin umstritten genug. Erneut will der Fußball den Vorreiter spielen und nun bei Großveranstaltungen wieder Zuschauer in durchaus größerer Zahl zulassen. Das wird erneut Widerspruch provozieren - die Zulassungsbeschränkungen sind da eine „Kröte“, die es für Fußball-Fans zu schlucken gilt. Schließlich muss in dieser seltsamen Zeit - und wir sind ja noch mittendrin! - jeder Kompromisse schließen, die vorher außerhalb jeder Vorstellungskraft lagen.

Sowieso wird fraglich sein, ob sich das DFL-Konzept einfach so durchwinken lässt. Denn die Diskussion darüber hat ja gerade erst begonnen - ausgerechnet in einer Zeit, in der das mulmige Gefühl wegen steigender Corona-Neuinfektionen ein Comeback erlebt. Wenn die Gemengelage zur falschen Seite kippt, wird aus dem gut gemeinten Schalker Fan-Motto „Alle oder keiner“ am Ende vielleicht eine ganz einfache Lösung: Keiner!