Günter Eichberg zählte zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Schalker Vereinsgeschichte. Vor 27 Jahren trat der ehemalige Klinikbesitzer als Schalke-Präsident zurück.

Gelsenkirchen

, 17.10.2020, 07:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Eichberg im Januar 1989 auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zum Präsidenten gewählt wurde, dümpelte der FC Schalke 04 in der 2. Liga herum. 1991 führte Eichberg die Königsblauen zurück in die Bundesliga und begründete mit teilweise gewagten und umstrittenen Investitionen eine erfolgreiche Ära.

Wegen seines schillernden Auftretens bekam Eichberg schnell den Spitznamen „Sonnenkönig“ verpasst. Manche sahen in Eichberg einen Visionär, der viele Entwicklungen voraussah, etwa die Notwendigkeit für Schalke 04, über ein eigenes Stadion zu verfügen.

Wichtiger Helfer in der Schalker Not

Andere kritisierten, dass er die gute Ausgangsposition nach dem Aufstieg 1991 durch einen sehr leichtfertigen Umgang mit den Finanzen vergab und Schalke am Ende seiner Amtszeit wieder um den Ligaverbleib fürchten musste. Als Eichberg antrat, drohte indes das Verschwinden im Niemandsland der 2. Liga. Das hat Günter Eichberg verhindert.

Eichberg entwickelte die Idee einer Reha-Klinik im Parkstadion und einer neuen Spielstätte mit verschließbarem Dach. Beide Ideen wurden später von Manager Rudi Assauer umgesetzt, den Eichberg nach kurzen Amtszeiten von Günter Netzer und Helmut Kremers Anfang 1993 überraschend nach Schalke zurückgeholt hatte. Eichberg wurde aber auch mit Finanztricks in Verbindung gebracht, sowohl bei der Führung seiner Unternehmen als auch beim FC Schalke 04. Vor allem das undurchsichtige Geschäftsgebaren der von ihm gegründeten Marketing GmbH stiße auf Kritik.

„Im Rausch der Kohle“

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ widmete ihm am 25. Oktober 1993 unter dem Titel „Im Rausch der Kohle“ einen Artikel, in dem die Autoren dem „Scharlatan“ und „Felix Krull aus Gütersloh“ vorwarfen, Schalke mit Bestechung, Finanztricks und Millionenkrediten in den Ruin getrieben zu haben.

Sowohl der Verein als auch Eichberg selbst wehrten sich stets gegen diese Anschuldigungen. Kurz zuvor war Eichberg am 17. Oktober 1993 - für viele überraschend - von seinem Amt als Schalke-Präsident zurückgetreten. Dem Klub hinterließ er einen hohen Schuldenberg von seinerzeit rund 20 Millionen Mark.

Lange in Florida gelebt

Von Ende 1993 bis zur Jahrtausendwende lebte Günter Eichberg in Palm Beach, Florida, wo mehrere Geschäftsideen ohne Erfolg blieben. Unter anderem entwickelte er zusammen mit einem Mediziner aus Texas ein Medikament gegen Diabetes, das von den zuständigen US-Behörden jedoch nicht zugelassen wurde.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er wieder als Unternehmensberater für Kliniken und Krankenkassen tätig. Eichberg starb nach langer Krankheit im Alter von 72 Jahren im Juli 2018 in seiner Heimatstadt Gütersloh.

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