Sollte Schalke verstärkt auf eigene Talente setzen?

Pro & Kontra

Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies hat angekündigt, ab der neuen Saison verstärkt mit dem eigenen Nachwuchs aus der „Knappenschmiede“ für den Bundesliga-Kader zu planen. Mehr Talente statt fertige Stars: Ist das der richtige Weg für Schalke?

GELSENKIRCHEN

, 13.04.2015 / Lesedauer: 3 min
Sollte Schalke verstärkt auf eigene Talente setzen?

Leroy Sane (r.), hier im Duell mit Gonzalo Castro, ist eines der Talente aus der Schalker Knappenschmied

Pro: Tönnies hat Recht - Jugend forsch!

Das gellende Pfeifkonzert nach dem 0:0 gegen Freiburg hallt noch immer durch die Arena auf Schalke. Weil es reicht, eine solch blutleere, uninspirierte und gleichgültige Truppe da unten auf dem Rasen kicken zu sehen. Die Geduld der Fans ist überstrapaziert, und sie ist erschöpft. Weil sie Spielern wie Neustädter, Aogo, Fuchs, Barnetta, Kirchhoff, Höger, schon gar nicht Sam und Boateng zutrauen, diesem derzeit vor sich hindümpelnden FC Schalke 04 Leben einzuhauchen.

Keine Luft nach oben

Da ist keine Luft nach oben, da sind die Leistungen längst eingefroren. Und weil die Königsblauen, die nun einmal keine prall gefüllte Portokasse haben, ihre wenigen flüssigen Euro nicht in teure Neuzugänge investieren können, ist der Weg, den Clemens Tönnies eindringlich aufzeigt, der einzig richtige. Sollen sie doch Lehrgeld zahlen müssen, die Jünglinge namens Meyer, Sane, Ayhan, Friedrich. 

Sie sind bestens geschult, sie haben keine Angst vor der Liga. Sie stehen für Frische, Innovation, Unbekümmertheit, sie stehen für eine erfolgreiche Zukunft. Das hat Charme, das lässt eine Menge Fantasie zu. Weil ja die Eckpfeiler wie Fährmann, Höwedes, Farfan, Huntelaar, ein gesunder Goretzka den nötigen Halt geben dürften. Die Zuschauer hätten ihren Spaß an dem Nachwuchs, jungen Spielern verzeiht man gern mal einen Fehler. Sie werden schon weniger. Hoffentlich!

Von Gerd Strohmann

Kontra: Tönnies hat Unrecht - Sprung zu groß

Zugegeben, das ist der Stoff, für den Fußball-Romantiker leben. Ein wilder Haufen junger Kicker, die nur wenige Kilometer entfernt vom Stadion geboren wurden, mischen für Schalke die Bundesliga auf.

Nur ein schöner Traum

Mit dem Vereinsemblem auf dem Trikot und im Herzen stürmen die erfolgshungrigen Jungs bis in die Champions League. Aber: Leider wird das ein schöner Traum bleiben. Denn bei aller Liebe dafür und auch der Notwendigkeit, dem Nachwuchs eine echte Chance zu geben: Ein Klub mit den Ambitionen des FC Schalke 04 darf auf die Karte „Talentschuppen“ nur bedingt setzen.

Schalke zählt sich zu den stärksten Kräften des deutschen Fußballs – und hat eine gewisse Strahlkraft auch auf europäischem Terrain erreicht. Diese jetzt aufs Spiel zu setzen, wäre fatal. Denn ohne ein stabiles Gerüst aus erfahrenen Stars und deren Qualität als Führungskräfte werden die Königsblauen sich nicht in der Spitze halten können. Der Sprung für Jungprofis auf europäisches Top-Niveau ist riesig, zwischen Junioren-Bundesliga oder Regionalliga – dort spielt Schalkes Reserve  – zur Bundesliga liegen gefühlt Welten.

Zu viele Frischlinge verderben den Brei

Jedes Jahr ein, vielleicht zwei Talente wie bislang einzubauen, mag gelingen. Das kann sogar für frischen Wind in der Profitruppe sorgen. Zu viele Frischlinge aber verderben den Brei. Und das kann sich Schalke 04 nicht leisten. 

Von Sascha Klaverkamp

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