Kann Schalke 04 Abstiegskampf? Nach dem Absturz auf Platz 15 in der Bundesliga geht bei den Königsblauen die Angst um. Eine Schalke-Legende bleibt Optimist.

Gelsenkirchen

, 19.03.2019, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Olaf Thon weiß aus eigener Erfahrung, wie sich Abstiegskampf anfühlt. In der Saison 1987/88 gehörte er zum Kader der Königsblauen, der nach 34 Spieltagen zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten musste.

„Wir hatten in den Jahren zuvor an den internationalen Plätzen geschnuppert, doch dann lief es nicht. Es gab einen Haufen Probleme“, erinnert sich der 52-Jährige. Zum Beispiel war sein Verhältnis zu Torhüter Toni Schumacher nicht das Beste. Thon: „Heute sind wir gute Freunde, aber damals hat er mich in seinem Buch beleidigt. Deshalb bin ich nicht gerade in Begeisterung ausgebrochen, als Toni verpflichtet wurde“.

Schwächste Abwehr mit 84 Gegentoren

Schumacher war jemand, der polarisierte. Eigentlich sollte er als Führungsspieler den Traditionsverein sportlich weiter nach vorn bringen, doch am Ende der Spielzeit war Schalke zu einer Schießbude der Bundesliga mutiert. Mit 84 Gegentoren hatten die Königsblauen die mit Abstand schwächste Abwehr der Bundesliga.

Hinzu kamen gravierende Verletzungsprobleme. Auch Thon stand den Königsblauen aus diesem Grund in den letzten Saisonspielen nicht mehr zur Verfügung.

Als Tabellenletzter stand nach 34 Spieltagen sogar der FC Homburg vor den Blau-Weißen, denen auch ein Trainerwechsel von Rolf Schafstall zu Horst Franz nicht mehr weiter half. „Nichts gegen Horst Franz. Er hatte damals in der Trainerbranche den Ruf als Retter und Feuerwehrmann. Doch bei unserer Mannschaft konnte er den Brand nicht mehr löschen“, erzählt Thon im Gespräch mit dieser Zeitung.

Schalke kassierte immer wieder sportliche Nackenschläge, wie zum Beispiel am 9. April 1988 ein 1:8-Debakel beim FC Bayern München. In den letzten acht Bundesligaspielen in der Saison 1987/88 gab es keinen einzigen Sieg mehr. Am Ende waren die Blau-Weißen sang- und klanglos abgestiegen.

„So etwas geht gar nicht“

„Die damalige Situation ist mit der von heute nicht zu vergleichen. Jetzt ist Schalke leider als Vizemeister in die Abstiegsregion geraten, was für uns alle sehr überraschend gekommen ist“, betont Thon. Disziplin und die Bündelung aller Kräfte seien jetzt das Gebot der Stunde.

Dabei bleibt der frühere Schalker Mannschaftskapitän optimistisch, dass sein Herzenklub die Kurve kriegt und den Klassenerhalt schafft. „Der Verein hat nun Leute mit Stallgeruch wie Huub Stevens, Mike Büskens und Gerald Asamoah in verantwortlichen Positionen. Das ist der richtige Weg“, glaubt Thon.


Disziplin ist in dieser Phase sehr wichtig

Auch wenn das Heimspiel gegen RB Leipzig verloren wurde, sieht der ehemalige Nationalspieler positiv in die Zukunft. Thon: „In dieser Partie war schon eine Steigerung in spielerischer und kämpferischer Hinsicht zu sehen. Huub Stevens hatte ja nicht viel Zeit. Die Länderspielpause wird er jetzt nutzen, um die Mannschaft weiter zu vernbessern“.

Dass Stevens sofort hart durchgriff und Nabil Bentaleb suspendierte, weil dieser das Leipzig-Spiel schwänzte, findet bei Thon volle Unterstützung. „So etwas geht gar nicht. Dieses Verhalten darf man sich nicht gefallen lassen“.

Dass er nicht selbst gefragt wurde, Schalke zu helfen, nimmt der Eurofighter sportlich: „Wenn der Verein auf mich zugekomen wäre, hätte ich darüber nachgedacht. Aber ich bin nicht sauer oder enttäuscht, dass es so gekommen ist“, betont Thon.

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