Am Samstag ist Jochen Schneider seit 100 Tagen als Sportvorstand des FC Schalke 04 tätig. Warum eine Bilanz seiner Arbeit schwer fällt.

Gelsenkirchen

, 21.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Am 14. März 2019 unterschrieb Jochen Schneider einen Dreijahresvertrag als neuer Sportvorstand des FC Schalke 04. Am Samstag ist er genau 100 Tage im Amt. In der Politik und im Sport ist es üblich, in diesem Zeitraum eine erste Bilanz zu ziehen. Bei Jochen Schneider fällt das schwer.

Das liegt nicht an seiner Person. Der 48-Jährige ist ein höflicher und zurückhaltender Mensch; sondern an der schwierigen Aufgabe, die Schneider übernommen hat. Denn nach einer restlos enttäuschenden Bundesligasaison, die Schalke auf dem 14. Tabellenplatz abgeschlossen hat, muss der Fußballfunktionär den sportlichen Bereich völlig neu ordnen. Dass ihm dabei nur relativ wenig Geld zur Verfügung steht, macht die Sache nicht einfacher.

Geringer finanzieller Spielraum für Transfers

Zwischen 20 und 25 Millionen Euro liegt die Summe, die der Aufsichtsrat angeblich für Neuzugänge bewilligt hat. Etwas mehr könnte es nur sein, wenn es Schneider gelingt, Spieler zu verkaufen. Doch Akteure wie Yevhen Konoplyanka, Amine Harit oder Nabil Bentaleb sind aus unterschiedlichen Gründen nur schwer an den Mann beziehungsweise an einen neuen Verein zu bringen.

Schneider ist bemüht darum, Ruhe und Gelassenheit trotz der schwierigen Ausgangslage auszustrahlen. Drängende Journalistenfragen nach einem neuen Sportdirektor oder neuem kickenden Personal, begegnete er mit Sätzen wie diesen. „Da geht Qualität vor Zeit. Ich weiß, dass hier alles ein bisschen aufgeregter, ein bisschen emotionaler ist. Aber je unruhiger es im Umfeld wird, desto ruhiger werde ich“, so der Schalker Sportvorstand.

Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen

Dabei kommt ihm seine langjährige Erfahrung im Profifußball womöglich zugute. Nach einer Banklehre absolvierte er während seines BWL-Studiums ein Praktikum beim VfB Stuttgart. Das war der Startschuss für seine Kariere als Funktionär, in der er die meiste Zeit im Hintergrund agierte.

Auf Schalke muss Schneider nun öfter als ihm lieb ist den Medienvertretern Rede und Antwort stehen. Ein markantes Profil konnte er noch nicht entwickeln, aber die Unterschiede zu seinem Vorgänger Christian Heidel sind nicht zu übersehen. Während Heidel - mit einer gewissen Portion Eitelkeit ausgestattet - in der Öffentlichkeit oft omnipräsent war, bevorzugt Schneider die leisen Töne.

Keine Kritik an seinem Vorgänger

Kritik an seinem Vorgänger ließe sich reichlich formulieren, zum Beispiel an der verfehlten Transferpolitik. Doch das ist nicht Schneiders Ding. Am liebsten ist es ihm, erst Entscheidungen zu treffen und dann die Öffentlichkeit zu informieren. Wie zum Beispiel bei der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Guido Burgstaller bis 2022, einer für Schalke sehr wichtigen Personalie, die Schneider geräuschlos abwickelte.

Bei Alexander Nübel ist es ihm bisher jedoch nicht gelungen, den Torwart längerfristig an Schalke zu binden. Ob Schneider das gelingt, ist ein Punkt, an dem seine Arbeit wesentlich beurteilt werden wird. Und natürlich wird er auch wesentlich daran gemessen werden, ob die von ihm verpflichteten Neuzugänge besser einschlagen als bei Heidel.

Selbstironie ein Markenzeichen

Clemens Tönnies ist jedenfalls überzeugt davon, die richtige Person ausgewählt zu haben. „Wir haben für die Besetzung des Sportvorstandes ein klares Profil formuliert: einen erfahrenen Fußballfachmann, der über ein erstklassiges Netzwerk im nationalen und internationalen Profifußball verfügt und in den letzten Jahren mit Erfolg moderne Konzepte verfolgt. Jochen Schneider erfüllt alle diese Anforderungen“, betonte der Schalke-Boss bei der Vorstellung von Schneider.

Ob der 48-Jährige diese Erwartungen erfüllen kann, lässt sich natürlich nach 100 Tagen noch nicht seriös beurteilen. Stallgeruch, gerade auf Schalke immer ein großes Thema, oder eine glanzvolle Fußballer-Laufbahn, hat Schneider nicht zu bieten. Aber eine selbstironische Ader, was ihn sympathisch macht. „Meine Karriere fand auf Amateur-Niveau statt. Es war keiner bereit, für mich Geld auszugeben“, erzählte er einmal mit einem Augenzwinkern. Mit akribischer Arbeit will er einen Beitrag leisten, dass Schalke das Mittelmaß schnell verlässt. Ob das gelingt, wird sich frühestens in den nächsten Monaten zeigen.

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