Rund 50 Millionen Euro hat Schalke 04 in dieser Saison in neues Personal investiert. Nach zehn Pflichtspielen fällt eine erste Bilanz ernüchternd aus. Eine Ausnahme gibt es aber.

Gelsenkirchen

, 13.10.2018 / Lesedauer: 3 min

Voller Zuversicht waren die Königsblauen in die Saison gestartet – auch und gerade mit Blick aufs Personal. Zwar hatten mit Leon Goretzka, Max Meyer und Thilo Kehrer wichtige Spieler den Verein verlassen, doch zumindest nominell schien Manager Christian Heidel adäquaten Ersatz gefunden zu haben.

Mit Salif Sané etwa kam ein Innenverteidiger zu Schalke, den Experten unter die fünf besten der Liga zählten, Mark Uth brachte die Expertise mit, nach Thomas Müller von Bayern München der zweitbeste Scorer Deutschlands zu sein.

Nach zehn Pflichtspielen muss man jedoch nüchtern feststellen: So richtig gezündet hat noch keiner. Wir ziehen eine erste Zwischenbilanz.

Omar Mascarell: Der Mittelfeldspieler hatte das Pech, dass er sich im Trainingslager in Mittersill einen Muskelfaserriss zuzog. Diese Verletzung warf den Spanier weit zurück. Was Hoffnung macht: Seit Mascarell wieder einsatzfähig ist, kommt er langsam in die Spur. Nach dem Sieg in Düsseldorf gab es viel Lob von Sportvorstand Christian Heidel: „Omar macht im Mittelfeld die Räume zu. Das ist etwas, das man von außen vielleicht gar nicht so sieht. Aber es ist genau das, was wir brauchen. Er hat es top gemacht.“

Salif Sané: Der Neuzugang aus Hannover hatte Anlaufschwierigkeiten. In den ersten Partien klappte vor allem das Zusammenspiel mit Naldo noch nicht so recht, von dem man sich so viel versprochen hatte: Immerhin spielten ja zwei der besten Innenverteidiger der Liga jetzt in einer Mannschaft. Seit einigen Wochen zeigt seine Leistungskurve nach oben.

Schalkes Neuzugänge haben noch ganz viel Luft nach oben

Ob mit Naldo oder Matija Nastasic, Salif Sané scheint seinen Spielrhythmus nun gefunden zu haben. © dpa

Suat Serdar: Der U21-Nationalspieler ist auf Schalke noch nicht so recht angekommen. Kleinere Verletzungen stoppten ihn immer wieder. Aktuell ist der 21-jährige Ex-Mainzer wegen einer Sehnenreizung im Oberschenkel außer Gefecht und musste die U21-Länderspieleabsagen. In einigen Partien war jedoch zu sehen, dass Serdar über großes Potenzial verfügt.

Steven Skrzybski: Von Zweitligist Union Berlin geholt, war nicht zu erwarten, dass er schnell Fuß fassen würde. Zumal im Angriff die Konkurrenz bei den Königsblauen groß ist. Aktuell muss Skrzybski viel Geduld mit bringen. Auch der junge Cedric Teuchert hat ihm momentan in der Stürmer-Hierarchie überholt.

Mark Uth: Er arbeitet zwar viel für die Mannschaft, aber Stürmer werden nun einmal an Toren gemessen. Da steht beim gebürtigen Kölner immer noch die Null. Klar, dass Uth damit alles andere als zufrieden ist. Vielleicht verschafft ihm ein Einsatz in der deutschen Nationalmannschaft, für die er erstmals nominiert wurde, ein bisschen Rückenwind.

Schalkes Neuzugänge haben noch ganz viel Luft nach oben

Mark Uth: Der Einsatz stimmt, doch ein Stürmer wird eben an Toren gemessen. © NBM

Sebastian Rudy: Der Nationalspieler, von Bayern München zu Schalke gewechselt, ist die bisher größte Enttäuschung bei den Königsblauen. Schalke führt das auf körperliche Defizite bei Rudy zurück, der verletzungsbedingt viele Wochen ausgefallen war.

„Da ist es dann schwer für Sebastian, in einen Spielrhythmus zu kommen. Aber das werden wir hinkriegen“, so Trainer Domenico Tedesco. In den letzten drei Bundesligaspielen kam der Nationalspieler gar nicht zum Einsatz. Jetzt ist er beim Löw-Team. Ob das so glücklich ist, wird man sehen. Bisher macht Rudy, auch von seiner Körpersprache, nicht den Eindruck, als könne er Schalke kurzfristig sportlich helfen.



Hamza Mendyl: Keine Regel ohne Ausnahme: Der Linksverteidiger, als Ersatz für den Langzeitverletzten Bastian Oczipka geholt, scheint kaum Anpassungsprobleme zu haben und war nahezu von seinem ersten Spiel an eine wichtige Verstärkung für die Königsblauen. Behält er seine aktuelle Form bei, dürften es seine Konkurrenten Oczipka und Baba schwer haben, an ihm vorbei zu kommen.“

Standpunkt von Matthias Heselmann: Geduld ist gefragt - Als Sebastian Rudy nach dem ersten Saisonspiel von Bayern München verpflichtet wurde, war der Applaus nahezu einstimmig. „Klasse Transfer“, war die vorherrschende Meinung. Und jetzt? Nach vier schwachen Einsätzen in Königsblau gilt er in einigen Fankreisen schon als kapitaler Fehleinkauf. Dass ein Spieler mit vielen Vorschusslorbeeren nach Schalke kommt und sofort „einschlägt“, hat es zwar auch schon gegeben. Etwa bei Johannes Geis und Roman Neustädter. Beide spielten auf Schalke eine starke erste Hinrunde – in beiden Fällen ging dann die Leistungskurve steil nach unten. Andere Spieler brauchten einige Monate, um sich auf Schalke zu akklimatisieren. Dass Sebastian Rudy ein guter Fußballer ist, ist unbestritten: Nicht umsonst hatte Bayern München ihn aus Hoffenheim geholt, nicht umsonst hat ihn Bundestrainer Joachim Löw erneut für die Nationalmannschaft nominiert. Doch nach einer mehrmonatigen Verletzungspause braucht der 28-Jährige wohl noch etwas Zeit, um wieder zu alter Form zu gelangen. Und: In seinen ersten Wochen auf Schalke, als das Team mit der Niederlagenserie zu kämpfen hatte, waren statt Rudys spielerischen Talenten eher Robustheit und Kampf gefragt. Rudys Zeit auf Schalke wird noch kommen – und darüber, ob er ein Fehleinkauf ist oder nicht, urteilen wir nach der Saison.