Schalkes neuer Trainer fragt selbstironisch: „Ist der Baum zu klein?“

Schalke 04

Manuel Baum (41) weiß, dass größere Namen gehandelt wurden. Dafür ist der Co-Trainer ein prominenter, alter Bekannter. Ihre Aufgabe: Struktur in eine verunsicherte Mannschaft bringen.

Gelsenkirchen

, 30.09.2020, 20:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Erste Einheit als Schalke-Trainer: Manuel Baum soll die Königsblauen aus der Krise führen.

Erste Einheit als Schalke-Trainer: Manuel Baum soll die Königsblauen aus der Krise führen. © Boris Spernol/RW Media

Die Fähigkeit, auch über sich selbst schmunzeln zu können, ist nicht bei allen Beteiligten in der Profifußball-Branche ausgeprägt. Manuel Baum, seit Mittwoch Trainer des FC Schalke 04, bewies bei seiner offiziellen Vorstellung zumindest, dass er dazu durchaus in der Lage sein kann: „Ich weiß doch selbst, dass sich viele Leute jetzt fragen: Ist der Baum für Schalke nicht zu klein?“

Damit spielte der Fußball-Lehrer nicht etwa auf seine überschaubare Körpergröße von 1,69 m an – vielmehr wollte Baum damit sein Wissen um die Tatsache zum Ausdruck bringen, dass auch größere Namen in der Diskussion um die Nachfolge des am Sonntag beurlaubten David Wagner waren – Ralf Rangnick und Mark von Bommel beispielsweise.

War die Rückkehr von Rangnick ohnehin nur ein hübsches, aber unrealistisches Gedankenspiel, entspricht Manuel Baum dem aktuellen, auch aus der Not geborenen Pragmatismus. Die Schalker Trainerfindungs-Kommission, so ihr „Vorsitzender“ Jochen Schneider, habe sich auch deshalb für Baum entschieden, „weil seine Mannschaften immer klare Strukturen und Abläufe auf dem Platz hatten. Das ist in unserer aktuellen Situation ein ganz wichtiger Faktor.“

„Ganz wichtiger Faktor“

Struktur, Ordnung, feste Abläufe – immer wieder fielen diese Vokabeln aus dem Wörterbuch der Basis-Anforderungen im Fußball, die Schalkes aktuelle Mannschaft nicht mehr auf den Platz bringen konnte. Baum muss einer völlig verunsicherten Mannschaft wieder ein System verpassen, in dem sich das Tabellen-Schlusslicht nicht wie bisher vor allem nach einem Gegentor „vogelwild“, sondern stabil und verlässlich präsentiert.

Baum will sich dabei in erster Linie an den Spielern selbst und nicht an einem taktischen Dogma orientieren: „Ich halte es immer so, dass ich mir zuerst die Spieler anschaue und das, was sie aus dem Bauch heraus können.“ Daraus würde sich dann das System ergeben, in Absprache mit den Spielern. Baum glaubt, dass die Schalker Mannschaft personell besser bestückt ist als es der Tabellenplatz und die schwarze Serie von saisonübergreifend 18 sieglosen Spiele in Serie aussagen: „Ich bin von der Qualität des Kaders überzeugt.“

In der Bundesliga hat Baum bislang ausschließlich den FC Augsburg trainiert, zuletzt war er Bundestrainer der deutschen U18. Das alleine sind noch keine Referenzen, die im Umfeld für die ganz großen Begeisterungsstürme sorgen. Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider stellt Qualität allerdings vor Prominenz: „Wir sind davon überzeugt, dass Manuel Baum als Mensch und Trainer sehr gut zu Schalke 04 passen wird.“ Beim DFB bedankte sich Schneider ausdrücklich für die zügige Freigabe Baums.

Vertrag bis 2022

Ob der Baum „zu klein“ ist, wie Schalkes neuer Trainer selbstironisch gefragt hat, wird sich zeigen – sein Co-Trainer ist auf jeden Fall ein Großer. Naldo, 1,98 m lang, hat in vielen Schalker Fan-Herzen noch immer einen festen Platz. Sein letzter Verein war der AS Monaco, seit Januar ist er vertragslos. Naldos Rückkehr ist auch eine fürs Gemüt: „Er bringt uns hoffentlich die Sonne zurück“, wünscht sich Schneider.

Am Abend leitete Baum im Parkstadion das erste Schalker Training. Während seine Vorgänger in der Regel Drei-Jahres-Verträge hatten, läuft seiner bis 2022. Auch das ist, wenn man so will, eine Form von Pragmatismus.

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