Ein Interview im „Schalker Kreisel“ von Marketing-Vorstand Alexander Jobst sorgt für Wirbel. Die mächtige Fan-Gruppierung der Ultras Gelsenkirchen macht sich Sorgen.

Gelsenkirchen

, 15.11.2019, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bleibt der FC Schalke 04 als einer der wenigen Bundesligaklubs auch zukünftig in der Rechtsform des eingetragenen Vereins bestehen? In einen Interview im Oktober mit dem Vereinsorgan „Schalker Kreisel“ hatte Marketing-Vorstand Alexander Jobst ein eindeutiges Bekenntnis zur Rechtsform vermieden.



Der 46-Jährige argumentierte wie folgt: Schalke könne nur ein eingetragener Verein bleiben, wenn kontinuierlich das internationale Geschäft erreicht werde. Ist dies nicht der Fall, müsse man eine Diskussion anstoßen und sich zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden. Entweder bekenne man sich zum eingetragenen Verein und gibt sich in der Zukunft mit Platz zehn bis zwölf zufrieden oder man geht einen anderen Weg, um wieder Anschluss an die Tabellenspitze zu finden.


Finanzielle Situation ist schwierig


Seine Argumentation hat die Fangruppierung der Ultras Gelsenkirchen in ihrem sogenannten „Blauen Brief“ zu einer Gegenreaktion veranlasst. Sie vermuten, dass mit dem anderen Weg, den Jobst nicht näher ausführte, die Ausgliederung der Profiabteilung gemeint sei. Das ist ein naheliegender Verdacht, denn Schalkes finanzielle Situation ist schwierig. Finanzvorstand Peter Peters erwartet allein für das Jahr 2019 einen Fehlbetrag von bis zu 35 Millionen Euro.



Die Ultras räumen ein: „Es ist erst einmal verständlich und richtig, dass sich unser Vorstand Gedanken darüber macht, wie man Einnahmen generieren kann“, heißt es in dem „Blauen Brief“.


„Geld schießt Tore“


Danach wird mit Kritik an Alexander Jobst jedoch nicht gespart. So heißt es unter anderem: „Das von ihm gewählte Schwarz-weiß-Denken, sowie überhaupt die Schlussfolgerung, dass eine Ausgliederung die Lösung wäre, sind für uns nicht ansatzweise nachvollziehbar. Würde man die Profiabteilung ausgliedern, gäbe es sicherlich einen oder mehrere Investoren, die dem Verein Geld für Anteile am FC Schalke 04 zur Verfügung stellen“.



Aber, so die Ultras, man müsse weiterdenken. „Schalke würde dadurch nur einmalig Geld erhalten und dieses vermutlich zeitnah unter anderem in neue Spieler investieren, um zur Konkurrenz aufzuschließen. Nur wer gibt uns die Garantie, dass eben diese Spieler unseren Erfolg bringen? Schalke hat bereits in der Vergangenheit oft deutlich mehr Geld ausgegeben, als die meisten Konkurrenten der Liga. Wie konnte es dann überhaupt zu Misserfolgen kommen?“




„Eingetragener Verein für immer!“


Kritisch wird auch der Satz von Jobst: „Geld schießt Tore“, kommentiert. „Wenn wir uns die Transferausgaben der letzten Jahre auf Schalke anschauen und das auch mit der Konkurrenz vergleichen, müsste Schalke dann nicht einige Tore mehr geschossen haben?, fragen die Ultras. Insgesamt gebe es viele Beispiele, die Ultras nennen den Hamburger SV, die aufzeigen würden, dass eine Ausgliederung keine Lösung sein darf.



Fazit der Ultras: „Eine einmalige Geldeinnahme klingt zwar erst einmal verlockend, aber die Nachteile überwiegen doch deutlich. Man ist danach zum Erfolg verdammt und es gibt keine Garantie, dass die mit dem Geld getätigten Investitionen wirklich zum Erfolg führen.“


Jobst schüre Ängste und vermittele das Bild, dass man anders in der Bundesliga nicht mehr mithalten könne. Abschließend heißt es: „Das Problem auf Schalke war in den letzten Jahren sicherlich nicht das vorhandene Geld, sondern das, was mit diesem angestellt wurde. Hier sollte man ansetzen und sich keine Gedanken über eine Änderung der Rechtsform unseres Vereins machen! Eingetragener Verein für immer!“

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