Schalke vor dem Geister-Derby: Tribünen- statt Kurvenplatz für Tönnies

Schalke 04

Wie Schalkes Aufsichtsratschef die Königsblauen am Samstag unterstützt. Und warum Trainer David Wagner zumindest in einer „Disziplin“ nicht seinem Vorgänger Huub Stevens nacheifern sollte.

Gelsenkirchen

von Norbert Neubaum

, 15.05.2020, 14:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Clemens Tönnies beim Derby in Dortmund im März 2014 in der Schalker Fan-Kurve: „Nordkurve geht am Samstag leider nicht.“

Clemens Tönnies beim Derby in Dortmund im März 2014 in der Schalker Fan-Kurve: „Nordkurve geht am Samstag leider nicht.“ © dpa

Das hat für ihn fast schon Tradition: Bei Revier-Derbys mischt sich Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies gern mal unter die Fans in der Schalker Kurve. Das geht am Samstag natürlich nicht, dennoch lässt sich Tönnies den Besuch des Geister-Derbys als Mitglied der vierköpfigen (mehr sind für Gäste nicht erlaubt) S04-Delegation in Dortmund nicht nehmen.



„Nordkurve geht leider nicht...“



„Ich sitze mit Mundschutz auf der Tribüne, natürlich mit gemischten Gefühlen. Aber ich will die Truppe unterstützen. Nordkurve geht leider nicht…“, so Tönnies gegenüber den Ruhr Nachrichten. Die Gefahr, dass der Fleisch-Fabrikant bei einem Schalker Tor BVB-Boss „Aki“ Watzke vor lauter Freude um den Hals fällt, besteht eher nicht: Denn natürlich müssen auch auf der Tribüne die Abstandsregeln eingehalten werden…






Wenn die fußballerische Geister-Stunde in Dortmund nach ca. 90 Minuten vorbei ist, wird Tönnies dem TV-Routinier Jörg Wontorra seine Eindrücke schildern. Tönnies ist dann Gast einer Gesprächsrunde, zu der Wontorra für den Bezahlsender „Sky“ direkt nach dem Spiel geladen hat.





Nach Zwischenruf auf die Tribüne


Dass die leeren Ränge und vor allem die Wahrscheinlichkeit, dass jedes Wort zu hören sein wird, seine Art des Coachings verändern werden, glaubt Schalkes Trainer nicht. David Wagner geht davon aus, dass er sich genauso auf das Spiel einlassen wird als sei das Stadion voller Zuschauer: „Bei Trainingsspielen rufe ich ja auch hin und wieder laut etwas rein.“ Ganz so forsch wie sein Schalker Vorgänger Huub Stevens sollte es Wagner aber nicht mit deftigen Zwischenrufen treiben. Schalkes „Jahrhundert-Trainer“ brachte es fertig, beim Schalker Geisterspiel in Saloniki im August 2013 einen Platzverweis zu kassieren.







Stevens, damals Trainer von Paok Saloniki, hatte wohl nicht bedacht, dass der Schiedsrichter aus den Niederlanden kam. „Er hat wohl verstanden, was ich gerufen habe“, hatte Huub Stevens die guten Hör-Qualitäten seines Landsmannes offenbar unterschätzt. Der schickte Stevens völlig humorlos auf die Tribüne.




Drei Schalkern droht Gelb-Sperre

Zwar nicht „gespenstisch“, aber bedrohlich ist im Geister-Derby die Lage für drei Schalker Spieler: Daniel Caligiuri, Jonjoe Kenny und Weston McKennie haben im bisherigen Saisonverlauf bereits jeweils vier Gelbe Karten gesehen – eine weitere Verwarnung, und sie wären für die kommende Bundesliga-Partie gegen den FC Augsburg gesperrt. Ob ausgerechnet das Revier-Derby ein Spiel ist, das sich zur vornehmen Zurückhaltung in Zweikämpfen empfiehlt, ist allerdings mindestens zweifelhaft.





Sollte David Wagner merken, dass da in dieser Hinsicht etwas „anbrennt“, hat er wie alle anderen Bundesliga-Trainer auch nun aber mehr Reaktions-Möglichkeiten. Wegen der bis Juni engen Spieltaktung sind ab sofort fünf statt drei Auswechslungen pro Spiel erlaubt. Das könnte die Einsatzchancen der Nachwuchsspieler Can Bozdogan, Jason Ceka, Jonas Hofmann und Jimmy Kaparos erhöhen, die momentan zum Schalker Kader gehören.



Zweimal gut gestartet


Wenn das Re-Start-Derby in Dortmund quasi wie ein „Startspiel“ interpretiert wird, stehen die Schalker Chancen gar nicht mal schlecht. Denn bislang kamen die Königsblauen in dieser Saison zweimal ordentlich bis sehr gut aus den Startlöchern: Das 0:0 beim Bundesliga-Auftakt in Mönchengladbach war durchaus ein Achtungserfolg, der 2:0-Sieg gegen den gleichen Gegner war zum Rückrunden-Start so überzeugend, dass Schalke sogar von der Champions League träumen durfte.






Für Schalkes Trainer David Wagner ist die Gefühlslage aufgrund der vielen ungewissen Faktoren vor dem Revier-Derby allerdings eher „wie vor dem ersten Testspiel der Saison“. Das gewann Schalke mit 3:1 beim Regionalligisten RW Oberhausen.

Lesen Sie jetzt