Schalke taumelt von Niederlage zu Niederlage: Beim 0:3 in Köln stand erneut Alexander Nübel im Zentrum der Kritik. Dazu kommen neue Hiobsbotschaften in Sachen Verletzte.

Köln/Gelsenkirchen

, 01.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alexander Nübel wollte nur noch weg. Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte gerade die Partie abgepfiffen, Kölns Fans feierten ihre Mannschaft, und Schalkes Torwart strebte eilig der Kabine entgegen. Auf dem Weg dorthin wurde er aber von Amine Harit und Rabbi Matondo eingefangen: Sie überredeten Nübel, doch noch gemeinsam mit der Mannschaft den schweren Gang vor die Schalker Kurve anzutreten.

Dort bekam der 23-Jährige den geballten Unmut der Anhänger zu spüren, die den Frust über die 0:3- (0:2)-Niederlage beim 1. FC Köln an ihm ausließen. Nübel hatte sich in der 75. Minute erneut einen schweren Patzer geleistet und einen relativ harmlosen Schuss von Kölns Florian Kainz durch die Beine ins Tor rutschen lassen, auch vorher schon hatte der Keeper keine gute Partie gezeigt.

Alex Nübel hatte Tränen in den Augen

Die restliche Viertelstunde muss aus Nübels Sicht ein wahrer Albtraum gewesen sein: Aus der Schalker Kurve erschollen laute „Nübel raus“-Rufe, die Kölner Fans beklatschten hämisch jeden Ballkontakt von ihm. Als Nübel endlich in die Kabine trottete, hatte er Tränen in den Augen.

Dabei war Nübels Patzer nur der sichtbarste und deutlichste Ausdruck einer großen, allgemeinen Verunsicherung, die den ganzen Verein erfasst zu haben scheint. Schalke ist derzeit Lichtjahre von der guten Form der Hinrunde entfernt, inzwischen betrifft die Krise alle Mannschaftsteile.

Kollektiver Tiefschlaf in der Schalker Abwehr

Beim 0:1 durch Sebastiaan Bornauw in der 9. Minute, einem Kopfball nach einem Freistoß, schien die komplette Abwehr im kollektiven Tiefschlaf – zwei Minuten vorher hatte der in der Hinrunde noch so stabile Jonjoe Kenny durch einen Anfängerfehler einen Treffer der Kölner verschuldet, der wegen Abseits aber nicht anerkannt wurde.

Jetzt lesen

Beim 0:2 in der 39. Minute ließ sich Schalke eiskalt auskontern, das 0:3 ging auf Nübels Kappe. Nach vorne entwickelte Schalke zu keiner Zeit irgendeine Durchschlagskraft. Die einzige ernsthafte Schalker Chance des Spiels kam dann auch eher zufällig zustande, als Michael Gregoritsch in der 45. Minute der Ball im Strafraum vor die Füße fiel – der Österreicher scheiterte aber an Kölns Torwart Timo Horn.

Saison-Aus für Omar Mascarell

Und als wäre die sportliche Situation nicht schon schwierig genug, muss Trainer David Wagner jetzt auch noch auf gleich drei Spieler verzichten. Kapitän Omar Mascarell zog sich beim Abschlusstraining vor dem Spiel einen Sehnenabriss im Adduktorenbereich zu: Das bedeutet das Saison-Aus für ihn.

Ebenfalls beim Abschlusstraining erlitt Suat Serdar einen Zehenanbruch und fällt definitiv für das Pokalspiel gegen die Bayern am Dienstag aus. Ob er am kommenden Samstag gegen Hoffenheim dabei sein kann, ist fraglich. Ozan Kabak verletzte sich im Spiel in Köln und fällt mit einer schweren Beckenprellung auch vorerst aus.

Das sagt David Wagner zur aktuellen Situation

David Wagner sieht auch in der angespannten Personalsituation einen Grund für die derzeitige Krise – neben dem oben genannten Trio fehlen ja auch Salif Sané, Benjamin Stambouli und Daniel Caligiuri. „So etwas geht an der Mannschaft nicht spurlos vorüber“, sagte der Trainer nach dem Spiel. „Wir müssen jetzt beißen, so gut wir können, und schauen, dass unsere Angeschlagenen zurückkommen.“

Die nächste Gelegenheit zum Beißen gibt es schon am Dienstag (20.45 Uhr), wenn der FC Bayern zum Pokalviertelfinale in die Arena kommt Ob Alexander Nübel dann im Tor steht, darauf wollte sich Wagner am Samstagabend noch nicht festlegen. Bekanntlich wechselt Nübel im Sommer zu den Bayern – für den ohnehin schon schwer verunsicherten Keeper könnte der Druck zu groß sein.

Sportvorstand Jochen Schneider hatte kein Verständnis für die „Nübel-raus“-Rufe. „Vor zehn Jahren war das Thema Robert Enke so groß – und wir übergießen einen 23-jährigen Jungen, der einen Fehler macht, mit dieser Art von Häme“, schüttelte er den Kopf.