"Schalke gab mir Freude am Fußball zurück"

Interview mit Huub Stevens

Ganz locker kann der FC Schalke 04 am letzten Bundesliga-Spieltag beim SV Werder Bremen auflaufen. Platz drei ist den Königsblauen nicht mehr zu nehmen. Vor der letzten Pflichtspielaufgabe lässt Schalke-Trainer Huub Stevens im Interview mit dem Medienhaus Bauer die Saison Revue passieren und verrät, dass er seine Karriere im vergangenen Jahr fast beendet hätte.

GELSENKIRCHEN

von von Frank Leszinski

, 03.05.2012 / Lesedauer: 5 min
"Schalke gab mir Freude am Fußball zurück"

Der Niederländer Huub Stevens passt perfekt zu Schalke. Foto: Rolf Vennenbernd

Als ich das Traineramt von Ralf Rangnick übernommen habe, war das für alle im Verein eine enorm schwierige Situation. Die Spieler wussten nicht, was auf sie zukam. Das Trainerteam stand plötzlich ohne Cheftrainer da und auch ich wusste ja nicht, in welcher Verfassung die Spieler sind. Aber ich muss allen ein Kompliment machen. Alle haben sehr gut mitgezogen. Nicht nur die Stammspieler, sondern auch Akteure wie Mathias Schober oder Hans Sarpei. Wenn ich diese Namen nenne, löst das zwar oft Erstaunen in der Öffentlichkeit aus, aber...

(lachend) Genauso ist es. Das ist ein Grundsatz von mir, und Sie sehen ja zum Beispiel an unseren Torhütern, dass da etwas dran ist. Dass wir in dieser Saison auf vier Torhüter zurückgreifen mussten, so etwas habe ich noch nicht erlebt. Oder nehmen Sie das Beispiel Metzelder. Wenn er gebraucht wird, ist er da. Metze ist ein Super-Profi. Deshalb muss ich als Trainer mit jedem Spieler die Kommunikation pflegen und ihm zeigen, dass er für die Mannschaft wichtig sein kann.

Das liegt nicht nur an mir, sondern an den Spielern. Alle sind ehrgeizig und wollen natürlich zum Einsatz kommen. Doch ich kann nur elf spielen lassen. Dass der eine oder andere dann unzufrieden ist, ist doch völlig normal.

Da hätte er gar nicht twittern müssen. Das sehe ich als Trainer doch, wenn ein Spieler mit seiner Situation unzufrieden ist.

Weil für mich einzig und allein die Trainingseindrücke zählen. Ich gucke genau hin, wie ein Spieler im Training drauf ist und was ihm gelingt. Und entscheide dann, was aus meiner Sicht für die Mannschaft das Beste ist.

Entweder das oder die Konkurrenzsituation in unserer Mannschaft war so groß, dass er auf der Bank Platz nehmen musste oder gar nicht im Kader war. Jurado ist ein Spieler für das zentrale Mittelfeld, genauso wie Baumjohann oder Holtby. Doch da habe ich in dieser Situation Raúl gehabt. Und dann muss ich eben als Trainer entscheiden, was für die Mannschaft der erfolgreichste Weg sein könnte.

Das würde ich so sehen. Wenn ich bedenke, mit welchen Schwierigkeiten wir zu kämpfen hatten, dann ist Platz drei eine tolle Leistung. Der Trainerwechsel, die Verletzungsmisere im Tor oder die lange Sperre für Jones. All das waren Faktoren, die eine Mannschaft weit zurückwerfen können. Das ist bei uns nicht geschehen und deshalb freue ich mich sehr über die Entwicklung.

Keine Frage. Unsere Spiele in Dortmund oder Mönchengladbach sowie das Heimspiel gegen Kaiserslautern, da war ich ganz schön sauer auf meine Spieler.

Ich versuche meine Spieler immer zu schützen, doch nach diesem Auftritt ging das absolut nicht. Wenn ich da um den heißen Brei herumgeredet hätte, wäre ich doch total unglaubwürdig geworden. Aber das Rückspiel gegen den BVB hat dann gezeigt, dass meine Mannschaft lernfähig ist. Da haben wir so gut gespielt, dass selbst der Gegner von einem glücklichen Sieg gesprochen hat.

Fakt ist: Ich habe wieder viel Spaß an meiner Arbeit und fühle mich auf Schalke wohl.

Ganz ehrlich: Als ich in Salzburg entlassen wurde, wollte ich als Trainer aufhören. Ich war so enttäuscht, weil die Entscheidung einfach nicht fair war. Wir waren damals in der Spitzengruppe und hatten noch alle Chancen auf den Titel. Doch dann wurde ich auf dem Trainingsplatz entlassen und am gleichen Tag auch noch Manager Didi Beiersdorfer. Und die Mannschaft hat dann zwei Tage später auch noch ein wichtiges Spiel verloren. Es war einfach frustrierend.

Ich habe schon einige Zeit gebraucht, um das zu verarbeiten. Dann habe ich für das Fernsehen gearbeitet und langsam wieder Spaß am Fußball gefunden. Erst meldete sich der HSV, dann Schalke. Hätte sich Manager Horst Heldt einen Tag später gemeldet, wäre ich in Hamburg gelandet. So entscheiden manchmal Kleinigkeiten über den weiteren Lebensweg. Schalke gab mir die Freude am Fußball zurück.

Ich will hier langfristig etwas aufbauen. In dieser Saison ist uns ein großer Schritt gelungen. Ich hoffe, dass sich die Spieler so gut weiter entwickeln. Wir haben eine gute Basis gelegt. Aber durch die Qualifikation für die Champions League steigen natürlich die Anforderungen.

Ich denke schon. Er fühlt sich hier sehr wohl. Ich habe von ihm bisher keine Signale registriert, dass sich an diesem Zustand etwas geändert hat.

Weil er beim Training nicht die nötige Spannung gezeigt hat und ihm noch die Konstanz fehlt. Ich freue mich, wenn Pukki bei unseren Fans so hoch im Kurs steht. Aber ich darf als Trainer meine Entscheidung bei der Mannschaftsaufstellung nicht davon abhängig machen, ob ein Spieler bei den Anhängern gut ankommt oder nicht. Gibt zum Beispiel Marica in der ganzen Woche im Training mehr Gas, dann spielt er. Für mich ist es ganz entscheidend, dass du gegenüber den Spielern ehrlich bist.

Ich hoffe erst einmal, dass Ralf Fährmann, Lars Unnerstall und Timo Hildebrand gesund bleiben beziehungsweise werden. Und dann wir man sehen, wie sich der Konkurrenzkampf entwickelt.

Aus meiner Sicht nicht. Ich hoffe, dass Timo seinen Vertrag verlängert.

Respekt vor dem BVB, aber Hut ab vor Bayern München. Obwohl die Dortmunder Meister geworden sind, finde ich es sensationell, was die Bayern in dieser Saison geleistet haben. Auch wenn sie „nur“ Zweiter geworden sind. Ich denke, dass 80 bis 90 Prozent der Fußball-Fans im Champions-League-Finale den Bayern die Daumen drücken. Den Fußball, den Finalgegner Chelsea spielt, will doch - mit Verlaub - niemand sehen. Wer Fußball mag, muss für Bayern sein.

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