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Schalke 04 will „seinem“ Stadtteil neues Leben einhauchen - Tönnies als Stiftungsgründer

Schalke 04

Die Stiftung „Schalker Markt“ will den Spagat zwischen Tradition und Zukunft bewältigen und durch zahlreiche Maßnahmen rund um Schalker Kult-Stätten auch den Stadtteil Schalke „aufpäppeln“.

Gelsenkirchen

von Norbert Neubaum

, 24.01.2019 / Lesedauer: 3 min
Schalke 04 will „seinem“ Stadtteil neues Leben einhauchen - Tönnies als Stiftungsgründer

Neuer Glanz: Zur Feier des Tages wurde der Innenraum der Glückauf-Kampfbahn festlich beleuchtet. © Foto: NBM

Ausgerechnet direkt gegenüber der Glückauf-Kampfbahn kam vor Jahren ein Immobilienbesitzer auf die Idee, der Fassade seines Mehrfamilienhauses die Farbe Gelb zu verpassen. Gemeinsam mit dem Mauerwerk ergab das ein lokal durchaus umstrittenes Schwarz-Gelb. Kurz nach dem Anstrich wurde das Haus von Unbekannten quasi als Konter mit blauen Farbklecksen versehen.

Königsblaue Farbkleckse natürlich. Die traditionellen Reflexe, könnte man nun schlussfolgern, leben also auf der Kurt-Schumacher-Straße in Gelsenkirchen.

Doch das wäre eine Interpretation weit an der Realität vorbei.

Der Ruhm ist verblasst


Wo einst Kuzorra, Szepan und Co. den Ball in einen Kreisel verwandelten, in Gelsenkirchen-Schalke, ist vom Ruhm vergangener Tage nicht mehr viel zu spüren und zu sehen. Das Ambiente ist nicht besonders einladend, viele Ladenlokale stehen leer, sogar den legendären Zigarren-Laden von Kuzorra und „Stan“ Libuda musste Schalke vor dem „Aus“ retten und hat ihn zu einer Begegnungsstätte für Fans umfunktioniert.

„Schalke-Nord“, sagt Frank Baranowski, „braucht dringend Unterstützung!“ Gelsenkirchens Oberbürgermeister steht bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in einem großen Zelt kurz hinter der Glückauf-Kampfbahn, in dem sich am Donnerstag lokale und regionale Prominenz aus Politik, Wirtschaft und natürlich dem Fußball tummelt.

Ein ehrgeiziges Projekt



Eingeladen hat die neu gegründete Stiftung „Schalker Markt“. Ihr Ziel zusammen gefasst: Tradition bewahren – Zukunft gestalten. Im Stadtteil Schalke ist das ein ehrgeiziges Projekt.

Clemens Tönnies ist allerdings keiner, der Herausforderungen scheut. Schalkes Aufsichtsratschef ist Stiftungsgründer – und hat damit eine Ankündigung von der Mitgliederversammlung 2017 wahr gemacht, die ihm nicht wenige Zweifler als reines Wahlkampf-Manöver ausgelegt hatten.

Gründer der Stiftung „Schalker Markt“ ist Clemens Tönnies. Der Fleisch-Fabrikant und S04-Aufsichtsratsvorsitzende hat eine Million Euro als Stiftungskapital eingezahlt. Damit darf eine Stiftung aber nicht „arbeiten“. Daher ist es die vorrangige Aufgabe der Stiftung, möglichst viel Geld zur Projekt-Realisierung einzusammeln. Im Stiftungsvorstand sind Schalkes Marketing-Chef Alexander Jobst, S04-„Außenminister“ Bodo Menze und Olivier Kruschinski (Mythos-Touren). Clemens Tönnies und Gelsenkirchens OB Frank Baranowski gehören zum Kuratorium.

Tönnies sieht in dem Areal rund um die Glückauf-Kampfbahn „einen Schatz, den sonst wahrscheinlich kein anderer Verein in ganz Deutschland hat“. Tönnies spielt an auf die vielen nahe beieinander liegenden „Pilger-Stätten“ königsblauer Fans, in denen Schalker Geschichte geatmet wird, wovon sich Tönnies selbst auf einer der bereits angebotenen „Mythos-Touren“ überzeugen konnte:

„Erst war ich enttäuscht. Der Schalker Markt war für mich nur ein Parkplatz in einem schlechten Zustand. Aber spätestens als ich auf den Schalke-Friedhof kam, wo so viele unserer großartigen Spieler ihre letzte Ruhe gefunden haben, habe ich gesagt: Wir müssen hier was tun. Diesen Schalker Schatz müssen wir bergen.“


Stadtteil soll profitieren

Die Stiftung hat ambitionierte Ziele: Der Eingangsbereich der Glückauf-Kampfbahn soll wiederhergestellt werden, das unter Denkmalschutz stehende, der Stadt gehörende Stadion soll aufgepäppelt werden, ein kleines Museum und andere Einrichtungen sollen für Leben rund um die Traditionsstätte sorgen.

Der Stadtteil Schalke soll davon profitieren. Sehr zur Freude von Regierungspräsidentin Dorothee Feller: „Die Stiftung Schalker Markt ist meines Wissens nach die einzige Stiftung im Regierungsbezirk Münster, die es sich zum Ziel gesetzt hat, einen ganzen Stadtteil zu sanieren und zu verschönern.“

Denn, Tradition hin oder her: Auf Gelb-Schwarz sieht auch Königsblau nicht besonders prickelnd aus. Nicht mal direkt gegenüber der Glückauf-Kampfbahn.

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