Schalke 04 läuft die Zeit davon

Schalke 04

Neue Saison, alte Sorgen? Wer gehofft hatte, Schalke 04 könnte für Aufbruchstimmung in der Saison-Vorbereitung sorgen, sieht sich bisher enttäuscht.

Gelsenkirchen

, 17.08.2020, 18:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mark Uth (l.) liebäugelt immer noch mit einer Rückkehr zum 1. FC Köln.

Mark Uth (l.) liebäugelt immer noch mit einer Rückkehr zum 1. FC Köln. © dpa

Dass die aktuelle Mannschaft noch dringend neue Spieler benötigt, wurde nicht erst nach der 4:5-Schlappe im zweiten Testspiel gegen den Drittligisten SC Verl deutlich. Doch Schalke läuft die Zeit davon, weil der hoch verschuldete Verein ohne große Transfererlöse keine Investitionen tätigen kann. Das ist das große Handicap für die Königsblauen, je näher das erste Pflichtspiel rückt.

Sicherlich werden Sportvorstand Jochen Schneider und Kaderplaner Michael Reschke längst Gespräche mit geeignete Kandidaten geführt haben. Doch wie lange lassen diese sich vertrösten? Zeitnah werden diese Spieler Klarheit haben wollen, aber Schalke sind aus finanziellen Gründen noch auf unbestimmte Zeit die Hände gebunden.

Wo ist die Spielidee?

So bleibt es für die Entscheidungsträger ein Pokerspiel mit ungewissem Ausgang. Bleibt Weston McKennie, wenn sich sein Wunschtraum von der Premier League in den nächsten Wochen nicht erfüllt? Sitzt Nabil Bentaleb seinen Vertrag auf Schalke aus, wenn er kein ähnlich lukratives Angebot von einem anderen Verein bekommt? Wechselt Mark Uth doch noch zum 1. FC Köln oder werden Ozan Kabak und Amine Harit doch zu Verkaufsobjekten, wenn sich die erwähnten anderen Möglichkeiten zerschlagen haben und Angebote für dieses Duo eintrudeln? Für die sportliche Leitung ist die aktuelle Lage alles andere als komfortabel.

Trainer David Wagner droht schon in der Vorbereitung unter Druck zu geraten, wenn seine Spieler auch in Zukunft solche Leistungen abliefern wie gegen Verl. Von der Spielidee, die Schalke in der Hinrunde der vergangenen Saison ausgezeichnet hatte, als die Gegner früh attackiert und schneller Kombinationsfußball gezeigt wurde, war nichts zu sehen.

Bedarf auf den Außenbahnen

Dies nur auf die harten Trainingsbelastungen zurückzuführen, wäre viel zu einfach. „Wie die nächsten Wochen bis zum Transferschluss am 5. Oktober aussehen, kann ich nicht beeinflussen. Wir arbeiten mit den Jungs, die wir zur Verfügung haben“, äußerte sich Wagner in diplomatischer Diktion über seinen aktuellen Kader. Er räumte allerdings ein, dass es schön wäre, wenn wenigstens ein neuer Spieler bis zum zweiten Trainingslager ab Freitag in Österreich verpflichtet wäre.

Ob das klappt? Dahinter steht ein großes Fragezeichen. Dabei hat Schalke eigentlich Bedarf in allen Mannschaftsteilen. Vor allem auf den defensiven Außenbahnen sind dringend Verstärkungen nötig. Dass auf der linken Seite der schon als Fehleinkauf abgestempelte Hamza Mendyl in der zweiten Halbzeit gegen Verl mehr Stabilität brachte als Bastian Oczipka, sagt alles über das derzeitige Leistungsniveau auf dieser Position.

Mascarell und die Binde

Auf der rechten Seite muss Wagner derzeit noch mehr improvisieren, weil mit Timo Becker der einzige etatmäßige Rechtsverteidiger leicht verletzt ist und das geplante Experiment mit Sebastian Rudy auf dieser Position aus Verletzungsgründen nicht realisiert werden konnte.

Was die Defensive allgemein betrifft, bleibt Wagner nur die Hoffnung, dass Salif Sané und Omar Mascarell möglichst schnell zurückkehren. Doch Wunderdinge sollte man von beiden Spielern nach ihren längeren Verletzungspausen nicht erwarten.

Mascarell sagte kürzlich, dass er auf jeden Fall mit ins Trainingslager nach Längenfeld fahren wird. Wie belastbar er bis dahin ist, wird man abwarten müssen. Der Spanier hat auch sein Interesse bekundet, weiter als Schalke-Kapitän zu amtieren. Diese Position und der Schalker Mannschaftsrat werden ebenfalls in Österreich von Trainer David Wagner bestimmt.

In Längenfeld sind auch weitere Gespräche zum Thema Gehaltsverzicht mit der Mannschaft zu erwarten. Auch diese könnten sich so zäh entwickeln, wie es gerade die ins Stocken geratene Kaderplanung weiterhin tut.

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