Sebastian Rudy wird Schalke wohl verlassen - seine Zeit bei Königsblau war ein einziges kolossales Missverständnis, meint unser Kommentator.

Gelsenkirchen

, 30.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Jeder durfte mal ran. Trainer David Wagner wechselte gegen Bologna so fleißig durch, dass es schwer war, die Übersicht zu behalten. Nur einer schmorte bis zur 90. Minute auf der Bank. Erst dann kam auch Sebastian Rudy noch zu seinem Einsatz – seinem wahrscheinlich letzten für den FC Schalke 04.

Eine „Abschieds-Vorstellung“, die zum Gesamt-Auftritt des Mittelfeldspielers bei den Königsblauen passt. Denn in der Beziehung Schalke und Rudy war von Anfang an der Wurm drin.

Nach der Euphorie kam die Tristesse

Nach der ersten (kurzen) Euphorie, einen Nationalspieler vom FC Bayern München verpflichtet zu haben, herrschte rund um die Personalie Rudy nur noch Tristesse. Fuß fassen konnte er auf Schalke nie, das Rätselraten, ob Rudy nun ein offensiver oder ein defensiver Mittelfeldspieler sei, wer ihn denn überhaupt auf seinem Wunschzettel gehabt habe und wer um Himmels willen auf die Idee kam, 16 Millionen Euro für ihn auszugeben, wurde immer grotesker.

Als Führungsspieler geholt, zog sich Rudy schnell in sein „Schneckenhaus“ zurück – er hatte genug mit sich selbst zu tun als einer völlig verunsicherten Mannschaft Halt geben zu können. „Rudy Ratlos“, titelte eine Zeitung schon nach Rudys erstem missglückten Auftritt gegen Hertha BSC Berlin, und tatsächlich lässt Rudy Schalke nun ratlos zurück.

Denn es gab intern schon die Hoffnung, aus dem kolossalen Missverständnis würde vielleicht doch noch eine Erfolgsgeschichte und Rudy würde versuchen, sich im zweiten Jahr auf Schalke durchzubeißen. Dieser Gedanke war ein weiterer Irrtum in Rudys kurzer Schalke-Zeit.

Die Quittung für Schalkes Transferpolitik

So reiht sich Rudy fast widerstandslos in die Riege einiger Spieler ein, die mit großen Vorschusslorbeeren kamen, es dann auf Schalke aber nicht gepackt haben.

Embolo in Mönchengladbach, Rudy in Hoffenheim – viele S04-Fans umtreibt der Gedanke, dass diese zweifellos guten Fußballer nun woanders durchstarten. Für Schalke wäre es die Quittung für eine oft nicht konsequent durchdachte Transferpolitik.