Dass der Vertrag des Defensiv-Spielers auf der linken Außenbahn um zwei Jahre verlängert wurde, ist eine gute Nachricht. Denn die Balance muss stimmen.

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 19.01.2020, 16:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schalkes verblüffender Höhenflug in dieser Saison wird an diversen Pesonen festgemacht. An Trainer David Wagner, na klar, auch an Sportvorstand Jochen Schneider. An Amine Harit, der einen rasanten Aufstieg hinlegte. Auch an Suat Serdar, den die guten Leistungen auf Schalke in die Nationalmannschaft beförderten. An Benito Raman, der nach Start-Schwierigkeiten zum stürmischen Wirbelwind geworden ist. Vielleicht sogar an dem nun allerdings in Ungnade gefallenen Torhüter Alexander Nübel. Und seit Freitag natürlich auch an Michael Gregoritsch, der als Leihspieler aus Augsburg bei den Königsblauen so stark debütierte, als habe er niemals woanders gespielt.

Über Bastian Oczipka spricht kaum jemand, wenn der Schalker Höhenflug analysiert wird. Die Schlagzeilen gehören anderen Spielern. Am Samstag tauchte dann allerdings auch der Name Oczipka kurz in den Überschriften auf. Schalke vermeldete, man habe den Vertrag mit dem Defensiv-Mann auf der linken Außenbahn um zwei Jahre verlängert. Eine gute Nachricht. Für Oczipka eine Wertschätzung, für Schalke eine Art Stabilitäts-Garantie.

Ein realistischer Profi

Denn der Verein weiß offenbar zu schätzen, was er an Oczipka hat. Der 31-Jährige ist kein Überflieger, aber das will er auch gar nicht sein. Oczipka weiß, was er kann und - für einen Fußballer nicht ganz unwichtig - vor allem, was er nicht kann. Oczipkas Aktionen entlocken dem Publikum nur recht selten ein Atem beraubendes Staunen, sie sind vielmehr geprägt von Zuverlässigkeit, Realismus, Konstanz und einem Fußball in seiner im positiven Sinne solidesten Art.

Trainer wissen solche Spieler-Typen in der Regel zu schätzen. Weil Spieler wie Oczipka wichtig sind sowohl für die Balance auf dem Platz als auch außerhalb des Rasen-Rechtecks. Und nichts im Mannschaftsgefüge einer Mannschaft ist wichtiger - das hat Huub Stevens diversen Spieler- und Journalisten-Generationen eingetrichtert - als die Balance. Oczipka ist ein Garant für diese Balance.

Das Beispiel Mendyl...

Ein eher unauffälliger Garant zwar, der auch dazu verleitet, für seine Position spektakulärere Nachfolger zu suchen. Dass diese Verlockung bzw. dieser Schuss auch nach hinten losgehen kann, hat Hamza Mendyl in negativer Hinsicht bewiesen. Der junge Marokkaner, auserkoren als Nachfolger von Oczipka, provozierte oft genug so ein Durcheinander, dass man Oczipkas Wirken dadurch erst richtig zu schätzen lernte...

Natürlich wird Oczipka über kurz oder lang abgelöst werden, vielleicht sogar durch Juan Miranda, den Schalke vom FC Barcelona ausgeliehen hat und bei seinen bisherigen Einsätzen einen guten Eindruck hinterließ. Aber noch ist Oczipka, der sich ohne Leistungs-Knick auch in die Innenverteidigung versetzen ließ, als es personell zwickte und zwackte, der Souverän auf seiner Position. Er hat bislang alle Versuche der jungen Konkurrenz, ihn zu verdrängen, an sich abprallen lassen, völlig unaufgeregt übrigens.

Keine Sekunde gefehlt

Wenn über Schalkes verblüffenden Höhenflug gesprochen wird, ist von Bastian Oczipka nur selten die Rede. Dabei hat der oft Unterschätzte in bislang allen 18 Bundesliga-Spielen dieser Saison keine Sekunde gefehlt. Als einziger S04-Profi übrigens.

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