Nübels Wechsel von Schalke zu Bayern: Jetzt wird‘s persönlich

Schalke 04

Alexander Nübels Berater Stefan Backs wird im Internet von Fans angefeindet. Jetzt äußerte er sich in einem Interview zu Details des neuen Vertrags.

Gelsenkirchen

, 15.01.2020, 16:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nübels Wechsel von Schalke zu Bayern: Jetzt wird‘s persönlich

Anfeindungen im Netz: Viele Fans sind sauer auf Alexander Nübel. © dpa

Beim Schalker Training ist die Welt noch in Ordnung. Die Fans, die sich bei ungemütlichen Temperaturen an den zugigen Platz stellen, um den Profis bei ihrer täglichen Arbeit zuzusehen, halten sich mit Unmutsbekundungen gegenüber Alexander Nübel zurück. Im Internet und den sozialen Netzwerken sieht es – wenig überraschend – ganz anders aus.

Kurz vor Weihnachten hatte Nübel bekannt gegeben, dass er seinen Vertrag auf Schalke nicht verlängern wolle, zwei Wochen später, kurz vor dem Start ins Trainingslager, war dann klar: Der Torwart und bis dahin Kapitän der Schalker wechselt zu Bayern München. Im Netz folgte der zu erwartende „Shitstorm“.

So wird Backs in den sozialen Medien angegangen

„Ich muss schon sagen, dass die Angriffe vonseiten der Schalke-Anhänger mittlerweile Formen angenommen haben, die nur schwer zu ertragen sind“, beklagte sich Nübels Berater Stefan Backs jetzt in einem Interview mit dem Sportinformationsdienst (SID). „Ich werde beleidigt, bedroht, und es gibt Hinweise nach dem Motto ‚Pass bloß auf, dass du nicht den falschen Leuten begegnest‘.“

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Als Konsequenz daraus habe er sich aus den sozialen Netzwerken „komplett verabschiedet“, Alexander Nübel habe die Kommentarfunktion auf seiner Homepage vorübergehend deaktiviert. Auch Backs‘ Familie sei von dem Wirbel um Nübel betroffen: „Meinem Sohn musste ich erklären, wie er damit umgehen muss, wenn er in der Schule angefeindet wird.“

Manuel Neuer bekam den Unmut der Fans zu spüren

Aus dem Interview geht ebenfalls hervor, dass Nübels Vertrag bei den Bayern wohl tatsächlich eine Klausel enthält, die ihm eine bestimmte Anzahl von Einsätzen garantiert. Zu Details wolle er sich nicht äußern, sagte Backe, aber „es dürfte jedem klar sein, dass Bayern München auch dazu ein schlüssiges Konzept vorgelegt hat, sonst hätte Alex nicht zugesagt.“

Dass Schalke-Fans emotional reagieren, wenn ein Profi zu Bayern München wechselt, ist nicht neu – auch Manuel Neuer musste das 2011 erleben. Bei ihm war die Fanwut noch erheblich größer: Neuer ist in Gelsenkirchen geboren, hatte seit frühester Kindheit für Schalke gespielt und sich zudem immer auch als Schalke-Fan bezeichnet. Der Torwart bekam die Anfeindungen sogar am eigenen Leib zu spüren: Als Schalke 2011 den Pokalsieg mit einem Autokorso feierte und die Spieler mit offenen Autos durch Gelsenkirchen fuhren, verpasste ihm ein Fan eine Ohrfeige.

Für Neuer war der Ärger damit noch nicht vorbei: Auch in den ersten Monaten bei Bayern sah er sich starken Anfeindungen ausgesetzt – dieses Mal von Seiten der Bayern-Fans, die unter dem Motte „Koan Neuer“ gegen den „Schalke-Fan“ protestierten.

Das sagt Benito Raman zum Thema Nübel

Diese innige Verbindung mit dem Klub hat Alex Nübel nicht: 2015 war er gemeinsam mit dem damaligen Schalke-Coach André Breitenreiter von Paderborn nach Gelsenkirchen gekommen – dass das Verhältnis zu Schalke da ein anderes ist als bei Manuel Neuer, ist klar.

Und auch ein anderer Schalker, der in den vergangenen Jahren nach München gegangen ist, hat einen würdigen Absprung geschafft. Als Leon Goretzka Anfang 2018 seine Entscheidung verkündete , gab es ein Spiel lang wütende Pfiffe – danach legte sich die Entrüstung wieder.

Mit Benito Raman äußerte sich jetzt auch ein Mitspieler von Nübel zu dessen Situation – und versucht, einen Ausgleich zu finden. „Wenn ich mein ganzes Leben lang Schalke-Fan bin, dann ist es natürlich sehr schwer, diese Entscheidung zu verstehen“, so Raman „Es ist klar, dass sie vielleicht auch ein bisschen sauer sind. Aber du musst als Spieler deine Karriere planen. Ich kann Alex genauso verstehen, wie die Fans.