Immer noch kein Ende der Schalker Dauerkrise in Sicht

Schalke 04

Nach dem 1:1 gegen den VfB Stuttgart war die Enttäuschung auf Schalke groß. Der erhoffte Befreiungsschlag blieb aus. Am Dienstag geht es im Pokal gegen Schweinfurt weiter.

Gelsenkirchen

, 01.11.2020, 17:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
So freute sich Malick Thiaw (Mitte) nach seinem ersten Bundesligator.

So freute sich Malick Thiaw (Mitte) nach seinem ersten Bundesligator. © dpa

Wer Manuel Baum am Tag nach dem ernüchternden 1:1 gegen den VfB Stuttgart auf dem Vereinsgelände des FC Schalke 04 genau beobachtete, sah einen Menschen, der sehr nachdenklich wirkte. Wie sollte es auch anders sein, nach jetzt 22 Bundesligaspielen in Folge ohne Sieg für die Königsblauen? Von dieser Horrorserie hat Baum zwar nur vier Partien zu verantworten, aber der Druck wächst mit jedem weiteren Misserfolg.

Das weiß natürlich auch der 41-Jährige, der einen schwierigen Spagat hinbekommen muss. Einerseits darf Baum die Schalker Schwächen nicht verschweigen, um glaubwürdig zu bleiben. Andererseits will er seine Kritik auch nicht zu hart formulieren, weil sonst die Gefahr besteht, dass sich das Kopfproblem seiner Spieler weiter verfestigt. Baum betonte deshalb, dass eine „rückwärtsgewandte Betrachtungsweise“ nicht zielführend sei.

Baum und seine Schulnote

„Das Problem ist, dass wir im letzten Drittel zu harmlos sind. Wir schießen zwar ein Standardtor, aber haben auch Situationen, die wir dann verstolpern, sodass VfB-Torhüter Kobel am Ende gar keinen Ball halten muss. In der zweiten Halbzeit hatten wir dann Probleme, wir hatten keinen Zugriff mehr“, fasste Baum zusammen. Dass er seiner Mannschaft als studierter Lehrer die Schulnote „3- bis 4“ attestierte, war jedoch wohl eher der prekären Tabellensituation geschuldet.

Baum will seinen Spielern offenbar ein bisschen Mut machen, damit ihr Selbstvertrauen nicht noch mehr leidet. „Wenn man in die Kabine schaut, hängen die Köpfe nach unten. Wir hatten eine andere Erwartungshaltung“, gestand der Schalker Trainer am späten Freitagabend.

Offensive Harmlosigkeit

Es muss Schalke mehr als nachdenklich stimmen, dass bei beiden Punktgewinnen in dieser Saison, dem jeweiligen 1:1 gegen Union Berlin und jetzt Stuttgart, die Gegner völlig zu Recht diese Unentschieden als Punktverluste bewerteten.

Unter Baum hat Schalke zwar mehr defensive Stabilität gewonnen, aber die offensive Harmlosigkeit bleibt erschreckend. Da passt es ins triste Schalke-Bild, dass ein Abwehrspieler die meisten Torschüsse gegen den VfB Stuttgart abgab.

Malick Thiaw ist zwar erst 19 Jahre alt, aber mit seinem ersten Bundesligator und einem selbstbewussten Auftritt bei seinem zweiten Einsatz in der Schalker Startelf hat er angedeutet, dass er im Profifußball Fuß fassen kann.

Gierig auf Erfolg

Es ist sehr wichtig, dass wir Spieler aus der eigenen Jugend einbauen. Ich fand seine Leistung wirklich gut. Er hat es in der Defensive in den Zweikämpfen sehr ordentlich gemacht. Nach Balleroberungen und im Spielaufbau hat er sich etwas zugetraut. Dass er zudem ein Tor erzielt hat, ist super“, lobte Baum den gebürtigen Düsseldorfer, dessen Name übriges „Tschau“ ausgesprochen wird.

Seine Torgefährlichkeit hatte der Innenverteidiger bereits in der vergangenen Saison in der A-Jugend angedeutet, als ihm acht Saisontreffer gelangen. Bereits im Trainingslager in Längenfeld hatte Thiaw einen starken Eindruck hinterlassen. „Ich will gierig bleiben auf sportliche Erfolgen“, hatte der Youngster im Interview mit dieser Zeitung gesagt.

Gedämpfte Freude bei Thiaw

2015 war der Sohn eines Senegalesen und einer Finnin von Mönchengladbach in die Knappenschmiede gewechselt. Bereits im März diesen Jahres hatte er beim 1:1 gegen Hoffenheim sein Bundesligadebüt gefeiert. Bei aller Freude über sein erstes Bundesligator („Da ist es Traum in Erfüllung gegangen“) dämpfte das Endergebnis seine Stimmungslage. Thiaw: „„Wir wollten gegen Stuttgart den Sieg einfahren. Das haben wir nicht geschafft. Deswegen ist die Enttäuschung größer als die Freude über das Tor.“ Fast wäre Thiaw in der Schlussphase noch ein zweiter Treffer gelungen. Aber so blieb der ersehnte Befreiungsschlag aus.

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