Harter Wahlkampf um Aufsichtsratsposten

Keine Spur von Einigkeit

Wahlkampf auf Schalke: Rund 200 Schalke-Fans besuchen eine Informationsveranstaltung über die vier Kandidaten für den Schalker Aufsichtsrat. Nach zweistündiger Diskussion bleibt jedoch ein zwiespältiger Eindruck beim neutralen Beobachter zurück.

Gelsenkirchen

20.06.2016 / Lesedauer: 3 min
Harter Wahlkampf um Aufsichtsratsposten

Clemens Tönnies ist zufrieden mit der Wahl des neuen Schalke-Managers. Foto: Caroline Seidel

Moderator Uwe Englert mahnte in seiner Begrüßungsansprache Fairness und Respekt an. Das war keine Überraschung angesichts der wieder einmal schwachen Außendarstellung des FC Schalke 04 in den vergangenen Wochen, die zum Beispiel die tiefe Zerrissenheit im Aufsichtsrat widerspiegelte. Sein Appell fiel im Kulturraum der "flora" lange Zeit auf fruchtbaren Boden.

Sportlich gute Entwicklung

Da ist zum einen die sportliche Entwicklung des FC Schalke 04, die so schlecht nicht ist. In den vergangenen 20 Jahren war Schalke 19 Mal in einem internationalen Wettbewerb vertreten, einmal UEFA-Cup-Sieger und dreimal DFB-Pokalsieger. Mit der Veltins-Arena verfügt Schalke über eine der modernsten Spielstätten in Europa.

Doch bei vielen Fans rücken andere Dinge momentan in den Vordergrund. Die Spaltung der Fanszene, die angebliche Vetternwirtschaft beim Schalker Fanklub-Dachverband, die längst die Staatsanwaltschaft beschäftigt oder die permanente Kritik am Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies, der sich nächsten Sonntag bei der Mitgliederversammlung zur Wiederwahl stellt.

Kritik an Tönnies

Der 60-Jährige sah sich gar dem Vorwurf ausgesetzt, mithilfe einer Agentur im Internet gezielt Stimmung gegen seine Kritiker im Aufsichtsrat zu machen. Gemeint ist das Trio Dr. Andreas Horn, Thomas Wiese und Axel Hefer, das sich in diesem Gremium isoliert fühlt und keinen Einfluss auf wesentliche Entscheidungen habe.

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Wiese nutzte die Gelegenheit zu einem ungewöhnlichen Auftritt. „Wie sattelfest seid ihr? Können die, die sich hier zur Wahl stellen einiges aushalten? Seid ihr bereit, den Weg auch bis zum Ende zu gehen? Oder wollt ihr dann das Handtuch schmeißen?“, fragte er an die Adresse der beiden neuen Aufsichtsrats-Bewerber Andreas Goßmann und Michael Stallmann.

"Professionell gearbeitet"

Damit wollte Wiese offenbar deutlich machen, dass Aufsichtsrats-Mitglieder, die Clemens Tönnies nicht folgen, unter Druck gesetzt würden. Dr. Horn, Hefer und ihm sei der Rücktritt aus dem Aufsichtsrat nahegelegt worden. Tönnies verteidigte sich. Insgesamt habe der Aufsichtsrat „professionell gearbeitet“ und „einen guten Job“ gemacht. „Wir sind doch keine Halunken, die sich pausenlos prügeln! Wir müssen uns an einen Tisch setzen und der muss rund sein“.

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Doch angesichts der vergifteten Stimmung in diesem Gremium scheint es vermessen zu glauben, dass Schalke schnell zur Einigkeit zurückfindet. Noch vier Veranstaltungen dieser Art stehen bis zum nächsten Sonntag auf der Agenda. Der Wahlkampf um zwei Aufsichtsratsposten ist in der heißen Phase. Gegen Dr. Horn und Wiese laufen zudem vereinsinterne Verfahren, die heute den Ehrenrat auf seiner Sitzung beschäftigen werden.

Heidel gefordert

Der neue Schalke-Manager Christian Heidel dürfte die Machtkämpfe im Aufsichtsrat mit Kopfschütteln verfolgen. Man darf gespannt sein, wie sich Heidel in seiner Rede auf der Mitgliederversammlung positioniert. Vielleicht gelingt es dem 53-Jährigen, die tiefen Gräben zuzuschütten. Das wäre enorm wichtig, denn ohne Einigkeit im Aufsichtsrat wird es schwierig für Schalke, Zukunft zu gestalten.