Es war im Oktober 2018, als Klaus Fischer der Kragen platzte. Nach dem 0:0 in Leipzig kritisierte Schalkes Sturm-Legende die Spielweise der Blau-Weißen. Wie sieht er die aktuelle Lage?

Gelsenkirchen

, 23.09.2019, 18:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Damals schimpfte er im Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung: „Wenn man so liest, was nach dem Spiel in Leipzig gesagt wurde, dann sind ja eigentlich alle zufrieden mit der Art, wie sie gespielt haben – aber meine Welt ist das nicht mehr.“



Dabei kritisierte Schalkes Bundesliga-Rekordtorschütze (182 Treffer) vor allem die Art und Weise, wie die Blau-Weißen damals Fußball spielten: „Das ist nicht mein Fußball, nur lange Bälle aus der Abwehr nach vorne zu schlagen und dann hinterher zu laufen. Du musst doch versuchen, von hinten heraus nach vorne zu spielen.“



Elf Monate später sieht die Schalker Fußballwelt weitaus erfreulicher aus. Wie Fischer nun die sportliche Lage bewertet, verrät er im Interview mit dieser Zeitung.



Schalke hat zehn Punkte nach fünf Spieltagen geholt. Hätten Sie damit gerechnet?

Ehrlich gesagt nein. Ich bin positiv überrascht. Das hatte ich nicht erwartet.



Warum nicht?

Vor allem aus zwei Gründen. Einerseits verlief die vergangene Saison sehr enttäuschend. Das schüttelt man weder als Spieler noch als Fan so einfach aus den Knochen. Außerdem war das Auftaktprogramm kein einfaches. Wenn die Saison mit Spielen in Mönchengladbach und gegen die Bayern startet, hätte man auch ohne Punkt dastehen können. Zum Glück ist das nicht eingetreten. Der Punkt in Mönchengladbach war wichtig, und selbst gegen die Bayern hatte Schalke die Chance, Tore zu erzielen. Auch wenn es nur per Elfmeter gewesen wäre, aber die Chancen waren da.

Danach folgten drei Siege.

Die nicht nur punktemäßig sehr wichtig waren, sondern auch für das Selbstvertrauen der Mannschaft. Man merkt den Spielern an, dass sie nicht mehr so verunsichert sind, und unser Team realisiert, dass es mithalten kann.

Plötzlich sind Spieler wie Amine Harit, Omar Mascarell oder Suat Serdar zu Leistungsträgern geworden. Wie geht so etwas?

Da mag wohl auch eine Rolle spielen, dass diese Spieler beweisen wollen, dass sie viel mehr können, als sie in der vergangenen Saison gezeigt haben. Aber jeder Fall ist einzeln zu sehen. Harit hatte jede Menge private Schwierigkeiten, während Mascarell das Verletzungspech hinterhergelaufen ist. Auch Serdar hat seine Leistungen nun konstant gesteigert.

Welche Fortschritte sehen Sie im Schalker Spiel im Vergleich zur Vorsaison?

Die Mannschaft gibt von der ersten bis zur letzten Minute Vollgas. Das ist das, was die Zuschauer auf Schalke sehen wollen. Es ist kein Super-Fußball, aber man hat als Zuschauer den Eindruck, dass jeder Spieler alles reinwirft, was er hat. Trotzdem besteht kein Anlass zur Euphorie.



Warum nicht?

Wir haben erst fünf Spieltage hinter uns. Da ist es viel zu früh, Schalke jetzt wieder mit den Spitzenplätzen in Verbindung zu bringen. Die Mannschaft ist auf einem guten Weg, aber es wird sicherlich auch den einen oder anderen Rückschlag geben. Erst dann wird sich zeigen, wie stark die Stabilität der Mannschaft ist.

Welche Rolle spielt der neue Trainer David Wagner?

Ich kenne ihn nicht persönlich, aber er macht auf mich einen guten Eindruck. Er fuchtelt am Spielfeldrand nicht so herum wie andere Trainer, und seine Aussagen vor und nach den Spielen sind nachvollziehbar und verständlich.

Nun wartet auf Schalke beim Spitzenreiter RB Leipzig ein ganz harter Brocken. Nach dem letzten Gastspiel in Leipzig hatten Sie harsche Kritik an der Schalker Spielweise geübt. Was erwarten Sie diesmal?

Damals haben wir für meinen Geschmack viel zu passiv gespielt. Ich bin mir ganz sicher, solch ein 0:0 wird nicht mehr passieren. Natürlich hat Leipzig eine sehr starke Mannschaft. Dass sie in der Tabelle ganz oben stehen, ist bestimmt kein Zufall. Aber Schalke sollte sich nicht verstecken, sonst hast du in Leipzig keine Chance.



Als ehemaliger Top-Stürmer: Wie sehen Sie die Konstellation im Schalker Angriff? Guido Burgstaller hat in dieser Saison noch kein Bundesligator für Schalke erzielt. Sollte der junge Ahmed Kutucu jetzt mal die Chance für einen Startelfeinsatz bekommen?

Das wird er sicher über kurz oder lang. Aber Ahmed sollte geduldig bleiben. Er ist noch jung, hat viel Talent und spielt frech und unbekümmert. Natürlich wünscht man sich gerade auf Schalke, dass ein Spieler aus den eigenen Reihen in der Bundesliga durchstartet. Jeder Schalke-Fan sehnt sich nach einem Torjäger, der pro Saison 15 bis 20 Treffer erzielt. Aber solch einen Spieler zu finden, wird immer schwieriger.

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