Bis 2022 hat der FC Schalke 04 mit Trainer Domenico Tedesco verlängert - nach der erfolgreichen Spielzeit nicht überraschend. Doch warum ist er so wichtig für Schalke? Was macht Tedesco aus?

Gelsenkirchen

, 12.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Es war vor etwas mehr als einem Jahr, als Schalke-Manager Christian Heidel den Presseraum der Arena betrat. Im Schlepptau hatte er einen sehr jungen, nicht allzu großen Mann, der auf dem Podium Platz nahm, in die Runde schaute und höflich mit „Glück Auf“ grüßte.

Der junge, höfliche Mann hieß Domenico Tedesco, damals 31 Jahre alt, und war der neue Schalke-Trainer. Zuvor war Tedesco ein knappes halbes Jahr lang Trainer von Erzgebirge Aue gewesen und hatte den Zweitligisten vor dem Abstieg bewahrt, davor hatte er als A-Jugendtrainer bei der TSG Hoffenheim gearbeitet.

Ein reichlich unbeschriebenes Blatt also - und trotzdem war dieser junge, höfliche Mann - der im süditalienischen Rossano geborene Deutsch-Italiener - verantwortlich für die beste Schalker Bundesligasaison seit vielen Jahren, er führte die Königsblauen zur Vizemeisterschaft, bis ins DFB-Pokal-Halbfinale – und zu anderthalb Derbysiegen.



Tedesco findet den Draht zu den Spielern

25. November, Signal-Iduna-Park in Dortmund, Halbzeitpause. Schalke liegt 0:4 im Derby hinten, die Spieler sitzen in der Kabine und sind fassungslos. Manche Trainer würden toben, manche verzweifeln, andere würden die Mannschaft mit Missachtung strafen. Nicht Domenico Tedesco.

Der geht vor seinen Spielern in die Hocke, redet beruhigend, findet die richtigen Worte. Man könne immer noch die zweite Halbzeit gewinnen, sagt er, und schickt sie wieder auf den Platz. Was folgt, ist bekannt. Ein Beispiel von vielen: Tedesco weiß, wie er seine Jungs ansprechen muss, umgekehrt vertraut ihm die Mannschaft blind.

Das gilt nicht nur für das Team als Ganzes, auch für einzelne Spieler: Tedesco hat einen guten Blick dafür, was ein Profi kann und was nicht – bestes Beispiel ist Max Meyer, den er erfolgreich vom offensiven zum defensiven Mittelfeldspieler umschulte.

Tedesco versteht Fußball

Fachlich ist der Mann exzellent – den DFB-Lehrgang für Trainer beendete er als Jahrgangsbester mit der Gesamtnote 1,0. Dass er seine Kenntnisse auch in die Praxis umsetzen kann, hat er in der vergangenen Saison oft bewiesen. Wenn er merkt, dass in einem Spiel sein Taktikplan nicht aufgeht, reagiert er schnell, meist mit Erfolg. Seine Spieler wissen, was sie an ihm haben.

Domenico Tedesco - warum er für Schalke so wichtig ist

„Wir haben den aktuell besten Trainer der Liga.“ - Schalke-Torwart und Kapitän Ralf Fährmann © imago/Team 2

Tedesco lebt für seinen Job

Manchmal hat Manager Christian Heidel seine liebe Mühe mit Domenico Tedesco. „Ich muss darauf achten, dass er sich auch einmal einen freien Tag gönnt“, sagte der Manager unlängst nur halb im Scherz. Tedesco ist ein Fußballbesessener: Wenn er nicht auf dem Platz steht, verbringt er seine Zeit mit Videostudien oder Diskussionen mit Co-Trainer Peter Perchtold, der ähnlich tickt.

Und sein Interesse geht über das rein Sportliche hinaus - Tedesco interessiert sich auch für die Schalker Infrastruktur: „Wenn es eine neue Baustelle auf dem Vereinsgelände gibt, kommt der Trainer sofort an und will wissen, was da gemacht wird“, erzählt Heidel.

Tedesco versteht Schalke

Schalke ist kein normaler Verein: Hier geht es immer ein wenig aufgeregter, manchmal auch hysterischer zu als bei anderen Klubs. Tedesco hat das schnell erkannt und war sich nicht zu schade, sich Rat zu holen: In seinen ersten Monaten traf er sich mit Vereinslegenden wie Huub Stevens oder Klaus Fischer, um zu lernen, wie der Klub tickt. Das kam an: Nicht nur deshalb hat der 32-Jährige bei den Fans einen Stein im Brett.

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