Der Torwart-Tausch: Warum jetzt auch Ralf Fährmann wieder wackelt

Schalke 04

David Wagner hatte den 32-Jährigen zur Nummer eins erklärt. Nun ist Wagner beurlaubt, aber ein neuer Torwart da. Frederik Rönnow will Spielpraxis. Trainer Baum schließt Wechsel nicht aus.

Gelsenkirchen

, 01.10.2020, 09:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Möchte auf Schalke wieder mehr Spielpraxis als in Frankfurt bekommen: Frederik Rönnow.

Möchte auf Schalke wieder mehr Spielpraxis als in Frankfurt bekommen: Frederik Rönnow. © dpa

Ein neues Trainergespann, die wichtigen Halbjahres-Zahlen, der Transfer von Guido Burgstaller zum FC St. Pauli, die lange Sperre für Ozan Kabak und eine neue Runde in der Posse um den Pokal-Gegner: Rund um Schalke gab es am Mittwoch ein ganzes Füllhorn an interessanten Nachrichten. Eine Personalie geriet dabei fast in den Hintergrund.

Dabei birgt der Torwart-Tausch zwischen Eintracht Frankfurt und Schalke 04 durchaus Brisanz. Schalkes Ersatztorhüter Markus Schubert wechselt auf Leihbasis zu den Hessen, dafür leiht Schalke den Frankfurter Keeper Frederik Rönnow aus. Beide Torhüter teilen ein berufliches Schicksal: Der 28-jährige Rönnow kommt in Frankfurt nicht an Kevin Trapp vorbei, Schubert (22) muss sich auf Schalke hinter Ralf Fährmann anstellen. Für beide Torhüter eine unbefriedigende Situation.

„Luftwechsel wird guttun“

„Von diesem Tausch erhoffen wir uns einen positiven Effekt für alle Beteiligten: Der Luftwechsel wird Markus Schubert und Frederik Rönnow guttun“, sagt Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider. Aber hinter dem Torwart-Tausch steckt natürlich mehr als die Sehnsucht nach einem „Luftwechsel“ - vor allem für Frederik Rönnow. Der Däne möchte mit seiner Nationalmannschaft zur Europameisterschaft. Schwierig als Ersatztorhüter. Also braucht er Spielpraxis. Die will er sich auf Schalke holen.

Das deutete Frankfurts Fußball-Chef Fredi Bobic auch mehr als deutlich an. Aus sportlicher Sicht, so Bobic, würde es für Eintracht Frankfurt keine Notwendigkeit geben, Rönnow auszuleihen. Bobic wünschte Rönnow viel Glück und Erfolg, dass er auf Schalke die gewünschte Spielpraxis bekommt.

Spielpraxis im Tor? Da kann es bekanntlich nur einen geben, zumal eine in einigen Klubs praktizierte Arbeitsteilung zwischen Bundesliga- und Europapokalspielen für Schalke in dieser Saison ja nicht in Frage kommt. Ralf Fährmann wird nun also mit einer neuen Konkurrenz-Situation konfrontiert. Schalkes neuer Trainer Manuel Baum wollte am Mittwoch auf Nachfrage einen Torwart-Wechsel prinzipiell zwar nicht ausschließen, ließ sich aber auch nicht aufs Glatteis locken. Personelle Fragen, so der Ex-Augsburger, würde er generell intern besprechen.

Fährmanns unglückliches Comeback

Ralf Fährmanns Comeback auf Schalke nach seinen wenig zielführenden Ausleihen zu Norwich City und Brann Bergen hätte nicht unglücklicher verlaufen können: Sein letztes Spiel davor war die 0:7-Niederlage im Champions-League-Spiel bei Manchester City. Dann startete er mit einer 4:5-Blamage im Testspiel gegen Verl, sein erstes Bundesliga-Spiel dieser Saison war dann das 0:8 in München, gefolgt vom 1:3 gegen Bremen. Elf Gegentore in zwei Liga-Spielen - deprimierend. Immerhin: Niemand sollte auf die Idee kommen, das auch nur ansatzweise Fährmann in die Schuhe zu schieben. Der Torhüter gehörte in beiden Spielen noch zu den stabilsten Schalker Akteuren.

Auf Schalke rechnet sich Rönnow offenbar bessere Chancen aus, Spielpraxis zu bekommen, als in Frankfurt. Sonst hätte er sich nicht ausleihen lassen müssen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Fährmann sich seiner Rolle als Nummer eins nicht mehr allzu sicher sein darf. Da es die Gerüchte um den Torwart-Tausch Schubert-Rönnow übrigens schon vor David Wagners Beurlaubung gab, ist davon auszugehen, dass die Idee zu dieser brisanten Personalie nicht erst durch den Trainerwechsel entstand.

Kampf wird neu eröffnet

Wagner hatte Ralf Fährmann unmissverständlich zur Nummer eins erklärt, weil er im Gegensatz zur Vorsaison Ruhe in der Kiste haben wollte. Das Wechselspiel zwischen Alexander Nübel und Markus Schubert trug nicht unbedingt dazu bei, der Mannschaft Sicherheit zu geben, Wagner nannte das als einen der Gründe für die schwache Rückrunde. Nun scheint der Kampf um die Nummer eins wieder neu eröffnet.

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