Der Nächste, bitte: Schalke sucht den 16. Cheftrainer seit 2002

Schalke 04

Nach der Trennung von David Wagner wird in der Gerüchteküche eine „bunte Mischung“ gehandelt. Manuel Baum überholt die bislang gehandelten Kandidaten. Kein klares Dementi von Ralf Rangnick.

Gelsenkirchen

von Boris Spernol, Norbert Neubaum, Frank Leszinski

, 27.09.2020, 19:32 Uhr / Lesedauer: 3 min
Diese Gesichter sprechen Bände: (obere Reihe v. l.) Rene Grotus, rechte Hand von Jochen Schneider, Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider, Aufsichtsratschef Jens Buchta und Marketing-Vorstand Alexander Jobst während der Niederlage gegen Bremen. Nach der 1:3-Niederlage wurde Trainer David Wagner beurlaubt.

Diese Gesichter sprechen Bände: (obere Reihe v. l.) Rene Grotus, rechte Hand von Jochen Schneider, Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider, Aufsichtsratschef Jens Buchta und Marketing-Vorstand Alexander Jobst während der Niederlage gegen Bremen. Nach der 1:3-Niederlage wurde Trainer David Wagner beurlaubt. © dpa

Das Spiel war vorbei, Schalke hatte wieder verloren (1:3 gegen Werder Bremen), da dämmerte es David Wagner wohl schon, dass seine Uhr als Schalke-Trainer abzulaufen drohte. „Die Mannschaft“, so Wagner resigniert, „bringt nicht das auf den Platz, was sie im Training zeigt. Und dafür bin ich der Haupt-Verantwortliche.“ Er kenne, so Wagner weiter, die Mechanismen des Geschäfts.

Entscheidung fiel Samstagabend

Von diesen Mechanismen, die manchmal ja auch notwendig sein können, machten die Schalker Entscheidungsträger, an der Spitze Sportvorstand Jochen Schneider, am Sonntagmorgen offiziell Gebrauch, die Entscheidung selbst ist allerdings schon am späten Samstagabend gefallen: Schalke hat David Wagner beurlaubt, außerdem wurden auch seine Co-Trainer Christoph Bühler und Frank Fröhling freigestellt.

Nach saisonübergreifend 18 sieglosen Bundesliga-Spielen in Folge war diese Entscheidung alles andere als eine Überraschung – dem Trainer fehlten schlichtweg die Argumente, und am Ende fehlte auch Jochen Schneider das Vertrauen, dass Wagner die Kurve mit dieser Mannschaft doch noch kriegen würde: „Wir alle hatten gehofft, dass wir die sportliche Wende zusammen mit David Wagner schaffen können. Leider haben die ersten Spieltage der neuen Saison nicht die dafür notwendigen Leistungen und Resultate erbracht“, begründete Schneider die Trennung von Wagner.

Schon länger Kritik am Trainer

Schalkes Sportvorstand war einer der wenigen Unterstützer, die Wagner in der Schalker Führungsetage noch hatte – besonders im Aufsichtsrat soll es schon seit einiger Zeit Kritik an dem Trainer gegeben haben, der mit seiner Mannschaft in der Hinrunde der Vorsaison das Publikum noch so begeistert hatte.

Von dieser Begeisterung ist nichts übrig geblieben, eine Entwicklung zum Guten nicht zu erkennen. Auch gegen Bremen – wegen zu hoher Infektionszahlen in Gelsenkirchen musste das Spiel ohne Zuschauer stattfinden – gruselte sich Schalke durch die Arena und ließ sich von einem Gegner, der von den Namen her sicherlich nicht stärker besetzt war als Schalke, zweimal bei Standardsituationen düpieren, die Niklas Füllkrug zur schon vorentscheidenden Bremer 2:0-Führung nutzte.

Kabak droht lange Sperre

Wie schlecht es um Schalkes Nervenkostüm bestellt ist, demonstrierte Ozan Kabak auf eher unappetitliche Art und Weise: Er spuckte – deutlich zu erkennen auf den Fernsehbildern – in Richtung des Bremers Ludwig Augustinsson, entschuldigte sich zwar später („Das war keine Absicht. Die Sicht von außen täuscht“), wird aber wohl um eine längere Sperre nicht umhinkommen, da sich das DFB-Sportgericht wohl des Falles annehmen wird. Kabak verschuldete außerdem noch den Elfmeter zum 0:3, den Füllkrug zu seinem dritten Treffer nutzte, und sah hinterher Gelb-Rot. Das passte alles zu diesem „sehr enttäuschenden Abend“, den Wagner bilanzierte und den auch das Schalker Aufbäumen nach dem Seitenwechsel und das zu späte 1:3 durch Mark Uth nicht mehr retten konnte.

Wagner beurlaubt – das kostet Schalke nicht nur viel Geld (gemunkelt wird von ca. 2,5 Millionen Euro/Vertragsende 2022), sondern wirft auch die Frage nach dem Nachfolger auf. Der Nächste, bitte – der neue Cheftrainer wäre Schalkes Nummer 16 seit dem Ende der ersten Amtszeit von Huub Stevens 2002 (ohne Interimslösungen).

Baum sah sich die U23 an

Die Nachfolge-Kandidaten gleichen einer „bunten Mischung“. Ralf Rangnick ist mehr als „nur“ ein Trainer. Er sieht sich (zurecht) als Entwickler, aber auf hohem Niveau – und das kostet Geld, das Schalke aktuell nicht hat. „Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass Schalke mich nicht interessieren würde“, kokettierte der zweimalige S04-Trainer bei „Sky“. Rangnicks Kompetenzwucht würde aber möglicherweise die derzeitige Position von Sportvorstand Jochen Schneider diskutabel machen.

Die gehandelten Kandidaten Sandro Schwarz, Marc Wilmots, Mark van Bommel und Alexander Zorniger hat in der Gerüchteküche plötzlich Manuel Baum überholt. Der U18-Bundestrainer sah sich am Samstag das Spiel der Schalker U23 gegen Straelen an – der Ex-Coach des FC Augsburg könnte zumindest finanziell zum Schalker Budget passen. Als mögliche Interimslösung soll Schalkes A-Jugendtrainer Norbert Elgert bereits abgewunken haben. Bliebe also noch die Interims-Dauerlösung Mike Büskens. Das Vormittagstraining am Sonntag leitete Konditionstrainer Werner Leuthard.

Elgert wohl kein Interimstrainer

David Wagner war da schon auf dem Heimweg – er hatte sich kurz vorher von der Mannschaft verabschiedet.

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