Breitenreiter: "Brauchen mehr Konkurrenzkampf"

Schalke-Trainer im Interview

Mit einem Heimsieg gegen 1899 Hoffenheim will der FC Schalke 04 heute Abend (20.30 Uhr) die Bundesliga-Hinrunde abschließen. Zuvor spricht Trainer André Breitenreiter im Interview über zu wenige Häuptlinge auf dem Platz, bestätigt erstmals Kontakt zu Renato Augusto und verrät, wie er Weihnachten feiert.

GELSENKIRCHEN

18.12.2015, 05:05 Uhr / Lesedauer: 4 min
Breitenreiter: "Brauchen mehr Konkurrenzkampf"

Andre Breitenreiter blickt auf sein erstes halbes Jahr auf Schalke zurück.

Ralf Fährmann hat das letzte Fußball-Halbjahr des FC Schalke 04 als durchwachsen charakterisiert. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Wir sind sehr schnell in die Spur gekommen. Durch den besten Saisonstart seit 44 Jahren ist eine Erwartungshaltung entstanden, die aufgrund der Altersstruktur und der sportlichen Qualität, die wir abgegeben haben, nicht der Realität entsprach. Im Erfolgsfall hat der eine oder andere Spieler zwischenzeitlich womöglich auch einen Schritt zu wenig gemacht. Verletzungen und der damit verbundene fehlende Konkurrenzkampf haben dazu geführt, dass wir nicht so gepunktet haben, wie wir uns das gewünscht hätten. Wir haben uns gegen Top-Teams wie Bayern und Dortmund zwar gut aus der Affäre gezogen, aber diese Spiele haben eben auch gezeigt, dass wir noch nicht so weit sind, um ganz oben mithalten zu können.

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Was jedoch auch keine Überraschung ist, wenn man die Kader vergleicht...

So ist es. Und ich habe ja auch schon vor Saisonbeginn darauf hingewiesen, dass wir eine junge Mannschaft haben, die im Umbruch ist. Allerdings sage ich auch: Etwa in Spielen wie gegen Ingolstadt oder Darmstadt haben wir Punkte liegen gelassen. Aber wir sind dann im letzten Abschnitt der Hinrunde zurückgekommen, wenn Sie an die Europa League denken, wo wir uns ungeschlagen qualifiziert haben. Unser primäres Ziel hatten wir allerdings schon vorher erreicht.

 

Was meinen Sie?

Dass wir mit unseren Fans wieder eine Einheit bilden. Unsere Anhänger haben uns verziehen, wenn es mal nicht so gelaufen ist wie erwartet. Denn sie haben gespürt, dass die Mannschaft mit einem klaren Plan auf den Platz geht und immer alles gibt.

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Wenn man sich von einer rein ergebnisorientierten Betrachtung löst, wo sehen Sie die Fortschritte, die ihre Mannschaft gemacht hat?

Da gibt es viele. Was die Laufleistung pro Spiel betrifft, haben wir uns enorm verbessert und stehen unter den besten zehn Mannschaften. Wir haben feste Automatismen im Team geschaffen und uns auch in der Spieleröffnung stark verbessert.

 

Wo lagen Defizite?

Was uns in der Hinrunde bisher etwas gefehlt hat, war die Kreativität und die Überraschungsmomente im Spiel nach vorn. Da fehlte es teilweise an der Entschlossenheit. Zu oft lastete zu viel Verantwortung auf unseren jungen Spielern, die zwar alle eine hervorragende Entwicklung durchlaufen, denen man aber auch mal ein Tief zugestehen muss. Deshalb erwarte ich, dass sich mehr Führungsspieler auf dem Platz zeigen.

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Hat Schalke zu wenig „Häuptlinge“ in seinem Kader?

Wir haben mit Fährmann und Höwedes zwei absolute Leader. Doch ich erwarte, dass auch andere etablierte Spieler mehr Verantwortung übernehmen. Wir brauchen in dieser Hinsicht mehr Führung, wenn ein Spiel auf der Kippe steht. Im Mittelfeld und im Zentrum fehlen uns routinierte Kräfte. Sané, Meyer, Goretzka oder Geis, keiner ist älter als 22 Jahre.

 

Wie haben Sie es geschafft, dass die Zahl der Muskelverletzungen im Vergleich zur Vorsaison so rapide gesunken ist?

Das ist nicht mein Verdienst, sondern des gesamten Trainerteams und der medizinischen Abteilung. Wir versuchen das Training so zu steuern, dass Belastung und Regeneration in vernünftiger Relation variiert werden. Wir gehen bei unseren Spielern kein Risiko ein, aber wir fordern sie  trotzdem extrem. Außerdem arbeiten wir mit den Spielern sehr viel präventiv.

 

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wir haben einige Spieler vier Wochen angehalten, ihre Ernährungsgewohnheiten zu dokumentieren. Die Ergebnisse liefern dann wichtige Hinweise für die Trainingssteuerung.

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Wie stark ist das Schalker Interesse an Renato Augusto?

Es gibt Kontakt zu Renato Augusto. Er hat seine Klasse schon in Deutschland bei Bayer Leverkusen nachgewiesen, und er spricht deutsch. Das sind alles Faktoren, die ihn für uns interessant machen. Ob sich sein Transfer realisieren lässt, wird man sehen. Fakt ist: Wir brauchen mehr Konkurrenzkampf im Kader, damit das Leistungsprinzip noch mehr zum Tragen kommt und sich kein Spieler sicher sein darf, dass er automatisch spielt.

 

Wo würden Sie Schalke leistungsmäßig ohne Neuzugänge im Winter ansiedeln?

Auf einem Platz zwischen fünf und sieben, das haben die Spiele gegen die Mannschaften gezeigt, die vor uns stehen. Aber wir wollen natürlich mehr. Wenn wir von Verletzungen verschont bleiben und der Kader verstärkt wird, haben wir gute Chancen, weiter nach oben zu kommen.

 

Kann Schalke es sich leisten, auch Spieler in der Winterpause abzugeben?

(lächelnd) Also erst einmal sollten wir dafür sorgen, dass wir Spieler bekommen. Das hat absolute Priorität. Wir hatten ja phasenweise nur 14, 15 Kicker beim Training. Wir sollten aus diesem halben Jahr lernen, dass wir neue Spieler brauchen.

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Wie sieht es bei der Genesung der Langzeitverletzten Uchida, Höger und Nastasic aus?

Schwierig zu sagen. Sie haben sich bekanntlich schwer verletzt, werden aber alle drei mit ins Trainingslager nach Florida fliegen. Abwechslung tut ihnen gut und auch mal ein bisschen Quatsch mit den Kollegen zu reden (lächelnd). Ich hoffe, dass Uchi im Trainingslager langsam wieder einsteigen kann.

 

Wie schwer sind die Achillessehnenprobleme von Dennis Aogo, der auch gegen Hoffenheim ausfallen wird?

Darauf müssen wir ein genaues Auge haben, weil Dennis diese Probleme schon lange Zeit hat. Es darf nicht chronisch werden, deshalb macht Dennis eine Therapie, die bisher gut angeschlagen hat.

 

Sead Kolasinac ist erfolgreich in die Bresche gesprungen. Jetzt wird er mit AS Rom in Verbindung gebracht.

Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass sein Berater sagt, Seo würde in der Winterpause wechseln. Das kommt überhaupt nicht infrage und gilt natürlich auch für Joel Matip. Wir wollen uns doch nicht verschlechtern.

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Nach dem Hoffenheim-Spiel steht das Weihnachtsfest vor der Tür. Auf was freuen Sie sich am meisten?

Meine Frau und ich laden traditionell jeweils unsere Eltern und die Ur-Oma ein. Wir gehen in die Kirche und feiern gemeinsam Weihnachten. Danach würfeln die Weihnachtsgeschenke aus, damit sich nicht jeder sofort auf seine stürzt.

 

Schlussfrage: Was wünschen Sie sich für das Jahr 2016?

Gesundheit ist das Wichtigste und sportlichen Erfolg mit dem FC Schalke 04.