Trotz Tabellenplatz 15 bleibt Benjamin Stambouli optimistisch. Im exklusiven Interview erklärt Schalkes Vize-Kapitän, warum er keinerlei Zweifel am Klassenerhalt in der Bundesliga hat.

Gelsenkirchen

, 27.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Der Franzose gehört zu den immer seltener werdenden Profi-Fußballern, die über den Tellerrand hinausblicken. Aufgrund der prekären Lage macht sich Stambouli momentan permanent Gedanken, was Schalke 04 verbessern kann, um sich sportlich zu stabilisieren. Seine Identifikation mit den Königsblauen ist sehr hoch. Seit er im Jahr 2016 zum FC Schalke 04 wechselte, hat Benjamin Stambouli den Verein schätzen und lieben gelernt. In das richtungweisende Spiel bei Hannover 96 (So. 15.30 Uhr/Sky) geht er mit großer Zuversicht.

Wann haben Sie zuletzt herzhaft gelacht?

Benjamin Stambouli: Jeden Tag ein bisschen. Trotz der schwierigen sportlichen Lage ist es wichtig, dass wir eine positive Stimmung innerhalb der Mannschaft haben.

Ist es schwierig für Sie, momentan an etwas anderes zu denken als an Schalke und die damit verbundenen Sorgen?

Ich versuche es. Aber ganz ehrlich: Das ist für mich nicht einfach. Es ist ein Kampf mit sich selbst. Aber ich finde es ganz wichtig, auch mal an etwas anderes zu denken als an Fußball. Es gab zuletzt jedoch den einen oder anderen Tag, da ist es mir sehr, sehr schwer gefallen.

Spürt Ihre Familie und ihre Freundin sofort, wenn Sie schlecht drauf sind?

Ja, aber das war schon immer so. Aktuell ist es vielleicht ein bisschen mehr als üblich. In der vergangenen Saison hatten wir viel Erfolg. Aber jetzt ist es so: Ich verliere ein Spiel im Training und mein ganzer Tag ist kaputt. Dann versucht meine Freundin mich aufzubauen und spricht mir Mut zu.

Haben Sie in Ihrer Karriere schon einmal Abstiegskampf miterlebt?

Ja, mit Montpellier. Auch wenn Montpellier mit Schalke nicht zu vergleichen ist, war die Situation ein bisschen ähnlich. Zwei Jahre zuvor hatten wir großen Erfolg, aber dann lief es plötzlich nicht mehr so gut.

Klappte es dennoch mit den Klassenerhalt?

Ja. Du musst Mann sein und jeden Tag kämpfen.

Schalke hat in dieser Saison bisher viele Enttäuschungen erlebt. Wie haben Sie es empfunden, als Ihnen Ultra-Mitglieder nach dem 0:4 gegen Düsseldorf die Kapitänsbinde abnahmen?

Ich bin sehr froh, dass wir Woche für Woche so viel Unterstützung von unseren Anhängern bekommen. Es hat dann wohl einen Punkt gegeben, wo unsere Fans sich fragten: Wir geben alles und Ihr? Ein Teil hatte offenbar den Eindruck, wir geben auf dem Rasen nicht genug Gas.

Benjamin Stambouli hat keine Zweifel am Klassenerhalt

Wütende Fans: Nach dem 0:4 musste Benjamin Stambouli seine Kapitänsbinde an die Ultras abgeben - ein Anhänger hat sie hier in der Hand. © Imago

Hatten Sie Angst, als Ihnen die Kapitänsbinde genommen wurde?

Nein, aber es war eine komische Situation, die nicht alltäglich ist. Ich habe so etwas noch nie zuvor erlebt. Es wird mir in Erinnerung bleiben, aber ich hoffe nur als eine Episode am Ende einer doch noch gut abgeschlossenen Saison.

Worauf führen Sie zurück, dass Schalke in der Bundesliga so abgestürzt ist?

Das ist sehr schwer zu beantworten. Für mich gibt es nicht den einen Grund, sondern sehr viele. Das Verletzungspech, die Gegner haben sich besser auf uns eingestellt, fehlendes Spielglück, und so weiter...

Und wie bewerten Sie die Spielzeit persönlich?

Bisher war es für mich eine Scheißsaison. Erst die Sprunggelenksverletzung, später der Jochbeinbruch. Ich konnte meiner Mannschaft nicht helfen und habe darunter gelitten. Als Zuschauer im Stadion war es schlimm für mich, besonders nach Niederlagen. Dann kommst du gesund zurück und denkst, jetzt geht es aufwärts. Aber das war leider nur selten der Fall.

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Ist das die schwerste Saison Ihrer Karriere?

Was Verletzungen betrifft, ja. Ansonsten ist es schwierig, Spielzeiten zu vergleichen. Jede hat ihre Eigenarten und Besonderheiten.

Sie galten als enger Vertrauter von Domenico Tedesco. Wie haben Sie seine Entlassung empfunden?

Es ist nicht meine Aufgabe, diese Entscheidung zu kommentieren. Einerseits tat es mir sehr leid, dass sich die Wege trennten, andererseits gehört das auch zum Profifußball. Ich bin dankbar, dass ich von diesem Trainerteam so viel lernen konnte.

Hatten Sie mit Tedesco nach seiner Entlassung noch einmal Kontakt?

Ich habe ihn angerufen und mich für die Zusammenarbeit bedankt.

Jetzt hat Huub Stevens übernommen. Was zeichnet ihn aus?

Er weiß ganz genau, was er will. Und er hat jede Menge Erfahrung. Wenn er mit uns spricht, ist er sehr direkt. Du weißt sofort ganz genau, was er will.

Schafft Schalke den Klassenerhalt?

Auf jeden Fall. Ich habe keine Zweifel. Wir haben die Qualität und die Mentalität in unserem Kader, um dieses Ziel zu erreichen.

Aber einige Spieler gelten als schwierig im Umgang.

Für mich nicht. Ich sehe keine Probleme. Das Wichtigste ist: Jeder unserer Spieler muss auf dem Platz alles geben.

Was können Sie als Vize-Kapitän tun, damit Schalke sich sportlich stabilisiert?

Ich kann zum Beispiel den Trainer bei der Richtung unterstützen, die er vorgibt. Und mit Mitspielern sprechen, mal hart, mal herzlich. Man muss ein Gefühl dafür entwickeln, welche Ansprache in einer bestimmten Situation die richtige ist.

Wie lange müssen Sie noch Ihre Maske tragen?

Ich hoffe, am Sonntag beim Spiel in Hannover wird es das letzte Mal sein. Der Arzt hat gesagt, ich muss die Maske zwischen vier und sechs Wochen nach der Operation tragen. Nach dem Hannover-Spiel sind fünf Wochen um, deshalb habe ich unserem Doc ein bisschen Druck gemacht (lächelnd).

Gab es einen Moment in dieser Saison, wo Sie gespürt haben: Jetzt müssen wir höllisch aufpassen, weil es abwärts geht?

Nein. Denn ich gucke nie auf die Tabelle. Auch in der letzten Saison, als es so gut mit der Vizemeisterschaft lief, habe ich das nicht gemacht. Natürlich weiß ich, wo wir stehen, weil ich von vielen Menschen aufgrund unserer Tabellenlage angesprochen werde, aber für mich zählt nur, jedes Spiel zu gewinnen. Darauf ist alle meine Konzentration gerichtet.

Ist die Partie in Hannover ein Schlüsselspiel für Schalke, das unbedingt gewonnen werden muss?

Natürlich. Ich erwarte einen Sieg und mache mir keine Sorgen um Schalke 04.

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