Auf Schalke herrschen Frust und Enttäuschung

Königsklasse verspielt

Zuerst eine positive Nachricht vom FC Schalke 04: Zum 15. Mal in Serie knackten die Königsblauen in einer Bundesligasaison die Millionen-Besucher-Marke bei ihren Heimspielen. Doch was die 62.271 Zuschauer in der Veltins-Arena beim 1:1 (0:0) gegen Augsburg zu sehen bekamen, ließ bei neutralen Beobachtern die Frage aufkommen: Warum tun sich das so viele Menschen noch an?

GELSENKIRCHEN

von Von Frank Leszinksi und Norbert Neubaum

, 09.05.2016 / Lesedauer: 3 min
Auf Schalke herrschen Frust und Enttäuschung

Bilder der Bundesliga-Partie zwischen dem FC Schalke 04 und dem FC Augsburg.

Denn das letzte Heimspiel sollte aus Schalker Sicht wenigstens versöhnlich enden und die Chance auf die Qualifikation für die Champions League erhalten. Doch heraus kam genau das Gegenteil. Höwedes und Co. brachten das Kunststück fertig, noch nicht einmal die späte Führung durch Huntelaar (82.) zu verteidigen, sondern auf fahrlässige und fast schon gleichgültige Art den Ausgleich durch Baier (89.) zu kassieren.

Direkte Europa-League-Qualifikation in Gefahr

Während die Augsburger den Klassenerhalt feierten, müssen die Königsblauen sogar um die direkte Qualifikation für die Europa League bangen. Mit einem Sieg am letzten Spieltag in Hoffenheim kann Schalke von Platz sieben zwar noch nach vorn rücken, weil die Konkurrenten Mainz 05 (5.) und Hertha BSC (6.) gegeneinander spielen. Aber wer traut dieser spielerisch limitierten Mannschaft so ohne weiteres den Sieg im Kraichgau zu?

Der scheidende Sportvorstand Horst Heldt blickte jedenfalls sorgenvoll auf das nächste Wochenende und hielt sich auch mit indirekter Kritik an Trainer Breitenreiter nicht mehr zurück. „Der Verein steckt wieder mal in einer schwierigen Situation. Wir hätten das Potenzial gehabt, um die Plätze drei und vier mitspielen zu können“, so der 46-Jährige, „aber wenn es am 33. Spieltag keine Chance mehr darauf gibt, haben wir die Champions-League-Qualifikation auch nicht verdient.“

Breitenreiters Team stagniert

Breitenreiter darf sich nach diesen Urteilen durchaus angesprochen fühlen, weil Schalke unter seiner Führung sportlich bestenfalls stagniert. Doch der 42-Jährige hatte wieder einmal eine ganz spezielle Sicht der Dinge und verteilte sogar noch Komplimente an sein Team für seine „dominante Spielweise“. Im Presseraum herrschte nach dem Statement von Breitenreiter betretenes Schweigen. Und auch die meisten Zuschauer hatten die Nase voll und pfiffen nach dem Schlusspfiff lautstark.

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Schon vor dem Anpfiff gab es ein Pfeifkonzert für Schalke-Boss Clemens Tönnies, der die Spieler Matip und Höger sowie Manager Heldt verabschiedete. Zahlreiche gegen ihn gerichtete Plakate machten deutlich, dass der 59-Jährige auf der Mitgliederversammlung am 26. Juni einen schweren Stand in Sachen Wiederwahl haben könnte.

Freude über Gazprom-Deal verpufft

Wie sehr die Stimmung auf Schalke zwischen Frust und Enttäuschung angesiedelt ist, zeigte sich auch daran, dass die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Hauptsponsor Gazprom bis 2022 lediglich zur Kenntnis genommen wurde. Sollte Tönnies die Hoffnung gehegt haben, dass der Millionendeal, der Schalke pro Saison bis zu 20 Millionen Euro einbringen kann, ihm auch im Wahlkampf dienen könnte, ging diese Erwartung nicht in Erfüllung.

Noch keine Klarheit gibt es, wer Schalke in der neuen Saison trainiert. Die Ablösung von Breitenreiter gilt als so gut wie sicher. Doch Augsburgs Trainer Markus Weinzierl, der als Topfavorit gehandelt wird, wollte „erst einmal mit der Mannschaft feiern“. Der 41-Jährige versicherte: „Wenn schon eine Entscheidung gefallen wäre, hätte ich das längst mitgeteilt.“

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