Glückwunsch: Goncalo Paciencia (r.) gratuliert Klaas-Jan Huntelaar zu seinem Tor. © dpa
Schalke 04

Zwei Schalker „Promis“ senden unterschiedliche Signale

Klaas-Jan Huntelaar tut Schalke bei seinem Startelf-Debüt in Leverkusen sichtlich gut. Weltmeister Shkodran Mustafi muss sich jetzt erst wieder ganz hinten anstellen.

Wer mit Schalker Entscheidungsträgern in den vergangenen Wochen und Monaten über den sportlichen Absturz der Königsblauen diskutierte, bekam hinter vorgehaltener Hand oft zu hören, dass es dieser Mannschaft an Mentalität fehle.

Eine Ausnahme von dieser Einschätzung ist 37 Jahre alt und zeigte bei der 1:2 (0:1)-Niederlage in Leverkusen, dass Alter nicht vor Leistung schützt.

Lob von Grammozis

Klaas-Jan Huntelaar erzielte nicht nur ein sehenswertes Tor, sondern kämpfte und spielte so, wie es eigentlich im Profibereich üblich sein sollte. Längst gelang ihm nicht alles, aber als Zielspieler im Sturmzentrum tat er der Schalker Mannschaft sichtbar gut.

Deshalb verwunderte es auch nicht, dass Schalke-Trainer Dimitrios Grammozis mit Lob für den Niederländer nicht geizte. „Allein mit seiner Präsenz und Ausstrahlung gibt er der Mannschaft Selbstvertrauen. Er fühlt sich in der Box heimisch und braucht nicht viele Chancen“, so der 42-Jährige.

Rekord für Huntelaar

Der niederländische Ex-Nationalspieler ist damit der älteste Bundesliga-Torschütze der Königsblauen. Huntelaar, der zum ersten Mal seit seiner Rückkehr aus Amsterdam in Leverkusen in der Schalker Startelf stand, löste mit 37 Jahren und 234 Tagen Torhüter Oliver Reck ab. Reck hatte das einzige Tor seiner Karriere am 9. Februar 2002 beim 4:0 gegen den FC St. Pauli per Elfmeter erzielt.

Auch Huntelaar war nach den 90 Minuten zufrieden: „Die Art und Weise, wie man in einem Spiel auftritt, ist sehr wichtig – und wie man trainiert. Damit können wir Schritte machen, es war konditionell viel besser als in anderen Spielen“, erklärte der Torjäger, der zuletzt vor 1441 Tagen am 23. April 2017 in der Bundesliga getroffen hatte.

13 Punkte Rückstand

Aber auch sein Treffer wird Schalkes ersten Sturz in die Zweitklassigkeit seit 1988 nach nur einem Sieg aus den letzten 43 Bundesligaspielen nicht verhindern. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt bei noch sieben ausstehenden Spielen 13 Punkte.

Deshalb löste die Leistungssteigerung der Schalker Mannschaft keine Aufbruchstimmung aus. Man konnte ja auch anders argumentieren: Wer gegen eine schwache Leverkusener Mannschaft, die ganz weit von der Form der Vorrunde entfernt ist, nicht einmal ein Unentschieden holt, der darf sich auch keine zarten Hoffnungen mehr in Sachen Klassenerhalt machen.

Serdar im Dauertief

Schon gar nicht, wenn Spieler, die eigentlich Leistungsträger sein sollten, nur noch – wie zum Beispiel Suat Serdar – biederes Mittelmaß abliefern. Andere vermeintliche Hoffnungsträger sind weiterhin verletzt oder wurden von Trainer Dimitrios Grammozis mit einer Denkpause belegt. Dabei nimmt der 42-Jährige auch auf vermeintliche große Namen keine Rücksicht mehr. In Leverkusen traf es Shkrodan Mustafi, der nach schwachen Trainingsleistungen aus dem Kader verbannt wurde. U19-Verteidiger Vasilios Pavlidis durfte sich stattdessen über eine Kadernominierung freuen.

Grammozis hatte Mustafi trotz schwacher Leistungen in den vergangenen Woche immer geschützt, deshalb ist seine Enttäuschung nach Informationen dieser Zeitung nun umso größer, weil Mustafi in den Trainingseinheiten nicht mehr als Dienst nach Vorschrift tat.

Mannschaft erhält neues Gesicht

Seine Personalentscheidung machte deutlich, das der Schalker Trainer keine Rücksicht auf prominente Namen nimmt. Schalkes Tabellensituation ist zudem eine willkommene Gelegenheit, jetzt bereits junge Spieler zu testen, ob sie Bundesligaanforderungen entsprechen können.

Denn nach dem höchstwahrscheinlichen Abstieg in die 2. Liga wird die Schalker Mannschaft aus sportlichen und finanziellen Gründen ein völlig neues Gesicht erhalten. Auch Huntelaar, der im August 38 Jahre alt wird, wird nicht mehr dabei sein. Für Fußball-Liebhaber, die dem Routinier in Leverkusen bei der Arbeit zusahen, ist das keine gute Nachricht.

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