Geht keinem Zweikampf aus dem Weg: Schalkes brasilianischer Neuzugang William (l.). © dpa
Schalke 04

Wie Neuzugang William seine ersten Wochen auf Schalke erlebte

Er war einer von vier Schalker Neuzugängen in der zweiten Transferperiode. Warum William noch an den Klassenerhalt glaubt, verrät er im Interview mit den Ruhr Nachrichten.

Der vom VfL Wolfsburg ausgeliehene Brasilianer ist nach eigener Aussage ein positiv denkender Mensch. Viel Kraft schöpft er von seiner Familie.

Wie kommen Sie als Brasilianer mit den Schneemassen zurzeit in Deutschland zurecht?

Das ist schon eine große Umstellung. Aus Brasilien bin ich natürlich ganz andere Temperaturen gewohnt (lacht). Aber für meine beiden Kinder ist dieses Wetter toll. Sie haben viel Spaß im Schnee.

Die Familie ist also mit nach Gelsenkirchen gekommen?

Natürlich. Ich bin ein Familienmensch. Deshalb ist es enorm wichtig für mich, dass meine Frau und der Nachwuchs mich begleiten. Wir haben eine schöne Wohnung in Gelsenkirchen gefunden. Von der Stadt habe ich aber noch nicht so viel gesehen. Dafür fehlte bislang die Zeit. Aber das werden wir sicher bald nachholen.

Welche Faktoren haben Sie zum Wechsel bewogen?

Ich wollte mehr spielen. In Wolfsburg hatte ich den Eindruck, dass ich auch in der Rückrunde nicht so viel zum Einsatz kommen würde. Deshalb war ich froh, dass Schalke Interesse zeigte und der Wechsel zustande kam. Hinzu kam, dass Schalke für mich trotz der aktuellen sportlichen Probleme ein besonderer Verein ist.

Inwiefern?

Ich habe schon mit Wolfsburg in der Veltins-Arena gespielt und war tief beeindruckt, wie die Fans hinter ihrer Mannschaft stehen. Diese Atmosphäre hat mir damals sehr imponiert .

Haben Sie vorher auch mit Schalkes Co-Trainer Naldo telefoniert?

Natürlich. Ich kannte Naldo noch aus seiner Wolfsburger Zeit. Er ist menschlich top und war sportlich als Spieler herausragend.

Mal ganz ehrlich: Glauben Sie wirklich noch an den Klassenerhalt?

Natürlich weiß ich, dass die Lage sehr schwierig ist. Aber ich bin von meinem Naturell her immer ein positiv denkender Mensch gewesen. Und das bleibe ich auch. Wir müssen unseren Fokus ganz auf den nächsten Gegner richten. Jetzt zählt es zunächst, ein gutes Ergebnis bei Union Berlin zu erzielen. Dafür werden wir alles geben. Dann sehen wir weiter. Alles andere bringt in meinen Augen nichts.

Sie sprechen gut Deutsch. Wie schwer war es, die Sprache zu erlernen?

Es fiel mir nicht leicht, Deutsch zu lernen. Vor allem deshalb, weil ich keinen Unterricht genommen habe, sondern mir die Sprache unbedingt selbst aneignen wollte. Alles, was in der Kabine gesprochen wurde, habe ich aufgesogen, und wenn ich etwas nicht verstanden habe, sofort nachgefragt. Das hat ganz gut geklappt. Ich finde es schon sehr wichtig, in dem Land, wo man Fußball spielt, die Sprache auch zu verstehen. Auf Schalke kommt es mir zusätzlich zugute, dass ich zum Beispiel mit Omar Mascarell Spanisch sprechen kann, wenn mir etwas unklar ist.

Wer waren die wichtigsten Menschen, die Ihre Karriere begleitet haben?

Ganz klar meine Familie. Von meiner Familie bekomme ich sehr viel Unterstützung, sie macht mir Mut , wenn es mal nicht so gut läuft.

Das gilt bestimmt auch für das vergangenen Jahr, wo Sie ein Kreuzbandriss lange außer Gefecht setzte?

Auf jeden Fall. Ich hatte zwar keine Angst um die Fortsetzung meiner Karriere, aber das war schon eine schwierige Zeit. Mithilfe der Familie und meines Beraters habe ich diese schwere Verletzung gut überstanden. Es war übrigens die erste Verletzung in meiner Karriere.

Was macht ein Fußballer, wenn er monatelang zur Untätigkeit verurteilt ist?

Ich koche gern, vor allem Steaks wie in meiner Heimat.

Mit Brasilien haben Sie 2016 Olympia-Gold geholt. Ihr bisher größter sportlicher Erfolg?

Das werde ich nie vergessen. Dieser Erfolg ist unserem Land zum ersten Mal gelungen, deshalb war die Freude umso größer. Das Finale war ein Krimi. Sieg im Elfmeterschießen und dann noch gegen Deutschland. Damals waren viele prominente Spieler in unserer Mannschaft wie zum Beispiel Neymar, der den entscheidenden Elfmeter verwandelte.

Auf welcher Position spielen Sie am liebsten?

Als Rechtsverteidiger. Aber ich kann diese Rolle auch offensiver spielen. Für mich ist entscheidend, dass ich Schalke 04 mit meinen Leistungen helfen kann.

Und was passiert nach dieser Saison? Ist es denkbar, dass Sie trotzdem auf Schalke bleiben, wenn der Verein absteigen würde?

Darüber denke ich aktuell nicht nach. Erst einmal zählen für mich und die Mannschaft nur, die restlichen 15 Bundesligaspiele so erfolgreich wie möglich bestreiten zu wollen.

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