Muss bald seine Koffer packen: Jochen Schneider. © dpa
Schalke 04

Wie Jochen Schneider über sein Aus beim FC Schalke 04 denkt

Der Schalker Sportvorstand wird spätestens am Saisonende gehen. Sein Nachfolger wird noch gesucht. Büskens, Elgert und Knäbel als vorläufige Kaderplaner.

Als diese Zeitung Jochen Schneider am Dienstagnachmittag anruft, meldet er sich sofort. Wer die Bundesliga-Branche ein bisschen kennt, weiß, dass dies keineswegs selbstverständlich ist, schon gar nicht, wenn der Betreffende kurz zuvor eine für ihn ganz schlechte Nachricht zu verarbeiten hat.

Denn Schneider hatte in einer Digital-Konferenz mit Aufsichtsrats-Chef Dr. Jens Buchta und dessen Stellvertreter Peter Lange die gemeinsame Übereinkunft getroffen, die Zusammenarbeit auf Schalke am Saisonende zu beenden. Ursprünglich lief sein Vertrag noch bis zum 30. Juni 2022. Auf eine Abfindung oder sonstige finanzielle Ansprüche verzichtet der Schalker Sportvorstand nach Informationen dieser Zeitung.

Enttäuschung sitzt tief

Nun ist früher Schluss, und die Enttäuschung beim 50-Jährigen sitzt tief. Das merkte man sofort seinem Tonfall an, in dem er Sätze wie diese formulierte: „Natürlich bin ich sehr enttäuscht, dass ich meine Arbeit beim FC Schalke 04 nicht fortsetzen kann. Man muss klar sagen: Die Leistungen, die wir seit rund einem Jahr geboten haben, waren Schalke nicht würdig. Dann muss einer den Kopf hinhalten – das tut weh“, sagte Schneider dieser Zeitung.

Voller Elan hatte er im März 2019 seine Arbeit begonnen. Erstmals stand er als Sportvorstand des FC Schalke 04 auch medial in der ersten Reihe, nachdem er sich zuvor beim VfB Stuttgart und RB Leipzig einen guten Ruf in der Branche erarbeitet hatte.

Ärger über eigene Fehler

Doch vor allem im vergangenen Jahr ging aus Schneiders Sicht alles schief, was nur schiefgehen konnte, und daran hatte der Schwabe auch einen wesentlichen Anteil, was er auch zugibt, zugleich aber kämpferisch blieb: „Ich ärgere mich sehr über einige Fehler, die ich gemacht habe. Aber wir geben nicht auf. Ich werde alles dafür tun, dass Schalke doch noch den Klassenerhalt schafft“, so der Schalker Sportvorstand.

Deshalb wird Schneider nun weiterhin Mike Büskens (Koordinator für verliehene Spieler und internationale Aktivitäten), Norbert Elgert (A-Jugend-Trainer) und Peter Knäbel (Direktor Nachwuchs und Entwicklung) mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dieses Trio übernimmt nämlich bis auf weiteres die Kaderplanung für die neue Saison, die wohl schon am 23. Juli in der 2. Liga beginnt, weil Schalkes Aussichten auf den Klassenerhalt verschwindend gering erscheinen.

Nachfolger gesucht

Denn ein Nachfolger für Schneider ist noch nicht in Sicht. „Bei der Neustrukturierung der Lizenzspielerabteilung gilt der Grundsatz Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Wir haben volles Vertrauen in die Kompetenz von Mike Büskens, Peter Knäbel und Norbert Elgert, die intensiven Planungen der letzten Wochen für die nächste Saison fortzusetzen“, erklärte Aufsichtsrats-Chef Dr. Jens Buchta.

Schneider informierte nach der gefallenen Entscheidung persönlich die Schalker Mannschaft, ehe er sich in einer digitalen Runde den Fragen der Fans stellte. Dort verriet der 50-Jährige, dass er schon vor einiger Zeit seinen Rücktritt angeboten habe. Außerdem bezeichnete Schneider die Vertragsauflösung mit Vedad Ibisevic als Fehler. Diese Entscheidung sei deshalb gefallen, weil der Stürmer und der damalige Trainer Manuel Baum nicht auf einer Wellenlänge funkten. Der Vertrag mit Baum ist mittlerweile aufgelöst, während die Zusammenarbeit mit Timo Becker fortgesetzt werden soll. Der Verteidiger soll einen langfristigen Vertrag erhalten.

Im Scoutingbereich wird es Veränderungen geben. Laut Schneider will sich Schalke auf diejenigen Länder spezialisieren, wo der Klub gute Erfahrungen gemacht hart. Somit zeigte diese Fragerunde: Schneider hat mit dem Kapitel Schalke noch nicht abgeschlossen.

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