Schalke 04

Welche Schalker Talente haben das Zeug zum Profi-Kicker?

Schalke 04 will aus der Not eine Tugend machen und verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzen. Dieser Plan birgt Risiken.
Zweikampfstark: Malick Thiaw (l.) im Zweikampf mit BVB-Spieler Giovanni Reyna. © dpa

Beim trostlosen 0:0 gegen Mainz 05, der Schalke 04 dem vierten Abstieg in der Vereinsgeschichte einen weiteren Schritt näher brachte, standen mit Timo Becker, Malick Thiaw, Can Bozdogan, Matthew Hoppe, Kerim Calhanoglu und dem längst etablierten Sead Kolasinac sechs Spieler in der Startelf, die größtenteils in der Knappenschmiede ausgebildet wurden. Weitere Nachwuchskräfte, die zukünftig eine stärkere Rolle spielen sollen, sind Levent Mercan und Jan-Luca Schuler.

Fast man die Eindrücke der bisherigen Bundesligasaison zusammen, traut man Malick Thiaw am ehesten zu, im Profibereich Fuß zu fassen. Der Innenverteidiger bringt die körperlichen Voraussetzungen (1,91 m) mit und hat auch eine gute Spielübersicht. Neun Startelfeinsätze sind eine ordentliche Bilanz für den 19-Jährigen, der seit 2015 beim FC Schalke 04 unter Vertrag steht und von A-Jugend-Trainer-Legende Norbert Elgert vom Stürmer zum Verteidiger umgeschult wurde.

Um Matthew Hoppe ist die Euphorie abgeflaut. Seine drei Tore beim 4:0-Erfolg gegen Hoffenheim beflügelten die Fantasie, dass Schalke eine jungen starken Stürmer in seinen Reihen hat. Doch mittlerweile merkt der 19-Jährige, wie leistungsstark die Bundesliga ist.

Becker winkt Vertrag

Allerdings muss man den US-Boy in Schutz nehmen. Als Mittelstürmer leidet er besonders darunter, dass auf den Schalker Außenbahnen keine Spieler zur Verfügung stehen, die ihn mit brauchbaren Flanken versorgen.

Eine ordentliche Entwicklung lässt sich bei Timo Becker konstatieren. Er nahm nach seiner Ausbildung in der Knappenschmiede den Umweg über den Regionalligisten RW Essen, kehrte dann 2010 zu den Königsblauen zurück und hat sich nun auf der Rechtsverteidigerposition immer mehr mit soliden Leistungen empfohlen. Schalke plant, dem gebürtigen Hertener mit einem langfristigen Vertrag auszustatten.

Vertrag vorzeitig aufgelöst

Can Bozdogan ist dagegen noch weit davon entfernt, in der Bundesliga auf regelmäßige Einsatzzeiten zu kommen. Schalke verlängerte im Herbst vergangenen Jahres den 2022 auslaufenden Vertrag des gebürtigen Kölners zwar vorzeitig bis 2024 und der damalige Sportvorstand Jochen Schneider lobte: Can Bozdogan gehört zu den größten Mittelfeldtalenten in der Bundesliga“. Doch diese Vorschusslorbeeren konnte der 19-Jährige bisher nicht ansatzweise erfüllen.

Mit Lob ist das beim FC Schalke 04 ohnehin so eine Sache. Nick Taitague hatte viele Fürsprecher im Verein, doch Anfang Januar wurde der Vertrag des Amerikaners vorzeitig aufgelöst, ohne dass er jeweils in der Bundesliga eine Minute zum Einsatz kam.

Mercan noch ohne Einsatz in dieser Saison

Auch die Hoffnungen von Levent Mercan haben sich bisher nicht erfüllt. Schalke hat bereits 34 Akteure in der laufenden Saison eingesetzt, doch der gebürtige Recklinghäuser durfte noch keine Minute mitwirken, egal wer Schalke gerade trainierte. Ein Vertrauensbeweis ist das nicht.

Bei Kerim Calhanoglu ist es nach seiner Bundesliga-Premiere gegen Mainz 05 noch viel zu früh, um ein seriöses Urteil zu fällen, wie sich seine Karriere entwickeln könnte. Grammozis fand, „dass sein Debüt gar nicht mal so schlecht war.“

Drei Talente verpflichtet

Gespannt sein darf man auch auf die Entwicklung der drei kürzlich verpflichteten Talente Luis Klein (17) von RB Leipzig, Nicholas Engels (17) vom FSV Mainz 05 sowie Keke Topp (16) vom SV Werder Bremen. Das Trio soll jeweils zunächst in der U19 unter Trainer Elgert zum Einsatz kommen.

Bisher sieht es jedoch so aus, als habe die Knappenschmiede aktuell keine Talente der Marke Manuel Neuer, Mesut Özil oder Julian Draxler, die keine Anlaufzeit brauchten, um in der Bundesliga sofort eine herausragende Rolle zu spielen. Deshalb kommt man um die Erkenntnis nicht herum: Nur mit Talenten wird es für Schalke auch in der 2. Liga schwer.

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