Frust nach der ersten Heimschicht auf Schalke: Victor Palsson nach dem 1:3 gegen den Hamburger SV. © Tim Rehbein/RHR-FOTO
Schalke 04/Kommentar

Was Schalke aus dieser Auftakt-Niederlage jetzt schnell lernen sollte

1:3 gegen den Hamburger SV - geht das jetzt alles wieder von vorne los? Aber zum grundsätzlichen Schlechtreden gibt es noch keinen Grund - wenn die Mannschaft die richtigen Lehren zieht.

Am Ende war alles wie fast immer in den letzten Monaten: Der Gegner jubelte, Schalkes Spieler verließen den Arena-Rasen mit hängenden Köpfen. Die 1:3-Niederlage gegen den Hamburger SV war ein ganz erheblicher Dämpfer und traf mit voller Wucht dieses zarte Pflänzchen der guten Stimmung, die in den vergangenen Wochen rund um Königsblau ein schüchternes Comeback gegeben hatte.

Und doch war irgendetwas anders: Klar, es waren wieder Zuschauer im Stadion, die ohnehin für eine ganz andere, endlich wieder fußball-typische Atmosphäre gesogt hatten. Aber die reagierten nach den insgesamt dann doch frustrierenden 90 Minuten so, wie es vielleicht nicht zu erwarten war: Nach anfänglichen Pfiffen kippte die Stimmung und die Mannschaft wurde mit Beifall und aufmunternden Sprechchören verabschiedet.

Immerhin: Chancen waren da

Tatsächlich gibt es zum prinzipiellen Schlechtreden ja auch noch keinen Grund. Man könnte es sich einfach machen und jetzt schon wieder irgendwelche Schreckens-Szenarien an die Wand malen nach dem Motto: Es hat sich im Vergleich zur Vorsaison nicht viel geändert – Schalke hat das Siegen verlernt. Das wäre vielleicht der bequemste, aber kein zielführender Ansatz.

Denn natürlich hat sich einiges geändert, und damit ist nicht nur die Liga gemeint, in der Schalke jetzt spielt. Am Freitag sahen die Zuschauer in der Veltins-Arena Zweitliga-Fußball auf hohem Niveau – es gab auf Schalke gerde in der jüngeren Vergangenheit schon wesentlich schlechtere Erstliga-Spiele. Und auch was Schalke zeigte, sah eine zeitlang richtig nach Fußball aus. Schalke hatte zahlreiche Torchancen, alleine das ist schon ein Unterschied zur Vorsaison. Und das Herausspielen von Torchancen bleibt ein wichtiges Kriterium, um die Leistung einer Mannschaft richtig einordnen zu können.

Nach dem 1:0 zu passiv

Wer dem nun widerspricht und darauf hinweist, entscheidend sei aber, was unterm Strich herauskommt, hat in der Sache recht. Es soll und darf auch nichts schöngeredet werden. Schalke hat den Zweitliga-Start in den Sand gesetzt – es gilt, daraus die richtigen Lehren zu ziehen. Denn die Art und Weise, wie das Spiel gegen den HSV verloren ging, passt vielleicht zu einer unerfahrenen Mannschaft, die ihrem Publikum um jeden Preis einen Sieg bieten möchte. Sie passt aber nicht zu einer Mannschaft, die – wie Schalke – gespickt mit Routiniers ist, denen genau solche Verhaltensfehler nicht passieren sollten.

Und zwei dieser Kardinalfehler beging Schalke: Nach einer bärenstarken Anfangsphase, die ihren Höhepunkt in der frühen 1:0-Führung durch Simon Terodde hatte, verfiel Schalke in ein Verhaltensmuster, das man hier leider schon kennt: Die Königsblauen zogen sich zu sehr zurück, überließen dem Gegner das Feld und immer mehr Spielanteile, die der HSV dann irgendwann auch zu nutzen wusste. Und am Ende hätte es – darüber lässt sich von der Beobachter-Position immer leicht urteilen – vielleicht ganz gut getan, beim Stand von 1:1 einfach mal auf die Bremse zu treten und alles dafür zu tun, den einen Punkt mitzunehmen statt sehenden Auges in eine Niederlage zu laufen.

In der Liga angekommen

Schalke ist, wenn auch brutal, schon jetzt in der Zweiten Liga angekommen. Auch die verzeiht keine Schwächephasen, erfordert in jeder Spielminute die volle Konzenration. Daraus muss Schalke lernen, denn – so albern das vor einem zweiten Spieltag auch klingt: Durch die Startniederlage ist Schalke jetzt schon unter enormem Druck. Als prominenter Erstliga-Absteiger stehen die Königsblauen im nationalen Blickpunkt wie keine andere Mannschaft im Unterhaus – es gilt zu vermeiden, zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison in eine Art Negativ-Spirale zu geraten.

Vor allem aber sollte Schalke nicht den Fehler machen, nach Ausreden abseits des eigenen Verhaltens zu suchen. Natürlich war der verletzungsbedingte Ausfall von Danny Latza ein Schlag ins Kontor, aber Schalke hat genügend erfahrene Spieler in seinen Reihen, um solche Tiefschläge auffangen zu können. Genau für solche Fälle wurde die Mannschaft ja so zusammengestellt.

Konkurrenz kennt Verwundbarkeit

Die Konkurrenz weiß jetzt jedenfalls, dass Schalke auch in der Zweiten Liga verwundbar ist. Am Sonntag muss die Mannschaft von S04-Trainer Dimitrios Grammozis zu Holsten Kiel – die Kieler gehören zu den wenigen Mannschaften in der Zweiten Liga, die noch nie in der Ersten Liga gespielt haben. Aber sie waren schon verdammt nah dran. Und werden alles daran setzen, um sich ihre Perspektiven nicht verbauen zu lassen – schon gar nicht von Schalke. Darauf müssen sich Terodde und Co. einstellen. Die Fehler vom Hamburg-Spiel dürfen sich nicht wiederholen. Sonst hat Schalke schon ein erstes großes Problem.

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