Kaum ein Schalker Spieler blieb im bisherigen Saisonverlauf verletzungsfrei. Hier hat es Mark Uth getroffen. © dpa
Schalke 04

Was bei der langen Schalker Verletztenliste zu denken gibt

Nicht nur sportlich läuft beim FC Schalke 04 aktuell alles schief. Auch in Teilbereichen des Funktionsteams scheint viel Luft nach oben zu sein. Warum die Verletztenliste zu denken gibt.

Die Anzahl der verletzten Spieler ist bei kaum einem Bundesligisten so groß wie beim FC Schalke 04. Aktuell sind es elf. Verletzungen wie die Knieoperation bei Goncalo Paciencia oder aktuell der Rippenbruch von Ralf Fährmann können immer wieder passieren. Was jedoch irritiert, ist die große Anzahl an muskulären Blessuren.

Innerhalb der letzten zwei Wochen haben die Königsblauen allein hier nicht weniger als vier neue verletzte Spieler mit Matija Nastasic, Shkodran Mustafi, Nabil Bentaleb und Mark Uth. Ein Umstand, der viele Sportmediziner irritiert, darunter auch den Gelsenkirchener Peter Lange.

„Sehr ungewöhnlich“

Der Schalke-Fan gibt zu bedenken, dass der hohe Krankenstand wohl kaum mit zu starken Wettkampfbelastungen zu tun haben kann. „Schalke spielt in dieser Saison nicht international. Nach dem Aus im DFB-Pokal bleibt leider nur noch die Bundesliga. Wenn man sich anguckt, was in anderen Sportarten, wie zum Beispiel im Handball, verlangt wird, ist diese Häufung von muskulären Verletzungen sehr ungewöhnlich“.

Das sieht auch David Wagner so. Der im September entlassene Schalke-Coach sagte kürzlich bei Sport1: „Seit mehr als einem Jahr wird dieser Verein mit einer Verletzungsproblematik konfrontiert wird, die ihresgleichen sucht.“ Doch warum konnten die Königsblauen in diesem wichtigen Bereich nicht gegensteuern?

Sportvorstand Jochen Schneider reagierte zwar im vergangenen Sommer, indem er den Athletik- und Konditionstrainer Klaus Luisser und Bob Schoos den Laufpass gab und später auch noch die Trennung von Dr. Andreas Schlumberger, dem Leiter der Reha-Abteilung, vollzog. Doch Verbesserungen sind bisher nicht in Sicht.

Leuthard wird teilweise kritisch gesehen

Auch unter der Leitung von Werner Leuthard, der von Teilen der Mannschaft angeblich kritisch gesehen wird, blieb die Zahl der verletzten Spieler sehr hoch. Dabei beschäftigt Schalke für diesen Bereich außerdem noch zwei Mannschaftsärzte, vier Physiotherapeuten und eine Ernährungsberaterin. Solch ein Personalstand sollte eigentlich ausreichen, um alle Spieler für die Bundesliga fit zu machen.

Doch offenbar ist weder die Trainingssteuerung noch die Präventionsarbeit bisher gut genug. Wenn Schalke um die Wadenprobleme von Klaas-Jan Huntelaar wusste und ihn dennoch verpflichtete, darf man schon fragen, ob das sinnvoll ist, zumal der Spieler mit 37 Jahren ein Alter erreicht hat, in dem das Auskurieren jeder Art von Verletzung entsprechend länger dauert.

Hausgemachte Probleme?

Auch der Umgang mit Bentaleb ist diskussionswürdig. Ihm noch einmal eine Chance zu geben, kann man machen. Aber darf man sich wundern, wenn ein Spieler, der monatelang keine Wettkampfpraxis hatte, nach seinem ersten Einsatz schnell wieder Probleme bekommt?

Die Liste solcher umstrittener Entscheidungen ließe sich noch weiter führen. Man denke nur an Suat Serdar, der zu Beginn der Saison nach nur einem Spieltag Pause sofort wieder eingesetzt wurde und schon in der Anfangsphase im Heimspiel gegen Leipzig wieder ausgewechselt werden musste. Danach fehlte der Nationalspieler in fünf Pflichtspielen.

Führt man sich diese Beispiele vor Augen, drängt sich der Verdacht auf, dass nicht „böse Mächte“ auf Schalkes Verletzungsproblematik schuld sind, sondern wohl eher Fehler, die in den eigenen Reihen zu suchen sind.

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