Schalker Kreis statt Kreisel (hier vor dem Spiel bei Hertha BSC Berlin): Diese Mannschaft ist in dieser Verfassung nicht konkurrenzfähig. © dpa
Schalke 04

Warum Schalke über das Angebot von Tönnies nachdenken muss

Das finanzielle Hilfsangebot von Clemens Tönnies polarisiert. Wer fordert, der Verein müsse sich vom Ex-Boss emanzipieren, zeigt immerhin Haltung - die muss dann aber auch konsequent sein.

Neues Jahr, neuer Trainer, neuer Schwung? Die Hoffnung, mit Christian Gross an der Seitenlinie könne Schalke auf Anhieb die Wende einleiten, war dann doch zu euphorisch. Spätestens seit der 0:3-Niederlage bei Hertha BSC Berlin, dem 30. sieglosen Bundesliga-Spiel in Folge, ist auch den allergrößten Optimisten klar, dass es nur mit Handauflegen nicht getan ist.

Köpfe wieder hängen gelassen

Fünf Trainingstage hatte Gross bislang Zeit, um diese in fast allen Bereichen nicht konkurrenzfähige Mannschaft zumindest etwas auf Vordermann zu bringen. Zu wenig. Schalke verfiel nach dem 0:1 in alte Verhaltensmuster, die Spieler ließen Schulter und Köpfe und damit irgendwie auch ihren neuen Trainer hängen. Dass sich viele Beobachter in den sozialen Netzwerken hinterher darüber echauffierten, Gross habe nach dem Spiel sehr mürrisch gewirkt, war zwar richtig beobachtet. Aber zum Singen und Tanzen gab es ja auch keinen Anlass.

Lediglich die Niederlagen der unmittelbaren Konkurrenten machten den weitestgehend erneut miserablen Auftritt in Berlin erträglich. Noch sind es „nur“ sechs Punkte Rückstand (plus einem gefühlten siebten für die gigantisch schlechte Tordifferenz), und noch sind es 20 Spiele, in denen Schalke eine Aufholjagd starten kann.

Klartext von Uth

Was die meisten schon lange ahnten, aber nur Mark Uth in dieser Form so deutlich aussprach: Mit dieser Mannschaft kann und wird das wohl nicht gelingen, völlig unabhängig vom Trainer. Schalke braucht neue, gute Leute, und zwar schnell. Denn Ende Januar, wenn das Transferfenster schließt, kann der Abstand zum rettenden Ufer schon zu groß sein.

Sead Kolasinac kann dabei nur der Anfang gewesen sein. Aber: Verstärkungen kosten Geld, und hier kommt Clemens Tönnies ins Spiel. Sein finanzielles Hilfsangebot polarisiert. Die einen fordern den Vorstand auf, es anzunehmen. Andere plädieren für Verzicht – Schalke müsse sich, so ihre Meinung, endlich von Tönnies emanzipieren.

Nur Handauflegen reicht nicht

Das ist auch eine klare Haltung – die muss dann aber auch mit der Konsequenz verbunden werden, dass Schalke notfalls ins Erstliga-Gras beißen und den Weg in die Zweite Liga antreten muss. Der Verein hat sich aber offenbar dazu entschlossen, im Kampf um den Klassenerhalt alle möglichen Mittel einzusetzen.

Eines dieser Mittel ist Geld – wenn es keine andere Möglichkeit gibt, muss Schalke über das Angebot von Tönnies mindestens nachdenken und dann gegebenenfalls auch annehmen. Auch das garantiert den Klassenerhalt nicht. Aber nur mit Handauflegen wird es sehr wahrscheinlich nicht klappen, in der Bundesliga zu bleiben.

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