Ein Bild des Jammers: Benito Raman. © dpa
Schalke 04

Warum die Schalker Zuversicht nach dem 1:4 in Gladbach trügerisch ist

Aufgrund der Leistung in ersten halben Stunde beim Spiel in Gladbach macht sich Schalke Mut für die Zukunft. Doch diese Zuversicht ist trügerisch.

Wenn die sportliche Not groß ist, dann greifen Bundesliga-Trainer oft in die psychologische Trickkiste. Aber selbst das hochemotionale Video, das Schalker Fans zur moralischen Unterstützung ihrer Mannschaft gedreht hatten und Trainer Baum vor dem Spiel in Mönchengladbach in der Kabine zeigte, half nicht.

Der Schalker Krisen-Kreisel läuft nach der 1:4 (1:2)-Schlappe im Borussia-Park weiterhin auf Hochtouren. Da nutzte es auch nichts, auf die gute Anfangsphase zu verweisen – Schalke zeigte vor allem in der zweiten Halbzeit die altbekannten Schwächen. Eine Mixtur aus individuellen Fehlern (Ozan Kabak!), kolossaler Überforderung einzelner Spieler (Kilian Ludewig) sowie einer harmlosen Offensive, die den Gastgebern einen am Ende problemlosen Sieg bescherten.

Einzige Mannschaft ohne Sieg

Florian Neuhaus (15.), Oscar Wendt (36.), Marcus Thuram (52.) und der eingewechselte Hannes Wolf (80.) sorgten für den erneuten K.o. der nur 30 Minuten gleichwertigen Schalker, die notgedrungen mit einer verjüngten Mannschaft antraten, in der Matthew Hoppe und Jan-Luca Schuler zwei Youngster ihr Bundesliga-Debüt geben durften. Benito Raman (20.) hatte das zwischenzeitliche 1:1 erzielt.

Das Team von Trainer Manuel Baum bleibt mit drei Punkten Letzter und ist nach neun Spieltagen nun die einzige noch sieglose Mannschaft der Liga. „Wir machen es dem Gegner zu leicht“, schimpfte der 41-Jährige. Böse Mächte sind es nicht, die Schalkes Klassenerhalt gefährden, sondern eine Fülle von hausgemachten Unzulänglichkeiten. Was den Sport betrifft, ist die Kaderplanung eine Zumutung.

Auf den rechten und linken Außenbahnen in der Defensive ist Schalke dermaßen unzureichend besetzt wie wohl keine andere Bundesliga-Mannschaft in dieser Saison. Wenn Routinier Bastian Oczipka ausfällt, ist die Not auf der linken Abwehrseite sofort so groß, dass Trainer Manuel Baum mangels Alternativen improvisieren muss.

Auf der rechten Seite hat man als neutraler Beobachter fast schon Mitleid mit Kilian Ludewig. Der Youngster, auf den letzten Drücker verpflichtet, wurde in die Rolle des „Heilsbringers“ gedrängt, die er mit seinen 20 Jahren nicht erfüllen kann.

Schneider will kämpfen

Das ist dem gebürtigen Hamburger als einzigem gelernten Rechtsverteidiger im Kader nicht anzulasten, wohl aber dem ehemaligen Kaderplaner Michael Reschke und Sportvorstand Jochen Schneider, der sich immer öfter mit Rücktrittsfragen an seine Adresse konfrontiert sieht. Schneider gab sich im ZDF kämpferisch: „In so einer Situation verlässt man nicht die Brücke. Das macht man einfach nicht. Man stellt sich der Aufgabe und versucht, da im Team herauszukommen.“

Doch wenn ergebnismäßig nicht bald eine Trendwende gelingt, dürften Schneiders Tage gezählt sein. Dass mit Peter Knäbel schon ein hausinterner potenzieller Nachfolger ins Spiel gebracht wurde, ist für Schneider kein gutes Zeichen. Sollten ihm noch einige Wochen bleiben, muss der 50-Jährige jetzt die richtigen Personalentscheidungen treffen, auch wenn sein finanzieller Spielraum im Vergleich zu seinen Vorgängern erheblich eingeschränkt ist.

Paciencia fehlt länger

Denn die Partie in Gladbach machte deutlich, dass Schalke mit diesem Kader ernsthaft um seine Bundesligazugehörigkeit zittern muss. Es fehlt an Qualität, auch im Angriff, wo Goncalo Paciencia nach Informationen dieser Zeitung wegen seiner Knieprobleme noch länger ausfallen dürfte. Paciencia weilt immer noch bei seinem Vertrauensarzt in seiner portugiesischen Heimat. Von dort hat auch er mit Schrecken verfolgt, dass Schalkes Konkurrenten im Abstiegskampf teilweise gepunktet haben.

Dreifach gepunktet hat Schalke seit dem 17. Januar nicht mehr. Am nächsten Sonntag heißt der Gegner Leverkusen. Vielen Schalker Fans macht das jetzt schon Angst. Und das ist mehr als verständlich.

Über den Autor
freier Mitarbeiter

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.