Hofft auf eine schnelle Entscheidung: Peter Knäbel. © dpa
Schalke 04

Warum der Schalker Aufsichtsrat in der Klemme steckt

Die Suche nach einem Schalker Sportvorstand ist noch nicht beendet. Dabei spielt der Aufsichtsrat eine entscheidende Rolle und steckt gleichzeitig in der Klemme.

Eine „schnelle Lösung“ strebt Schalkes Aufsichtsratschef Dr. Jens Buchta nach eigenen Worten an, wenn es um die Besetzung der Position des Schalker Sportvorstandes geht. Doch das Kontrollgremium steckt in einer Zwickmühle. Denn diese eminent wichtige Personalie wird von Personen entschieden, die nach der Mitgliederversammlung vielleicht ihr Mandat im Aufsichtsrat verlieren.

Der Unmut an der Basis ist längst so stark geworden, dass die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass die Mitglieder, die wiedergewählt werden wollen, nur ganz geringe Chance haben. Sollte es so kommen und der Aufsichtsrat erhält ein völlig neues Gesicht, stellt sich sofort die Frage: Werden die Entscheidungen, die zuvor beim Sportvorstand und/oder Sportdirektor getroffen worden sind, dann kritisch diskutiert oder sogar rückgängig gemacht, weil neue Köpfe andere Ideen haben?

Veränderte Mehrheitsverhältnisse?

Sollten Mitglieder der „Rangnick-Gruppe“ in den Aufsichtsrat gewählt werden, ist mit einer Neuausrichtung des Vereins zu rechnen. Aufmerksame Zeitgenossen haben bei der Absage von Ralf Rangnick schnell das Wörtchen „derzeit“ in den Vordergrund gerückt, weil der 62-Jährige sich damit eine kleines Hintertürchen offengelassen habe. Damit könnte ja gemeint sein, so die Hoffnung vieler Schalker Anhänger, dass Rangnick bei veränderten Mehrheitsverhältnissen im Aufsichtsrat am 13. Juni seine Arbeit auf Schalke aufnimmt.

Ausschließen kann man bei den Königsblauen gerade in diesen Zeiten nichts, aber mehrere Gesichtspunkte sprechen dagegen. Personen, die Rangnick nahe stehen, versichern, dass an seinem Entschluss in absehbarer Zeit nicht zu rütteln sei, zumal er sonst seine Glaubwürdigkeit verlieren würde. Außerdem kann man davon ausgehen, dass Rangnick noch andere attraktive Angebote vorliegen hat. Bis zum 13. Juni dürfte er andere Interessenten kaum hinhalten können.

Großes Risiko

Am schwerwiegendsten wiegt allerdings die Tatsache, dass die Zweite Liga, in der Schalke mit großer Wahrscheinlichkeit in der neuen Saison spielen wird, bereits am 23. Juli beginnt. Einen Sportvorstand erst sechs Wochen vorher zu inthronisieren, wäre vor diesem Hintergrund ein immens großes Risiko.

Dies wäre nur zu umgehen, wenn zum Beispiel Peter Knäbel seine Arbeit bis zum 13. Juni vorsetzt, dann zum Sportdirektor befördert und ein neuer Aufsichtsrat die Personalie „Sportvorstand“ klären würde. Solch ein Szenario hätte jedoch den großen Nachteil, dass Schalke noch wochenlang eine Personaldebatte mit sich herumschleppen müsste, die Unruhe provozieren würde, weil noch kein Sportvorstand zur Verfügung steht.

„Lust auf Klarheit“

Alle diese Gedankenspiele helfen ein bisschen zu verstehen, warum der Schalker Aufsichtsrat in einer solch schwierigen Situation steckt. Zwei Rücktritte aus diesem Gremium (Uwe Kemmer, Professor Dr. Stefan Gesenhues) in den vergangenen Monaten haben zudem deutlich gemacht, dass von einer einheitlichen Linie längst keine Rede mehr sein kann. Peter Knäbel sagte kürzlich im „Kicker“: „Ich habe Lust auf Klarheit. Wir müssen uns trauen, Entscheidungen zu treffen“. Ob sein Wunsch bald erfüllt wird?

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