Hans-Günter Becker (M.) war Kapitän von Tasmania Berlin in der Bundesligasaison 1965/66. © dpa
Schalke 04

Tasmania Berlin drückt Schalke 04 die Daumen

Am Samstag drückt Tasmania Berlin dem FC Schalke 04 die Daumen. Dann fällt im Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim die Entscheidung, ob die Berliner ihren Negativrekord allein behalten dürfen.

Einmal in der Woche hat die Geschäftsstelle von Tasmania Berlin geöffnet. Wer dort in den vergangenen Monaten anrief, bekam es mit Personen des Vereins zu tun, die zunehmend traurig und genervt wirkten. Denn seit der FC Schalke 04 sich anschickt, den für uneinholbar gehaltenen Bundesligarekord von Tasmania Berlin einzustellen, ist der Amateurklub zu seinem Leidwesen in aller Munde.

Journalisten aus allen Teilen der Republik wollen wissen, wie der Verein damit fertig wird, sollte er sein bisheriges Alleinstellungsmerkmal von 31 Bundesligaspielen in Serie ohne Sieg zukünftig mit Schalke teilen oder bald sogar ganz verlieren.

Bundesligaspiel vor 827 Zuschauern

Dabei geht in der öffentlichen Debatte um diesen Negativrekord unter, dass die Berliner ihre Marke in nur einer Saison erreichten, während Schalke mit dem Nicht-Gewinnen in der vergangenen Spielzeit begann. Außerdem hat das heutige Tasmania Berlin mit der späten insolventen Tasmania der 1960er Jahre nur den Namen gemeinsam. 1973 wurde der heutige Fünftligist gegründet.

Aber sei‘s drum, Tasmania würde den Rekord schon gern behalten. Dafür hatte sich ein knappes Dutzend Tasmania-Anhänger am vergangenen Samstag vor dem Berliner Olympia-Stadion positioniert und auf Schildern ihre Hoffnung auf einen Schalker Erfolg zum Ausdruck gebracht: „Rettet TAS den Rekord“, lautete die unmissverständliche Aufforderung, die Schalke mit der deprimierenden 0:3-Schlappe nicht Folge leistete.

Rekord steht auf der Kippe

Nun steht der Rekord auf der Kippe, wenn Schalke am Samstag nicht sein Heimspiel gegen Hoffenheim gewinnt. Die Gefühlswelt des damaligen Tasmania-Kapitäns Hans-Günter Becker ist gespalten. Gegenüber Berliner Medien sagte der 82-Jährige: „Schalke rüttelt bedenklich an unserem Rekord. Ich habe zwar keine Angst, dass der Rekord fallen könnte. Aber ich wäre wohl doch ein wenig erleichtert. Dann würde ich vielleicht nicht mehr ganz so oft darauf angesprochen werden. Andererseits hängen wir am Rekord. Die Menschen erinnern sich deshalb an uns.“

Dabei verlief die erste und einzige Bundesligasaison von Tasmania 1965/66 unter höchst ungewöhnlichen Umständen, die man sich heute kaum vorstellen kann. Ende Februar 1965 kontrollierte die Bundesliga-Spitze die Bücher von Hertha Berlin und stellte einen Fehlbetrag von 192.000 Mark fest, weil der Klub zu hohe Handgelder bezahlt hatte. Die Folge: Hertha wurde aus der Liga ausgeschlossen, Tasmania nahm den Platz ein. Auch, weil im geteilten Deutschland aus politischen Gründen unbedingt ein Klub aus Westberlin in der Bundesliga sein sollte. Ob der Amateurklub Tasmania sportlich mithalten kann, spielte damals keine Rolle.

Nur zwei Bundesligasiege

Über Nacht wurden die Tasmania-Spieler zu Bundesliga-Profis, die sogar das Auftaktspiel vor 82.000 Zuschauern im Olympia-Stadion mit 2:0 gegen den Karlsruher SC gewannen. Danach beginnt die Negativserie von 31 Bundesligapartien in Serie ohne Sieg. Und auch das Zuschauerinteresse lässt gewaltig nach. Zum Heimspiel gegen Mönchengladbach kommen im Januar 1966 nur noch 827 Zuschauer ins riesige Olympiastadion – das ist der Rekord für die wenigsten Zuschauer an einem Bundesligaspiel unter regulären Bedingungen.

Immerhin gelingt den Tasmanen am vorletzten Spieltag noch der zweite Sieg in der Bundesliga. Im letzten Bundesligaspiel der Klubgeschichte spielt Tasmania Berlin übrigens gegen Schalke. Und verliert 0:4.

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