Immer noch auf Ballhöhe: Hannes Bongartz. © dpa
Schalke 04

Stichtag: Warum sich Schalkes Spieler über ein 1:1 in Bremen ärgern

Als Schiedsrichter Wilfried Haselberger am 15. Januar 1977 das Spiel zwischen Bremen und Schalke abpfeift, sind die Gäste sauer. Sie haben zwar nicht verloren, fühlen sich aber betrogen.

Was war passiert? Branko Oblak schlug in der 64. Minute einen Freistoß in den Bremer Strafraum, wo Hannes Bongartz zur Stelle war. Sein Kopfball prallte erst gegen den Pfosten, tickte dann auf dem mit Schnee bedeckten Boden auf und sprang schließlich Werder-Keeper Dieter Burdenski in die Arme.

Hannes Bongartz war ist richtig sauer: „Der Schiedsrichter hat uns um 1000 Mark Siegprämie gebracht. Der Ball war drin.“ Das sah Haselberger allerdings anders. Im Gegensatz zu seinem Linienrichter, der nach Schalker Ansicht nach dem Kopfball des Mittelfeldregisseurs auf Tor entscheiden will.

Rollen sind anders verteilt

Damit sind die Rollen anders verteilt als 1966 im WM-Finale von Wembley. Damals will Schiri Gottfried Dienst aus der Schweiz eigentlich weiterspielen lassen, doch der russische Linienrichter Tefik Bachramow zeigt seinem Kollegen an, dass er den Ball des Engländers Geoff Hurst hinter der Linie gesehen habe. Es ist das 3:2 für die Gastgeber in der Verlängerung. Deutschland verliert am Ende mit 2:4, und die Engländer dürfen sich zum ersten Mal über den Jules-Rimet-Pokal freuen.

Für Bongartz ist der Fall eindeutig: „Mein Kopfball hat die hintere Kante der Latte gestreift und das Netz berührt. Der Ball fiel wie ein Stein zu Boden. Der Linienrichter zeigte ja auch sofort mit der Fahne zu Mitte.“

„Es war ein Tor!“

Eine Darstellung, die der Unparteiische nicht teilt. „Ich habe dem Linienrichter mit einer Handbewegung angedeutet: weitermachen“, so Referee Haselberger aus Reutlingen, dem die Gäste ansonsten eine starke Leistung bescheinigen. „Darauf hat dieser reagiert. Die Schalker haben das falsch verstanden.“ Allerdings sind sie nicht die Einzigen, die auf Tor entschieden hätten. Knappen-Coach Friedel Rausch: „Sogar der Bremer Hiller hat es zugegeben – es war ein Tor!“

Doch die ganzen Proteste bleiben ohne Folgen. Überprüfungen mit technischen Hilfsmitteln gab es damals noch nicht. Das Ergebnis von 1:1 steht auf dem Spielberichtsbogen. An der Tatsachenentscheidung kann nicht gerüttelt werden.

Auftakt für tolle Rückrunde

Was die Schalker damals noch nicht wissen: Diese Partie ist der Auftakt für eine tolle Rückrunde, in der die Königsblauen nur zwei Spiele verlieren, am Ende Vizemeister werden und in den UEFA-Cup einziehen.

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