Schalke 04

Sportvorstand Jochen Schneider und die großen Schalker Baustellen

Wie geht es weiter nach turbulenten Tagen beim FC Schalke 04? Sportvorstand Jochen Schneider äußerte sich in einer Medienrunde über den Berg von Problemen.
Steht mächtig unter Druck: Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider. © dpa

Es ist auch eine Art von Selbstschutz, dass Jochen Schneider in diesen Tagen nur wenig liest, was über den FC Schalke 04 geschrieben wird. Manchmal empört sich seine Frau über vermeintlich ungerechte Schlagzeilen, erzählte der Schalker Sportvorstand in einer Medienrunde.

Doch der 50-Jährige ist zu lange im Fußballgeschäft tätig, als dass es ihn überraschen würde, wenn nach 24 Bundesligaspielen in Folge ohne Sieg und dem Absturz auf dem letzten Tabellenplatz auf Schalke nicht große Unruhe verbunden mit scharfer Kritik vorherrschen würde. Das wäre bei jedem anderen Bundesligist nicht anders. Deshalb sagte Schneider: „Es ist okay, dass wir mit dieser Serie und dem 18. Platz auf die Fresse kriegen. Das haben wir verdient. Kritik und Prügel sind berechtigt“. Aber er wünsche sich schon etwas mehr Miteinander.

Die Lage ist sehr ernst

Dies erscheint jedoch ein frommer Wunsch, nicht weil bei den Medien so böse Menschen arbeiten, sondern weil die sportliche Negativentwicklung nicht die einzige große Schalker Baustelle in diesem Jahr ist.

Da ist zum Beispiel die prekäre Finanzsituation, die Ende des Jahres einen Schuldenberg von rund 250 Millionen Euro beinhalten dürfte. An die Einschätzung des zurückgetretenen Finanzchefs Peter Peters – „Es geht nicht bergab auf Schalke, das Gegenteil ist der Fall. Schalke bleibt ein sauber finanzierter eingetragener Verein, der in den vergangenen Jahren als Unternehmen unfassbare Werte geschaffen hat“ – glaubt kein Mensch mehr.

Viel Geld verpulvert

Ängste verursachen bei vielen Mitgliedern auch die Pläne für eine Ausgliederung, weil Schalke zum Beispiel in der Ära Heidel eindrucksvoll bewiesen hat, wie man viel Geld verpulvern kann.

Auch die Existenzängste eines Teils der Belegschaft sind real. Schneider richtete einen fast schon flehentlichen Appell an die Vereinsfamilie: „Wir müssen als Verein auf allen Ebenen zusammenhalten. Dann kommen wir aus der Krise raus. Alles steht im Kontext der langen Serie der Sieglosigkeit. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht komplett auseinander dividieren lassen.“

Rückhalt des Aufsichtsrats

Mit den Suspendierungen und der Vertragsauflösung von Vedad Ibisevic dürfte es nicht getan sein. Schalke braucht dringend sportlichen Erfolg, damit die Stimmung im Klub nicht endgültig kippt. „Die Außendarstellung ist verheerend“, gab der Sportvorstand zu, der Fehler einräumte, aber weiterhin den Rückhalt des Aufsichtsrats verspürt.

Der Austausch mit den Kontrolleuren sei eng, so Schneider, der gleichzeitig aber auch betonte: „Ich spüre den Rückhalt, aber den brauche ich nicht. So bin ich nicht gestrickt. Mir geht es darum, dass wir die Mannschaft so hinbekommen, dass sie Erfolgserlebnisse hat.“

Paciencia droht Operation

Dies dürfte allerdings immer schwieriger werden, denn die Personallage entwickelt sich dramatisch. Neueste Hiobsbotschaft: Goncalo Paciencia droht nach Sport1-Informationen eine Knieoperation. Der aus Frankfurt ausgeliehene Stürmer hat sich auf den Weg nach Portugal zu seinem Vertrauenarzt aufgemacht, um noch eine weitere Medizinermeinung einzuholen. Sollte der Angreifer länger ausfallen, hätte Schalke nur noch Mark Uth und Ahmed Kutucu als zentralen Stürmer. Denn Ibisevic ist zu seiner Familie nach Berlin gereist und wird nicht mehr für die Blau-Weißen spielen.

Auch in der Defensive drohen gravierende Probleme. Bastian Oczipka (muskuläre Probleme) konnte am Mittwoch nicht am Training teilnehmen, Salif Sané soll mit einer konservativen Behandlungsmethode wegen seiner Knieschmerzen wieder fit werden. Das dürfte jedoch einige Zeit dauern. Doch Zeit hat Schalke eigentlich nicht.

Klassenerhalt hat Priorität

Vor dem Training war Schneider am Mittwochvormittag bei der Mannschaft, um sie auf die nächsten Wochen einzuschwören. Schneider deutete an, dass der Teamgedanke wieder im Vordergrund stehen muss.

„Wir haben 17 Konkurrenten im Land, da brauchen wir die nicht noch im eigenen Verein. Alle müssen vertrauensvoll miteinander arbeiten“, sagte der 50-Jährige. Es gehe darum, die Mannschaft in der 1. Bundesliga zu halten. Alles andere interessiere jetzt nicht, so der Sportvorstand.

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