Arash Yahyaijan ist der Sportvorstand des FC Villingen. © Privat
Schalke 04

Schalkes Pokalgegner FC Villingen: 2016 blieb ein „fader Beigeschmack“

Es gibt kaum eine Position, die Arash Yahyailjan beim FC 08 Villingen noch nicht ausgefüllt hat. Seit 2018 ist er als Sportvorstand beim baden-württembergischen Oberligisten tätig.

Im Interview spricht Arash Yahyailjan, der Sportvorstand des Schalker Pokalgegners, über die Villinger Ausgangsposition und eine negative Erfahrung mit den Königsblauen vor fünf Jahren.

Was haben Sie gedacht, als dem FC Villingen der FC Schalke 04 zugelost wurde?

Arash Yahyailjan: Ich habe mich sehr gefreut. Denn Schalke ist ein absoluter Traditionsverein. In und um Villingen gibt es sehr viele Schalker Anhänger. Deshalb hat es mich auch nicht gewundert, dass dieses Spiel ruckzuck ausverkauft war. Allerdings gab es letzte Woche einen kleinen Wermutstropfen.

Welchen?

Wegen der Corona-Pandemie dürfen statt der zunächst geplanten 6.000 nur 5.000 Zuschauer in unser Stadion. Das ist sehr schade, denn als Amateur-Verein können wir jeden Euro gut gebrauchen.

Schalke war vor fünf Jahren schon einmal ihr Gegner im DFB-Pokal.

Da mussten wir nach Freiburg ausweichen, weil unser damaliges Stadion nur rund 4.000 Zuschauer fasste. Leider hat sich der Umzug nach Freiburg für uns überhaupt nicht gerechnet. Danach blieb erst einmal ein fader Beigeschmack.

Wieso?

Schalkes damaliger Manager Christian Heidel hatte uns zugesagt, dass sich der Bundesligist an den Kosten des Umzugs beteiligen wolle, weil sie lieber in Freiburg spielen wollten. Hinterher konnte sich leider auf Schalker Seite niemand mehr daran erinnern. Und da wir nichts schriftlich hatten, mussten wir die Kosten schließlich allein tragen. Aber das ist jetzt vergessen, zumal die Vorstände von beiden Vereinen nicht mehr im Amt sind. Schalke ist mir trotzdem sehr sympathisch.

Aber gegen eine Pokalsensation hätten Sie doch sicherlich nichts einzuwenden?

Natürlich nicht, die ganze Region träumt hier vom Einzug in die nächste Runde, zumal wir in jetzt neun Versuchen immer in Runde eins des DFB-Pokals gescheitert sind. So gesehen sind wir die erfolgloseste Mannschaft in diesem Wettbewerb in ganz Deutschland. (lachend)

Haben Sie Schalke in den letzten Partien beobachten lassen?

In dieser Hinsicht sind wir schon bundesligareif. Glauben Sie mir, da überlassen wir nichts dem Zufall. Wir kennen jeden ihrer Kicker und wissen, wie sie spielen.

Also rechnen Sie sich insgeheim doch etwas aus gegen den großen Favoriten?

Ich bin Realist. Unsere Siegchance würde ich auf fünf Prozent beziffern. Ein 5:0 oder 6:0 für Schalke wäre normal. Andererseits: Wir haben gegen jede Mannschaft den Anspruch zu gewinnen, sonst brauchten wir gar nicht zu spielen.

Was würde die Siegchancen von Villingen erhöhen?

Wenn wir im Führung gehen würden. Unsere Abwehr ist ein starker Erfolgsgarant. Wir haben in der vergangenen Saison in den letzten zwölf Meisterschaftsspielen nur neun Gegentore kassiert.

Die Ligazugehörigkeit mal außer acht gelassen: Gibt es Parallelen zwischen Villingen und Schalke?

Für mich schon. Auch der FC Villingen hat eine große Tradition. Und auch unser Klub hatte schon Existenzsorgen. Vor 20 Jahren drohte die Insolvenz, aber wir haben dieses Horrorszenario nicht nur abgewendet, sondern sind mittlerweile schuldenfrei. Das neue Stadion hat uns auf eine neue Stufe auch in wirtschaftlicher Hinsicht gebracht.

Dann sollte doch bald der Aufstieg in die Regionalliga gelingen…

Wenn Sie wüssten. Die Oberliga Baden-Württemberg zähle ich zu den spielstärksten Ligen im Amateurfußball in Deutschland. Wir hatten schon Neuzugänge aus der Regionalliga Nordost, die nicht das Niveau hatten, um mitzuhalten. Außerdem ist unsere Konkurrenz enorm.

Zum Beispiel?

Es gibt Mannschaften, die einen deutlichen höheren Spieleretat haben als wir. Deshalb wäre ich zufrieden, wenn wir in der neuen Saison unter den besten sechs Mannschaften landen würden.

Und was trauen Sie Schalke zu?

Der Abstieg ist sicherlich ein Tiefpunkt. Doch ich bin sicher, dass Schalke bald wieder in der Bundesliga spielt. Dazu besitzt der Verein genügend Potenzial und herausragende Fans.

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