Abgeklatscht: Blendi Idrizi freut sich über sein erstes Bundesliga-Tor mit Schalkes Co-Trainer Mike Büskens. © dpa

Schalkes neuer Glaube an die schnelle Wiederauferstehung

Am Vormittag trugen S04-Fans den Verein noch symbolisch zu Grabe und erinnerten an einen alten Assauer-Spruch. Am Nachmittag sorgten vor allem die „jungen Wilden“ für einen Hoffnungsschimmer.

Die Botschaft war eindeutig und auch in den Vormittagsstunden, als der Himmel über Gelsenkirchen schon weinte und es in Strömen regnete, noch gut lesbar. Am Eingang der altehrwürdigen Glückauf-Kampfbahn hatten Schalke-Fans ein riesiges Transparent befestigt und an einen der vielen wahren Sinn-Sprüche von Rudi Assauer erinnert.

Schalkes verstorbene Manager-Legende hatte einst in seiner typisch klaren Aussprache orakelt: „Wenn der Schnee geschmolzen ist, sieht man, wo die Kacke ist“ Auf dem Transparent stand nun quasi die Fortsetzung: „Lieber Rudi, der Schnee ist jetzt geschmolzen.“ Davor hatten die Fans ein Holzkreuz postiert mit der Inschrift: „FC Schalke 04. Geboren am 4. Mai 1904. Gestorben am 22. Mai 2021.“

„Glücklich und stolz“

Dann ist diese unfassbar schlechte Schalker Saison beendet, und es soll in der Vereinsfamilie zahlreiche Ungläubige bezüglich einer raschen Wiederauferstehung gegeben haben. Doch dann ereignete sich am Samstag – Schalke ist ja immer irgendwie auch Religion – so etwas wie ein kleines Fußball-Wunder, das den Glauben und die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr in die Erste Bundesliga schlagartig zurückbrachten. Der Absteiger überrumpelte Champions-League-Aspirant Eintracht Frankfurt, gewann mit 4:3 (1:1) und sorgte so für einen ehrenhaften vorläufigen Erstliga-Abschied der Veltins-Arena.

„Glücklich und stolz“, sei er, bilanzierte Schalkes Trainer Dimitrios Grammozis, der endlich selbst Argumente dafür sammeln konnte, die Mission Wiederaufstieg in Angriff nehmen zu können. Denn was Schalkes mehr oder weniger zusammengewürfelte Truppe mit reichlich Nachwuchsspielern in der Startelf und später noch mit Henning Matriciani als Spieler Nummer 41 in dieser Saison gegen die Eintracht zeigte, war aller Ehren wert. In der Defensive mit einer stabilen 5-3-2-Grundordnung um Abwehrchef Salif Sané gut organisiert, in der Offensive mit Amine Harit, Mark Uth und Klaas-Jan Huntelaar, die immer wieder Nadelstiche setzten.

Die Zauber-Viertelstunde

Irgendwie war plötzlich vieles anders als sonst: Nicht mal der 1:2-Rückstand durch Evan Ndicka mit Hilfe von Sané ließ die durch Huntelaar mit 1:0 in Führung gegangenen Schalker wie gewöhnlich einknicken, im Gegenteil. Zwischen der 53. und 64. Minute zeigten die Gastgeber die wohl beste Saison-Viertelstunde inklusive Zauberfußball: Tolle Vorarbeit von Huntelaar (der sich dabei verletzte) auf Blendi Idrizi, der wie ein „alter Hase“ mit seinem ersten Profi-Tor zum 2:2 abschloss. Der eingewechselte Matthew Hoppe legte großartig auf für Florian Flick, der ebenfalls ganz cool sein erstes Bundesliga-Tor erzielte. Und nach einem tollen Solo traf Hoppe schließlich selbst zum 4:2. Eintrachts Trainer Adi Hütter stand genauso perplex an der Seitenlinie wie seine Mannschaft auf dem Rasen.

„Lieber Rudi, der Schnee ist jetzt geschmolzen“ – Schalker Fans erinnerten vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt an einen legendären Spruch von Rudi Assauer. © Neubaum © Neubaum

Denn nun ist in Frankfurt Feuer unterm Dach. Es sei, so Sebastian Rode, ja nicht mehr wegzudiskutieren, dass der Leistungsabfall nach Bekanntwerden des Wechsels von Hütter nach Gladbach in irgendeinem Zusammenhang stehe. „Wir haben versagt“, so Rode, der es unfassbar fand, dass ein Absteiger den Sieg mehr gewollt habe als eine Mannschaft, die unbedingt in die Champions League will.

Das 4:3 durch Silva, der nach einem kurzen Aussetzer des vorher prächtig haltenden Fährmann schon zum 1:1 getroffen hatte, brachte Schalke zwar noch einmal ins Wanken, aber das Schlusslicht fiel nicht.

Sieg den Fans gewidmet

Also kniete sich Fährmann auf den Arena-Rasen, trommelte mit seinen Fäusten vor Freude auf den Boden, und nun fanden nach lange strömendem Regen auch erste Sonnenstrahlen wieder ihren Weg durch das geöffnete Arena-Dach. „Es war ein gelungener Tag“, freute sich Grammozis und widmete diesen dritten Saisonsieg den Schalker Fans.

Sicherlich auch denen, die den Verein am Vormittag symbolisch zu Grabe getragen hatten. Allerdings mit einem Hintertürchen. Wer genau hinschaute, entdeckte auf dem Holzkreuz die Inschrift: „Wir kommen wieder!“ Der Glaube daran lebt jedenfalls wieder.

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