Schalkes neuer Nachwuchschef Mathias Schober (l., hier mit A-Junioren-Trainer Norbert Elgert auf der Arena-Tribüne): „Als ich in der Schalker Jugend gespielt habe, kamen die Mitspieler mit der weitesten Anreise aus Ahaus.“ © imago
Schalke 04

Schalkes Nachwuchschef Mathias Schober: Den Job von der Pike auf gelernt

Der Marler war nach seiner Profi-Karriere in nahezu allen Altersklassen der „Knappenschmiede“ in diversen Funktionen tätig. Nun soll er als Peter Knäbels Nachfolger Schalkes „Baby pflegen“.

Sein Besuch war nicht angekündigt. Schalke hatte zur Vorstellung des neuen Nachwuchschefs Mathias Schober geladen, und plötzlich gesellte sich Sportvorstand Peter Knäbel zu der Runde. Natürlich wollte Schobers „Boss“ damit auch dokumentieren, welche Bedeutung der Nachwuchs auf Schalke hat, der seit vielen Jahren unter dem Begriff „Knappenschmiede“ firmiert und einen exzellenten Ruf genießt.

Damit das mindestens so bleibt, wurde die Knappenschmiede von den drastischen Sparmaßnahmen, zu denen der Verein auf allen Ebenen gezwungen ist, verschont. Das Budget, das Schober zur Verfügung steht, bleibt stabil. Knäbel geht davon aus, „dass wir damit noch immer zu den Top 6 in Deutschland gehören“.

„Er hat es sich verdient“

Und das als Zweitligist – dass der Knappenschmiede innerhalb des Vereins dadurch eine noch größere Bedeutung verschafft, liegt auf der Hand. Als Direktor Knappenschmiede und Entwicklung – so der offizielle Titel – soll Mathias Schober nun die Arbeit von Vorgängern wie Bodo Menze, Oliver Ruhnert und Knäbel selbst fortführen. Den Zuschlag bekam er laut Knäbel, „weil er es sich verdient hat“.

Tatsächlich scheint der 45-jährige gebürtige Marler wie geschaffen für diese Aufgabe zu sein: Schober, insgesamt vier Jahre in der Jugend und elf Jahre lang als Profi auf Schalke aktiv, dabei aber immer ein wenig im Schatten ganz großer Torhüter wie Jens Lehmann und Manuel Neuer stehend, hat sich Stück für Stück hochgearbeitet: Seit dem Ende seiner Profi-Karriere ist er in verschiedenen Funktionen in beinahe allen Altersklassen der Knappenschmiede tätig gewesen, er hat den Job also quasi „von der Pike auf gelernt“. Was Knäbel als „uneitel“ bezeichnet: „Denn ein solcher Weg ist für einen ehemaligen Profi keine Selbstverständlichkeit.“

Was sich geändert hat

Schober, schon immer bodenständig, ist diesen Weg ganz bewusst so gegangen und musste dabei feststellen, dass sich auch die Arbeit im Nachwuchs-Bereich immer weiterentwickelt hat: „Als ich in der Schalker Jugend gespielt habe, kamen die Mitspieler, die die längste Anreise hatten, aus Ahaus. Das hat sich komplett geändert.“

Soll heißen: Der „Markt“ für Jugendfußballer ähnelt heute dem der Profis. Auch Schalke schaut sich längst national und international um, verpflichtet Spieler aus Leipzig, Wolfsburg, Bremen, Mainz. Die Hoffnung, auch wieder hochkarätigen Nachwuchs aus der Region wie Benedikt Höwedes, Julian Draxler, Mesut Özil, Manuel Neuer und Leroy Sané (nur einige Beispiele) zu Profis ausbilden zu können, ist nach wie vor da.

(K)ein neuer Neuer?

Schalke will die Zusammenarbeit mit dem lokalen Fußball-Kreis intensivieren, vor allem in der Trainer-Ausbildung helfen. Gelsenkirchener Jungs, die auf Schalke Profi werden – das wäre noch immer der Ideal-Fall.

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Denn auch beim Nachwuchs, so Knäbel, „geht es natürlich auch um Wertentwicklung“. Gerade auf Schalke. Auch der neue Nachwuchschef muss also liefern. Dass ihm der Schalker Abstieg in die Zweite Liga und die schwierige Gesamtsituation des Vereins die Arbeit erschwert, glaubt er nicht – eher das Gegenteil.

„Wenn wir Gespräche mit Jugendlichen und ihren Eltern geführt haben, um sie von Schalke zu überzeugen, konnten wir dabei eigentlich noch nie mit finanziellen Argumenten glänzen. Es geht immer auch darum, sein deutliches Interesse zu zeigen und einfach nach dem Gespräch auch noch mal anzurufen. Wenn man so will, geht es um menschliche Wärme. Und was den Abstieg in die Zweite Liga betrifft: Bislang habe ich da noch keine negativen Auswirkungen bei unseren Gesprächen bemerkt. Im Gegenteil: Viele rechnen sich möglicherweise mehr Chancen auf den Sprung zu den Profis zu als bei einem Erstliga-Klub.“

Plädoyer für die U23

Wie positiv durchlässig die Verbindung auf Schalke zwischen Profi- und Nachwuchsabteilung ist, zeigte sich – auch wenn es sicherlich eine Ausnahmesituation war – in der vergangenen Saison. Zahlreiche Nachwuchsspieler, ob nun aus der U19 oder der U23, wurden ins kalte Bundesliga-Wasser geworfen. Einige schwammen sich sogar frei, und so ziemlich alle waren fit, im Gegensatz zu den Profis – obwohl die U19 wegen Corona schon lange nicht mehr gespielt hatte.

Während in vielen anderen Vereinen, wo es diese Mannschaft noch gibt, über die Abschaffung der U23 diskutiert wird, ist sie für Schober ein fester Bestandteil der Knappenschmiede, und er sieht sie in der Regionalliga auch gut aufgehoben: „Dort spielen die Jungs zum Teil schon gegen gestandene Fußballer, die besonders in den vielen Traditionsvereinen der Regionalliga unter Profi-Bedingungen arbeiten. Und gerade Timo Becker und ,Hansi‘ Flick haben ja gezeigt, dass das eine gute Schule ist,, um über diesen Weg den Sprung zu den Profis zu schaffen.“

Nur eine Richtung: Vorwärts

Schalkes Nachwuchs hat nicht nur einen neuen Chef, sondern auch einen neuen Slogan, der durch ein neues Logo symbolisiert wird: Knappenschmiede in Großbuchstaben, daneben ein Pfeil als Dokument dafür, dass es dem Slogan entsprechend nur eine Richtung geben soll: Vorwärts. Ab jetzt mit Mathias Schober. Er soll, wie es Knäbel formuliert, „unser Baby pflegen“.

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