Will das Schalke-Wunder schaffen: Trainer Christian Gross. © dpa
Schalke 04

Schalkes Mutmacher in der Krise

Was macht Schalke noch Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt? Es gab in der Bundesliga-Geschichte eine Reihe von spektakulären Aufholjagden, die den Königsblauen Mut machen können.

Die Hoffnung auf den Bundesliga-Klassenerhalt wird nicht nur bei den Fans des FC Schalke 04 immer kleiner. Auch ehemalige Schalker Spieler haben resigniert.

Wie zum Beispiel Oliver Reck. „Je öfter ich mir die Frage stelle, ob Schalke in der Lage ist, noch sechs, sieben oder acht Spiele zu gewinnen, desto öfter komme ich zu dem Schluss: Nein!“, sagte der 55-Jährige der „Nordwest-Zeitung“ vor dem Bundesliga-Duell seiner beiden früheren Vereine Werder Bremen und Schalke 04 (Sa. 15.30 Uhr/Sky).

„Von den letzten 34 Ligaspielen hat Schalke ein Spiel gewonnen – das ist wahnsinnig ernüchternd und eine Bilanz, mit der man natürlich absteigt.“ Es gebe noch „die kleine Chance, eine Serie zu starten. Nur so einen Lauf hat Schalke ja seit einem Jahr nicht geschafft – warum sollten sie den jetzt hinlegen?“

Reck hat Hoffnung aufgegeben

Zumal es noch nie eine Mannschaft in der Bundesliga-Geschichte geschafft hat, nach 18 Spieltagen einen Zehn-Punkte-Rückstand zum ersten Nichtabstiegsplatz aufzuholen. Den Ausführungen von Reck lässt sich jedoch entgegenhalten, dass es in der Bundesliga allerdings schon Aufholjagden gab, die niemand für möglich gehalten hatte und doch noch die sportliche Rettung bedeuteten.

Der größte Rückstand nach einer Hinrunde auf einen Nichtabstiegsplatz, der bis Saisonende noch aufgeholt wurde, waren zehn Punkte von Eintracht Frankfurt in der Saison 1999/00. Nach elf Zählern in der Hinrunde steigerte sich die Eintracht zum drittbesten Team der Rückrunde mit neun Siegen und drei Unentschieden. Am Ende schafften die Hessen Platz 14. 17 Spiele sicherten Trainer Felix Magath in Frankfurt den Vitrinenstatus, und Stürmer Jan-Aage Fjörtoft bekannte: „Ich weiß nicht, ob Magath die Titanic gerettet hätte. Die Überlebenden wären auf jeden Fall topfit gewesen.“

Stoffelshaus kein Kandidat

Auch der 1. FC Kaiserslautern spielte in der Saison 2002/2003 eine bärenstarke Rückrunde. Nach dem 16. Spieltag schien bei acht Punkten Rückstand schon jede Hoffnung verloren zu sein. Doch Trainer Eric Gerets führte Miroslav Klose & Co. noch auf den 14. Rang.

Ebenfalls einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert hat sich Arminia Bielefeld: Mit lediglich zwei Siegen nach 20 Spieltagen lagen die Ostwestfalen in der Spielzeit 1980/81 auf einem Abstiegsplatz. Nach heutiger Rechnung entspräche das neun Punkten Rückstand. Doch der DSC holte in den verbleibenden 14 Spielen acht Siege und musste dennoch bis zum Schluss zittern. Mit einem Punkt Vorsprung auf die Abstiegsränge ging die Arminia in den letzten Spieltag und schaffte trotz eigener Niederlage den Klassenerhalt dank der Konkurrenz.

Auch Tedesco kein Thema

Fünf Punkte Rückstand (umgerechnet nach der Drei-Punkte-Regel also sieben) betrug unterdessen der Rückstand des 1. FC Saarbrücken in der Saison 1976/77 nach 27 Spieltagen. Und auch die Saarländer schafften das Kunststück: Aus den letzten sieben Spielen holte Saarbrücken zehn Punkte und schaffte den Sprung auf Platz 14.

Schalke hat also ähnlich gelagerte Vorbilder, die die Wende noch schafften. Aber Fakt ist, dass den Königsblauen langsam die Zeit davonläuft, wenn die Mannschaft nicht bald punktet. Erschwerend kommt für die Königsblauen die schwierige Finanzsituation hinzu sowie mit Jochen Schneider ein angezählter Sportvorstand, der fast täglich von neuen Nachfolgern auf seiner Position lesen muss. An dem Gerücht, dass ihn Erik Stoffelshaus beerben soll, ist nach Informationen dieser Zeitung aber überhaupt nichts dran. Auch eine Rückkehr von Trainer Domenico Tedesco für die nächste Saison steht nicht auf der Agenda und war kein Thema in der letzten Aufsichtsratssitzung.

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