Standard für Schalkes Spieler: Anderen beim Jubeln zuschauen – hier Leipzigs Willi Orban nach dem 0:3. © dpa
Schalke 04

Schalke: Warum die Hoffnungen auf den Klassenerhalt gering sind

Das 0:3 gegen Leipzig und Siege der Konkurrenz beschleunigen

Ausgerechnet am zweiten Todestag von Manager-Legende Rudi Assauer dämmerte auch den kühnsten Hochrechnern in Sachen Klassenerhalt, dass Schalke auch der Fußball-Gott, dem Assauer einst abgeschworen hatte, selbst dann nicht mehr würde helfen können, wenn es ihn gäbe: Durch die 0:3 (0:1)-Niederlage gegen RB Leipzig und die Siege der Konkurrenten Mainz und Köln hat sich Schalkes Lage im Tabellenkeller weiter verfinstert.

Am Ende des dunklen Erstliga-Tunnels, durch den Schalke scheinbar ohne Kompass und nur unterbrochen durch kurze Zwischenstopps der guten Hoffnung rast, gibt es immer weniger Licht für die Königsblauen. Denn was auch immer sie in dieser Saison auch anstellen, selbst mit guten Absichten: Es geht schief.

Das Debüt Mustafis…

Die Niederlage gegen Leipzig war dabei gar nicht mal groß der Rede wert. Zu groß war die Überlegenheit des Tabellenzweiten, gegen den Schalke aber auch so gar nichts mehr von dem Mumm auf den Platz brachte, der noch im Spiel gegen die Bayern oder im Pokal-Achtelfinale in Wolfsburg viel Lob eingebracht hatte.

Und doch war das Spiel gegen Leipzig (S04-Trainer Christian Gross: „Sie waren besser, haben verdient gewonnen. Da gibt es nichts zu diskutieren“) eine Art Blaupause für Dinge, die dann schiefgehen, wenn es sowieso nicht läuft.

..und die Wade Huntelaars

Eine Halbzeit lang hatte Schalke (ohne den verletzten Timo Becker) immerhin konsequent verteidigt, wenig Chancen zugelassen und durch Mark Uth, der nach 39 Minuten verletzt raus musste, selbst die bis dahin größte des Spiels gehabt (34.). In der Nachspielzeit der ersten Hälfte rappelte es dann doch wieder in der Schalker Kiste: Nach einer Ecke von Christopher Nkunku köpfte Nordi Mukiele zum 1:0 für Leipzig ein. Unbedrängt von: Shkodran Mustafi.

Der Last-Minute-Neuzugang hatte den Vorzug vor Malick Thiaw bekommen, obwohl er noch keine Minute mit der Mannschaft trainiert hatte. Zwar hatte Mustafi vor dem 0:1 ordentlich verteidigt, aber das Tor geht größtenteils auf seine Kappe. Auch das 0:3 (87.) durch Willi Orban fiel nach einer Ecke, Schalke hat in dieser Saison nun 21 (!) Gegentore nach Standardsituationen kassiert.

Dass Klaas-Jan Huntelaar erneut nicht mal zum Kader gehörte, minimierte Schalkes Chancen darauf, Paroli bieten zu können. Der Transfer-Coup von Sportvorstand Jochen Schneider droht zur Transfer-Posse zu werden: Denn Huntelaars Wadenprobleme wurden entweder unterschätzt oder haben sich auf Schalke noch verschlimmert. Wie auch immer: Der „Hunter“ stand von bislang 450 möglichen Pflichtspiel-Minuten zehn auf dem Platz. Kann der „Retter“ erst dann eingreifen, wenn alles zu spät ist?

Glücklos und überfordert

Es würde in die Bilanz vom glücklos und überfordert wirkenden Schneider passen. Nach Informationen dieser Zeitung hat der Aufsichtsrat seinen Vorsitzenden Dr. Jens Buchta damit beauftragt, einen neuen Sportvorstand und einen Sportdirektor zu suchen. Dass Schneider vor dem Aus steht, soll bei seiner Rede auf einer Schalker Personalversammlung durchgeklungen sein: Ihm sei sehr daran gelegen, den Verein strukturell besser zu übergeben, als er ihn vorgefunden habe.

Hinter den Kulissen formieren sich derweil – wie in wildesten Schalker Zeiten – diverse Grüppchen, die nun ihre Chancen bei den anstehenden Wahlen zum Aufsichtsrat wittern. Und sogar die Politik schaltet sich ein: Der Gelsenkirchener SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Töns verkündete, dass er zwecks Lage-Erörterung einen Termin mit Dr. Buchta vereinbart habe.

Kein Wunder, dass sich viele Schalker eine Persönlichkeit wie Rudi Assauer wieder zurückwünschen. Gerade jetzt, wo sogar der Fußball-Gott an seine Grenzen stoßen würde.

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