Zwei Trainer, die sich gut verstehen: Friedhelm Funkel (Köln, l.) und Dimitrios Grammozis (Schalke, r.) © dpa
Schalke 04

Schalke fühlt sich bereit für schwierigen Transfermarathon

Während für die Spieler des FC Schalke 04 der Urlaub begonnen hat, beginnt für Sportvorstand Peter Knäbel und Sportdirektor Rouven Schröder die Arbeit jetzt erst so richtig.

Als der FC Schalke 04 die Bundesligasaison 2021/2022 mit der 0:1 (0:0)-Niederlage in Köln abgeschlossen hatte, überwog bei Spielern und Funktionären des Absteigers nicht mehr der Blick zurück auf eine Spielzeit des Grauens, sondern die Beschäftigung mit der nahen Zukunft. Denn insbesondere für Sportvorstand Peter Knäbel und den neuen Sportdirektor Rouven Schröder, der sich Ende der Woche vorstellen wird, wartet ein Berg voller Arbeit.

Vergleicht man die Herausforderungen, vor der die sportliche Leitung steht, mit einem Marathonlauf über 42,195 Kilometer, dann haben die Schalker Kaderplaner nicht mehr als zehn Kilometer zurückgelegt. Zwar wurde durch zehn feststehende Abgänge Platz im Kader geschaffen, aber damit ist nur ein Anfang gemacht.

Geduld ist gefragt

Weitere Spieler muss und wird Schalke 04 aus finanziellen Gründen verkaufen müssen. Und zwar werthaltig, denn das Geld, was für Kicker wie Mark Uth, Sebastian Rudy, Amine Harit oder Suat Serdar reinkommen soll, darf nicht ausschließlich für eigene Transferaktivitäten ausgegeben werden, sondern wird auch zu einem Teil für die Tilgung der immensen Verbindlichkeiten herhalten müssen. Schalke hat die neue Lizenz schließlich nur unter Auflagen erhalten.

Dabei hat sich eine Hoffnung auf einen Wechsel zunächst zerschlagen. Ozan Kabak wird nach Informationen dieser Zeitung nicht zum FC Liverpool wechseln. Dies hatte sich schon länger angedeutet, nun sind Fakten von den „Reds“ geschaffen worden.

Langer verlängert Vertrag

Schalke ist aber optimistisch, dass es weitere Interessenten für den Verteidiger geben wird. Die Frage ist nur wann. Knäbel und Schröder werden neben Verhandlungsgeschick gerade in Pandemiezeiten sehr viel Geduld für eine erfolgreiche Transferpolitik mitbringen müssen. Wenn die Schalker Profis am 14. Juni wieder mit dem Training beginnen, dürfte der Kader noch längst nicht vollständig sein. Aktuell haben die Königsblauen mit Danny Latza (Mainz 05) und Simon Terodde (Hamburger SV) zwei ablösefreie Neuzugänge verpflichtet.

Neuzugang Nummer drei könnte bald der Darmstädter Victor Pálsson sein, den Schalke-Trainer Dimitrios Grammozis noch aus seiner Zeit bei den Hessen kennt und der schon seit Wochen mit den Königsblauen in Verbindung gebracht wird.

Trotz der Niederlage in Köln hatte das Nachspiel für den Schalker Trainer in der Domstadt noch eine angenehme Komponente.

Lob von Funkel

FC-Coach Friedhelm Funkel lobte seinen Trainerkollegen über den grünen Klee. „Er hat den Abstieg am wenigsten zu verantworten. Man muss auf Schalke auch mal Geduld haben mit einem Trainer,“ empfahl Funkel den Königsblauen. Was die reinen Ergebnisse betrifft, konnte Grammozis ähnlich wie seine Vorgänger jedoch keine Trendwende einleiten.

Trotz prominenter Namen, die in der Winterpause verpflichtet wurden, irrlichtete Schalke durch die Saison und muss nun wohl für längere Zeit mit dem Makel leben, schwächster Aufsteiger seit Einführung der Drei-Punkte-Regel mit nur 16 Zählern zu sein.

Gespräche mit Kolasinac und Huntelaar

Ob Sead Kolasinac und Klaas-Jan Huntelaar bereit sind, mit Schalke in der 2. Liga an einen erfolgreichen Neuaufbau mitzuarbeiten, entscheidet sich in dieser Woche. Während bei Huntelaar die sportliche Perspektive die Hauptrolle spielt, wie er im Interview mit dieser Zeitung kürzlich verriet, spielt beim ausgeliehenen Kolasinac auch noch eine wesentliche Rolle, ob Arsenal London mit ihm plant.

Schalke plant auf jeden Fall weiter mit Michael Langer. Der 36-Jährige Österreicher erhält einen neuen Einjahres-Vertrag. Der Torhüter ist für die Kabine sehr wichtig und hat eine tadellose Berufseinstellung. Das Urteil von Olaf Thon bei Sport1 – „Es ist eine Schande. Man schämt sich dafür, wie Schalke die Saison von Anfang bis Ende gespielt hat. Es war eine einzige Katastrophe“ – wäre mit mehr Typen vom Schlage Langers womöglich zu verhindern gewesen.

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