Fassungslos: Amine Harit. © dpa
Schalke 04

Schalke 04 und der nächste Tiefpunkt

Was für eine Enttäuschung: Schalke 04 verliert das Heimspiel gegen den 1. FC Köln mit 1:2 (0:1) und beendet die Bundesliga-Hinrunde erstmals nach 27 Jahren wieder als Tabellenletzter.

Jubelschreie hallten durch die leere Arena, so laut, dass sie vielleicht sogar noch bis zur Glückauf-Kampfbahn zu hören waren. Aber sie kamen nicht von den Spielern des FC Schalke 04, sondern von denen des 1. FC Köln. Die konnten ihr Glück nach dem 2:1 (1:0)-Sieg auf Schalke kaum fassen.

Wenn es für den FC Schalke 04 den von Rudi Völler im legendären Gespräch mit Waldemar Hartmann erschaffenen „tiefsten Tiefpunkt“ wirklich gibt, dann sind die Königsblauen genau da jetzt angekommen. Dabei ist gar nicht so relevant, dass die Mannschaft von Trainer Christian Gross am Ende der Hinrunde auch am Ende der Tabelle steht.

„Noch 17 Spiele“

Was den Abstieg nun zu einem immer wahrscheinlicheren Szenario werden lässt, ist die Tatsache, dass Schalke durch die Niederlage gegen Köln nun auch den Kontakt zum Relegationsplatz (Rang 16) vorläufig verloren hat. Angesichts der kommenden Bundesliga-Gegner (drei der nächsten fünf heißen Bayern München, RB Leipzig, Borussia Dortmund) ist jeder Optimismus, dass sich dieser Abstand zeitnah korrigieren lässt, fehl am Platze. Zumal sich auch nach dem Köln-Spiel die Frage stellt: Gegen wen will Schalke eigentlich noch gewinnen, wenn nicht gegen ein bei allem Respekt äußerst limitiertes Team wie die Domstädter?

Rückschläge hat es für Schalke in dieser Saison verlässlich fast Spieltag für Spieltag gegeben, die Partie gegen Köln war ein Tiefschlag. Mitten in die Magengrube. Zunächst einmal sorgten die Wadenprobleme von Klaas-Jan Huntelaar dafür, dass der Niederländer sein Comeback nicht geben konnte. Der 37-Jährige gehörte gar nicht erst zum Kader, saß auf der Tribüne und konnte sich ein Bild davon machen, was ihn in den kommenden Monaten möglicherweise noch erwartet.

Schwere Hypothek

„Aber das wusste ich ja vorher“, wollte sich Huntelaar nach den frustrierenden 96 Minuten nicht einreden lassen, Schalke sei schon verloren. „Die zweite Halbzeit war doch positiv. Wenn wir so weitermachen, kommen wir da raus. Es sind noch 17 Spiele.“

Keine Frage – aber genau so sind die nüchtern betrachtet erbärmlichen sieben Punkte nach der Hinrunde auch eine schwere Hypothek. Mindestens zehn hätten es jetzt werden sollen – ein „Dreier“ gegen Köln war ja auch durchaus möglich. In der ersten Hälfte hatte Schalke das Geschehen – wenn auch auf niedrigem Niveau – einigermaßen im Griff, hätte bei einer der meistens von Amine Harit inszenierten Angriffe auch in Führung gehen können, lag dann aber trotzdem zurück, weil Kölns Rafael Czichos im Anschluss an eine Ecke einfach mal den Kopf hinhielt (31.) – wieder ein Gegentor nach einer Standardsituation, bei der diesmal vor allem Ralf Fährmann gepatzt hatte. Für die Kölner war es das erste Tor nach 516 Minuten.

Gross bleibt Optimist

Nach dem Seitenwechsel drehte Schalke auf, Matthew Hoppe traf im dritten Spiel hintereinander (57.), und von da an spielte eigentlich nur noch Schalke. Jetzt hätte der „Hunter“ bei vielen Strafraum-Szenen vielleicht helfen können, Köln wollte nur noch den Punkt über die sechs Minuten Nachspielzeit bringen, profitierte dann bei einem Konter aber von Schalker Unzulänglichkeiten und kam durch den eingewechselten Jan Uwe Thielmann noch zum 1:2 (90. plus 3).

Christian Gross ging erst mal Richtung Kabine, ließ diese unfassbare Niederlage sacken und kam dann mit neuer mentaler Stärke wieder zurück: „Wir hatten viele gute Offensiv-Szenen. Deshalb stimmt mich dieses Spiel auch trotz der Niederlage optimistisch.“

Am Sonntag beginnt für Schalke die Rückrunde. Gegen die Bayern. Die S04-Fans warten sehnsüchtig auf Jubelschreie ihres Teams.

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