Endlich wieder über einen Sieg jubeln durften Schalkes Spieler nach dem 4:0 gegen Hoffenheim. © dpa
Schalke 04

Schalke 04: Ein Tag wie im Märchen

Schalke beendet Sieglos-Serie mit einem 4:0 gegen Hoffenheim und wird nicht „tasmanisch“. Euphorie vor allem um Matthew Hoppe. Trainer Christian Gross hält Ball flach.

Alles, aber auch wirklich alles und jeden hatte Schalke mobilisiert für diesen Tag, über dem das Damoklesschwert der Geschichte hing. Schließlich lechzte offenbar ganz Fußball-Deutschland danach, Schalke endlich offiziell in einem Atemzug mit Tasmania Berlin nennen zu können. Kein Sieg gegen Hoffenheim, und das lange Undenkbare wäre eingetreten. Schalke hätte den Tasmania-Rekord von 31 sieglosen Spielen aus der Saison 1965/66 eingestellt. Ein Horror!

Also stand Trompeten-Willy vor dem Spiel am Eingang der Arena und blies zur „Attacke“, Vereinsmaskottchen Erwin hatte sich stellvertretend für die S04-Fans in der Nordkurve platziert, und die großen Schalker Sponsoren hatten zusammengelegt für ein riesiges, über der Gegengeraden gespanntes Transparent, auf dem stand: „Gemeinsam S04. Immer.“

„Felsen“ Ralf Fährmann

Alles war also angerichtet. Nun musste nur noch die Mannschaft liefern. Als sie dann mit 4:0 (1:0) gewonnen hatte, wurden rund um die Arena tatsächlich einige Feuerwerks-Raketen in die Luft gejagt, auf Twitter meldeten sich von Mesut Özil über Mama Hoppe, die Mutter von Matthew Hoppe, bis hin zu Tasmania Berlin („Danke, Schalke“) und Weston McKennie, der die selbstironische Fan-Hymne „Asoziale Schalker“ auf seine ganz eigene Art interpretierte, zahlreiche Gratulanten. Hätte Twitter Donald Trump nicht gesperrt, hätte sich vielleicht sogar der so gern „zwitschernde“ US-Präsident eingereiht – schließlich hatte am Samstag auch die New York Times über das Schalke drohende Rekord-Unheil berichtet.

Doch dann wurde aus einem Tag, dem viele S04-Anhänger eher mulmig entgegengesehen hatten, ein Tag wie im Märchen. Vor allem Matthew Hoppe, so Christian Gross, „wird sich noch lange an diesen Tag erinnern. Und das soll er auch.“

„Noch ganz viel Arbeit“

Schalkes Trainer hatte erneut auf den 19-Jährigen in der Start-Elf gesetzt, obwohl Benito Raman wieder einsatzfähig war. Dabei hatte Hoppe bislang bei seinen Einsätzen in der Profi-Mannschaft noch keine Bäume ausgerissen. Im Sommer 2019 von einer Zweigstelle des FC Barcelona in Kalifornien gekommen, war Hoppe (ausgesprochen: Hoppi) auch nur für die zweite Mannschaft vorgesehen. Die Bundesliga schien für ihn noch eine Nummer zu groß zu sein. Gross imponierte der Trainingseinsatz von Hoppe: „Er hat eine Top-Einstellung.“ Was mit einer Botschaft korrespondiert, die Hoppe neulich in die Welt schickte. Für Schalke, so der dreifache Torschütze vom Samstag, würde er sich „den Hintern sprengen“. So weit musste er gegen Hoffenheim gar nicht gehen…

Weil Hoppe mit Amine Harit einen Partner im Mittelfeld hatte, mit dem er sich in diesem Spiel perfekt ergänzte. Zu allen drei Toren von Hoppe leistete Harit die Vorarbeit, das vierte erzielte er selbst. „Ich spreche jeden Tag mit ihm“, so Gross über sein Verhältnis zu dem vor Wochen noch suspendierten Harit.

Viele Gespräche mit Harit

Diese Zuwendung bekommt Harit offenbar gut – genau wie Ralf Fährmann, dem Gross ebenfalls das Vertrauen geschenkt und ihn zur Nummer eins gemacht hat. Fährmann hielt gegen Hoffenheim die Null fest, als er gegen die frei vor ihm auftauchenden Belfodil und Kramaric prächtig parierte. Gross: „Wir mussten uns in der ersten Hälfte auf Ralf Fährmann verlassen. Er war unser Felsen, hat überragend gehalten.“

Auch deshalb lief an diesem Spieltag endlich einmal alles für Schalke. Auch weil der gleich zum Kapitän beförderte Sead Kolasinac mit seiner gesunden Aggressivität genau das machte, wofür er geholt wurde, auch weil Konkurrenten wie das neue Schlusslicht Mainz und Köln verloren. Ein märchenhafter Tag.

Nächste Aufgabe in Frankfurt

Also: Es war einmal ein Trainer, der alle vier Tore seiner Mannschaft relativ gelassen zur Kenntnis nahm. Darauf angesprochen schmunzelte Gross: „Das war ein Schutzmechanismus. Wir haben noch ganz viel Arbeit vor uns. Es hätte gegen Hoffenheim auch anders laufen können. Am Sonntag in Frankfurt wird es wieder ganz schwer.“

Vielleicht dürfen Erwin und Trompeten-Willy ja im Mannschaftsbus mitfahren.

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