Erleichtert: Sead Kolasinac umarmt Amine Harit. © dpa
S04-Kommentar

Schalke 04: Der Anfang ist gemacht, das Zählen beendet

Schalke 04 hat seine Negativserie endlich beendet. Auf was es nun für den Verein in den nächsten Wochen ankommt. Ein Kommentar.

Rund um den FC Schalke 04 hörte in den vergangenen Wochen das Zählen gar nicht mehr auf, weil sich die Mannschaft – egal, wer sie trainierte – beharrlich weigerte, endlich mal wieder ein Spiel zu gewinnen. War es da verwunderlich, dass selbst ein so erfahrener Stadionsprecher wie Dirk Oberschulte Beckmann beim Hoffenheim-Spiel kurz den Überblick verlor?

Von einem „5:0 für Schalke“ sprach der Kult-Moderator, aber diesen Fehler sahen ihm alle nach, die mit den Blau-Weißen sympathisierten. Ein 4:0 gegen Hoffenheim war genug Balsam für die Schalker Seele, die sich Woche für Woche mehr Hohn, Spott und (für Leistungssportler noch schlimmer) Mitleid ausgesetzt sah. Im Vorfeld des Hoffenheim-Spiels schaffte es Schalke in zahlreiche Nachrichtensendungen, selbst die renommierte New York Times schickte einen Reporter los, um über Schalkes „Rekordjagd“ zu berichten.

Jubiläum für Harit

Das ist jetzt Geschichte. Tasmania Berlin bleibt alleiniger Rekordhalter mit 31 Bundesligapartien in Serie ohne Sieg. Das haben die Berliner außer Matthew Hoppe und Ralf Fährmann auch Amine Harit zu verdanken, womit wir wieder bei Zahlen wären. Denn Harit hatte ebenfalls genau mitgezählt: Das Spiel gegen Hoffenheim, twitterte er, sei für sein 100. Bundesliga-Spiel (alle für Schalke) geradezu ideal gewesen.

Ein Jubiläum, das ihn zu einem Tor und drei Assists animierte und den schon mehrfach suspendierten Kicker in so prächtiger Verfassung zeigte wie schon lange nicht mehr. Wenn Harit diese Form konservieren könnte, wäre Schalke sehr geholfen. Denn der erste Bundesligasieg war nur ein kleiner Anfang auf dem beschwerlichen Weg, den Klassenerhalt zu sichern. Die Aussagen von Sportvorstand Jochen Schneider und Trainer Christian Gross ließen deshalb auch keinen Interpretationsspielraum. Euphorie hört sich anders an, beide wissen, wie viel Arbeit noch vor ihnen liegt.

Nerviger Rekord-Hype

Nichts würden sie mehr begrüßen, wenn das Zählen auf Schalke nun umgekehrt als in den letzten Monaten verlaufen würde. Harit: „Ich hoffe, dass dieses Ergebnis der Beginn einer langen Serie ist“. Ob das ein Traum bleibt oder Wirklichkeit werden kann, entscheiden die Spieler auf dem Platz. Am Sonntag wartet in Frankfurt die nächste Bewährungsprobe.

Ganz nüchtern betrachtet war der ganze Rekord-Hype im Vergleich mit Tasmania ohnehin nur nervig. Was einzig und allein zählte, war die Sieglos-Serie in dieser Saison. Und die war lang genug. Zu lang. Gut für Schalke, dass zumindest diese Zählerei vorerst ein Ende hat.

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