Auch Naldo (l.) kann die Egoismen von Harit nicht bremsen. © dpa
Kommentar

Manuel Baum darf keine Rücksicht auf beleidigte Leberwürste nehmen

Schalke 04 kriselt immer schlimmer. Trainer Manuel Baum ist jetzt besonders gefordert. Wir beleuchten die Krisenherde und sagen, was jetzt dringend notwendig ist.

Als Manuel Baum am 30. September als neuer Schalker Trainer vorgestellt wurde, konnte er noch im Brustton eigener Überzeugung verkünden: „Lasst mich mal machen“.

Rund sieben Wochen später dürfte dem 41-Jährigen längst klar sein, auf was für ein sportliches Himmelfahrtskommando er sich auf Schalke eingelassen hat. Den von ihm eingeleiteten zarten Aufschwung ist mit der Nicht-Leistung in den ersten 30 Minuten gegen Wolfsburg eine so krachende Bauchlandung gefolgt, die das Schlimmste für die Schalker Zukunft befürchten lässt.

Innerbetrieblicher Frieden gestört

Baum muss jetzt ohne Rücksicht auf Namen und frühere Verdienste innerhalb seines Kaders durchgreifen. Wenn Profis die beleidigte Leberwurst spielen, weil sie völlig zurecht ausgewechselt werden, dann gefährden sie durch solche Verhaltensweisen nicht nur den innerbetrieblichen Frieden, sondern auch den Erfolg der gesamten Mannschaft.

Schalke hat mit Nabil Bentaleb und Amine Harit – natürlich auch aus Eigeninteresse – eine Engelsgeduld bewiesen. Was haben sie dafür bekommen? Nichts.

Völlig abgehoben

Die heutige Profigeneration vermittelt längst den Eindruck, dass sie völlig abgehoben über den Dingen schwebt. Dazu tragen die Vereine in erheblichem Maße bei, indem sie ihre Personalstruktur so aufrüsten, dass bald jeder Spieler einen eigenen Trainer hat und gar nicht mehr in der Lage ist, eigenverantwortlich zu denken und zu handeln.

Wenn die Schalker Spieler nicht bald begreifen, dass sie nicht nur nehmen, sondern auch geben müssen, steht Schalke am Saisonende vor einem Scherbenhaufen. Baum steht vor einer Herkulesaufgabe. Schon das Spiel in Mönchengladbach wird zeigen, ob er seinen Spielern neue Impulse geben kann.

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