Klaas-Jan Huntelaar: Schalke-Comeback in Bremen nach 1351 Tagen möglich. © dpa
Schalke 04

Klaas-Jan Huntelaar: „Jedes Spiel ist eine Hoffnung auf die Wende“

Der 37-Jährige Stürmer steht nun auch auf dem Rasen vor seinem Schalke-Comeback. Trainer Christian Gross kündigt Teil-Einsatz in Bremen an: „In erster Linie erwarten wir von ihm Tore.“

Seinen Ruf als Kult-Stürmer hatte er sich auf Schalke längst gesichert, schließlich hatte er das Publikum jahrelang mit seinen Offensiv-Aktionen begeistert. Kein Wunder also, dass die Euphorie groß war, als er zum Karriere-Ende nach Schalke zurückkehrte, um seinem Herzens-Klub im Kampf gegen den Abstieg zu helfen.

Aber auch Rüdiger Abramczik konnte Schalke nicht mehr retten. Am Ende der Saison 1987/88 stieg der FC Schalke 04 zum dritten Mal aus der Ersten Liga ab.

Mission wurde nicht leichter

Eine kleine Zeitreise als dezente Warnung davor, Klaas-Jan Huntelaar mit Erwartungen zu überfrachten. Die „Mission Klassenerhalt“, die er mit Schalke wagt, kann er nicht alleine stemmen, außerdem ist sie durch die Niederlagen gegen Köln und die Bayern nicht leichter geworden.In diesen Spielen gehörte der „Hunter“ noch nicht zum Schalker Kader, weil das Risiko zu hoch schien, ihn mit seinen Wadenbeschwerden frühzeitig ins kalte, tiefe Wasser des Abstiegskampfes zu werfen.

Stürmer verbreitet Optimismus

Auf dem Platz helfen konnte er also noch nicht, dafür schwebt er seit seiner Vertragsunterschrift als so etwas wie ein „guter Geist“ durch die blau-weiße Landschaft. Tatsächlich ist durch seine Verpflichtung eine zarte Aufbruchstimmung entstanden, Huntelaar verbreitet Optimismus („Wir schaffen das. Jedes Spiel ist eine Hoffnung auf die Wende“), hielt beim Köln-Spiel in der Halbzeitpause sogar eine Ansprache an die Mannschaft, und so ganz nebenbei soll auch Sturm-Talent Matthew Hoppe vom „großen“ Huntelaar etwas für seinen weiteren Berufsweg lernen.Fast schon unromantisch, wie Christian Gross diese hübschen Nebeneffekte der Rückkehr von Klaas-Jan Huntelaar aufs Wesentliche reduziert: „Es wäre unklug, wenn wir nicht auch auf seine Erfahrung zurückgreifen würden. Aber in erster Linie“, so Schalkes Cheftrainer, „erwarten wir von ihm Tore.“

Langsam reinkommen

Im Spiel bei Werder Bremen (Samstag, 15.30 Uhr/Sky) könnte der „Hunter“ zumindest erstmals seit 1351 Tagen wieder für Schalke auf Torejagd gehen – Gross hat einen Teil-Einsatz des 37-Jährigen angekündigt. Wahrscheinlich ist die Variante, dass er Matthew Hoppe beginnen lässt und Huntelaar zum „Nachladen“ in der Hinterhand haben will. „Wenn ich fit bin, kann ich auch 90 Minuten lang spielen“, glaubt Huntelaar, will sich nun aber erst einmal langsam wieder rantasten ans Abenteuer Bundesliga.Und Gross ist ohnehin kein Fan davon, Spieler einzusetzen, die nicht bei 100 Prozent sind. Auch deshalb wurde Abwehrchef Salif Sané nach seiner Knieverletzung nun ein Aufbautraining verordnet, er ist erst wieder in ca. vier Wochen ein Thema. „Keine Kompromisse“ will Gross eingehen. Da Suat Serdar beim Abschlusstraining vor der Abreise nach Bremen fehlte, steht hinter seinem Einsatz zumindest ein Fragezeichen.

„Vollstrecker haben wir jetzt“

Sead Kolasinac, Klaas-Jan Huntelaar und der vom VfL Wolfsburg ausgeliehene William – mit drei Winter-Transfers versucht Schalke, das scheinbar Unmögliche doch noch zu schaffen. Im Prinzip ist das Bremen-Spiel ein Neu-Start: Jetzt gilt nur noch „Hopp oder Top“ – jeder Spieltag ohne Dreier ist ein verlorener. Schalke bleibt nur die Flucht nach vorn. „Einen Vollstrecker“, so Gross über Huntelaar, „haben wir ja jetzt“.Vielleicht ein gutes Omen: In Bremen (2:1 im November 2019) feierte Schalke den bislang letzten Bundesliga-Auswärtssieg. „Aber wenn Huntelaar spielt“, gibt S04-Sturm-Idol Klaus Fischer zu bedenken, „muss sich die Schalker Statik verändern. Es muss mehr nach vorn gespielt werden. Huntelaar braucht ,Futter‘ – sonst macht seine Rückkehr keinen Sinn.“ Dabei hat sich der Wechsel nach Schalke für Klaas-Jan Huntelaar zumindet in einer Hinsicht schon gelohnt: Wie andere Mannschaftskollegen auch ließ er sich in Zeiten geschlossener Friseur-Salons die Haare von Mitspieler Omar Mascarell stylen und kann mit dem Ergebnis gut leben: „Ich bin zufrieden. Und meine Frau auch!“

Fischer: Neue Statik nötig

Ein ähnliches „Schicksal“ wie einst Rüdiger Abramczik wird Huntelaar wohl erspart bleiben: Wegen Personalmangels musste „Abi“ nach seiner Rückkehr 1988 in der Abwehr aushelfen. Und das als Flankengott.

Das jüngste Gerücht: Nach Sky-Informationen ist Eintracht Frankfurts Chefscout Ben Manga ein Kandidat als Schalker Sportdirektor ab Sommer.

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