Ohne den Kapitän fehlte laut S04-Trainer Dimitrios Grammozis die „gewisse Stabilität“. Wie wird Schalke auf den monatelangen Ausfall von Danny Latza reagieren? © Tim Rehbein/RHR-FOTO
Schalke 04

„Elementar wichtig“: Wie reagiert Schalke auf Danny Latzas Verletzung?

Der Kapitän fällt monatelang aus. Zwingt dieser Ausfall Schalke noch einmal auf den Transfermarkt oder wird sogar ein „Verkaufskandidat“ wie Omar Mascarell überraschend „reaktiviert“?

Ein letztes Mal an einem stimmungsvollen Freitagabend gab es Szenen, die Fußballer- und Fan-Herzen höher schlagen ließen: Schalkes Mannschaft wurde mit Beifall und aufmunternden Sprechchören verabschiedet, die Stadionregie hatte dazu den Klassiker „Zeig‘ mir den Platz in der Kurve, wo alle Schalker zusammensteh‘n“ aufgelegt – das war genau die Atmosphäre, die die Sehnsucht nach dem Ende der „Geisterspiele“ beschleunigt hatte.

Einziger, aber nicht zu ignorierender Haken an der Sache: Schalke hatte das Zweitliga-Auftaktspiel gegen den Hamburger SV mit 1:3 verloren. Obwohl durch die frühe Führung, einen von Michael Langer gehaltenen Elfmeter und die hervorragende Stimmung in der Arena alle Signale auf „Königsblau“ gestanden hatten.

Lehrgeld gezahlt

Signale, die die Mannschaft von Trainer Dimitrios Grammozis nicht zu nutzen wusste – ausgerechnet der mit Routiniers gespickte Erstliga-Absteiger zahlte Zweitliga-Lehrgeld. Natürlich hätte das Spiel dann ganz anders ausgehen können, wenn die Gastgeber eine ihrer durchaus vorhanden Chancen später noch genutzt hätten, aber mit „hätte“ und „wäre“ sollte sich niemand mehr aufhalten – dieses Vokabular wurde in der Vorsaison schon überstrapaziert.

Fakt ist, und das ließ sich auch an den Spiel-Daten ablesen: Nach einer furiosen Anfangs-Viertelstunde zog sich Schalke ein Stück weit zu sehr zurück und überließ dem HSV die Initiative. Dann starke Hamburger wussten dies beharrlich, mit Geschick und Effizienz zu nutzen. Dass Schalke das Anfangs-Tempo nicht über 90 Minuten würde gehen können, lag auf der Hand – aber es wurde halt versäumt, den HSV so lange wie möglich zu ärgern.

In Kiel schon unter Druck

Versäumnis Nummer zwei: Beim Stand von 1:1 hätte es nach ca. 80 Minuten nicht geschadet, einfach mal auf die Bremse zu treten und den Punkt mitzunehmen. Zu viele ungestüme Aktionen spielten den Hamburgern in die Karten – und so seltsam das nach einem ersten Spieltag auch klingt: Schalke steht jetzt schon unter Druck. Am Sonntag in Kiel gilt es, nicht erneut in eine Negativ-Spirale zu geraten.

Danny Latza wird nicht nur in Kiel fehlen, sondern nach Informationen unserer Zeitung mindestens drei Monate lang: Der S04-Kapitän zog sich gegen den HSV eine Außenbandverletzung im rechten Knie zu. „Bei Danny reden wir mehr über Monate als über Wochen“, bestätigte S04-Sportvorstand Peter Knäbel im „Doppelpass“ bei Sport1 die Vorahnungen.

„Gewisse Stabilität fehlt“

Für Schalkes Trainer Dimitrios Grammozis war Latzas Ausfall nach etwas über einer halben Stunde möglicherweise mitentscheidend für die weitere Entwicklung des Spiels: „Wenn der Kapitän so früh raus muss, fehlt eine gewisse Stabilität. Danny ist ein Spieler, der elementar wichtig für uns ist. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir haben sehr viele und klare Torchancen gehabt. Das Ergebnis hätte auch ganz anders aussehen können.“

Latzas Verletzung ist die erste ganz große personelle Herausforderung zum Saisonstart – nicht auszuschließen, dass Schalke nun noch einmal zu einem Spontan-Einkauf auf dem Transfermarkt gezwungen wird. Diese Lösung erscheint jedenfalls realistischer als die „Reaktivierung“ von einem der Großverdiener wie Amine Harit, Ozan Kabak, Matija Nastasic oder Omar Mascarell – gerade Mascarell könnte von der Position her in Latzas Rolle schlüpfen. Einen Einsatz dieser Verkaufskandidaten, die gegen den HSV gar nicht zum Kader gehörten, obwohl sie ja noch auf Schalke unter Vertrag stehen und in den Testspielen teilweise zum Einsatz gekommen waren, hatte Grammozis vor dem Spiel noch süffisant ausgeschlossen: „In Testspielen gibt es keine Punktprämieren.“

Flick wieder ins Mittelfeld?

Ein Hinweis auf die Vertragskonstellation dieser Spieler – Matija Nastasic beispielsweise soll eine garantierte Punktprämie von 30.000 Euro in seinem Vertrag stehen haben. Dieser „Gefahr“ kann sich Schalke nicht aussetzen – diese Spieler passen ganz einfach nicht mehr ins Schalker Budget.

Die nahe liegendste interne Lösung, Latza zu ersetzen, wäre es, Florian Flick wieder von der Abwehr ins Mittelfeld vorzuziehen – dann hätte Grammozis seinen Plan mit Flick als spielendem „Abwehrchef“ allerdings früh wieder aufgegeben. Allerdings leistete sich Flick gegen den HSV das ein oder andere überflüssige Foul zu viel – eines führte zum Elfmeter, ein anderes zum Freistoß zum 1:1. Flick wurde schließlich ausgewechselt.

Nassim Boujellab wird Latza nicht ersetzen können: Er wurde an den Zweitliga-Konkurrenten FC Ingolstadt ausgeliehen – vorher hatte er seinen Vertrag auf Schalke bis 2023 verlängert.

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