Die Zweite Liga kommt immer näher: Schalke muss jetzt realistisch in die Zukunft schauen statt hadernd in den Rückspiegel. © dpa
Kommentar

Ein Bild des Jammers: Schalke sollte jetzt endlich nach vorn schauen

Auch im Derby nicht konkurrenzfähig. Die Zweite Liga kommt immer näher. Das Abarbeiten an den dafür Verantwortlichen ist verständlich, aber nicht zielführend. Starker Sportvorstand muss her.

An guten Absichten mangelte es vor dem Derby nicht: Im Arena-Inneren hatten S04-Fans eine tolle Trikot-Choreografie vorbereitet, über Twitter meldeten sich S04-Legenden von Gerald Asamoah über Ebbe Sand bis hin zu Marcelo Bordon und Lincoln zu Wort: Schalke, so die Botschaft, ist uns nicht egal!

Die Zukunft planen…

Aber die Realität hustete sogar den Schalker Legenden etwas – die Königsblauen bekamen bei der 0:4-Niederlage erneut den Stempel „Nicht konkurrenzfähig“ aufgedrückt. Dieser Mannschaft mangelt es vielleicht auch an Mentalität, vor allem aber an Qualität. Schalke hat, so bitter diese Erkenntnis auch ist, halt keine Spieler wie Haaland oder Sancho – unter den Labor-Bedingungen, die bei den „Geisterspielen“ herrschen, lässt sich dieses Ungleichgewicht der Kräfte dann halt nur schwer oder wie am Samstag auch gar nicht kompensieren.

Wie konnte Schalke nur so tief fallen? Diese Frage wird oft gestellt, ist aber nur dann von Relevanz, wenn sie einen Hinweis darauf gibt, wie es wieder besser werden kann. Aktuell gibt dieser Verein in seiner Gesamtheit ein Bild des Jammers ab: Das verlorene Derby mit all seinen unschönen Begleitumständen ist mit dem Wort „gespenstisch“ noch sehr höflich umschrieben.

…statt in den Rückspiegel schauen

Schalke muss, auch wenn es wegen der wahrscheinlichen Perspektive Zweite Liga zunächst weh tut, nach vorne schauen. Das Abarbeiten an den Schuldigen für die Krise ist nicht mehr zielführend – denn ob Christian Heidel, Clemens Tönnies, David Wagner, Manuel Baum, bald auch Jochen Schneider – sie alle sind Schalker Geschichte. Zumal es nicht den einen Verantwortlichen gibt – das Versagen ist, wenn man so will, eine geschlossene Mannschaftsleistung.Es gilt, jetzt und hier die Zukunft zu planen. Das wird schwer genug. Schalke braucht dringend einen Sportvorstand mit Kompetenz und Persönlichkeit – jemanden, der sich nicht von Aufsichtsräten, Medien oder Fans treiben lässt. Jemanden, der nicht über das schmale Budget jammert, sondern es akzeptiert und mit Fantasie und Kreativität das Beste daraus macht. Wenn das gelingt, kann sich – auch in der Zweiten Liga – der Wind auf Schalke ganz schnell wieder drehen. Das beweisen die vielen S04-Anhänger, die auch jetzt in den schlechten Zeiten ihre Zuneigung zu dem Klub dokumentieren.

Wind kann sich schnell drehen

Dass der Absturz in Liga zwei mittlerweile fast schon als so gut wie sicher gilt, sollte die aktuelle Mannschaft übrigens nicht daran hindern, alles dafür zu tun, das Wunder doch noch zu schaffen. Das ist diese Truppe dem Verein und seinen Fans schuldig.

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